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Katrin Eder

26.01.2023 Sitzungen 18/37

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Auch hier ist es wieder so, im Prinzip sind wir uns doch einig. Der Wald ist lebenswichtig für RheinlandPfalz. (Präsident Hendrik Hering übernimmt den Vorsitz) Es wurde bereits angesprochen, dass wir das waldreichste Bundesland sind. Er ist Lebens- und Erholungsraum. Er ist wichtig als Treibhausgassenker, er ist auch ein Rohstofflieferant, und er ist, wenn wir ihn naturnah bewirtschaften, ein Hotspot der Artenvielfalt. Deswegen freue ich mich, dass wir den Waldzustandsbericht immer so emotional und ausführlich debattieren. Ich will einfach noch einmal die Zahlen darstellen, die wir dieses Jahres erhoben haben. Es ist schon beachtlich, dass seit dem Jahr 1984 jedes Jahr von Mitte Juli bis Anfang August der Kronenzustand von Waldbäumen aufgenommen wird. Im Jahr 2022 waren es rund 3.700 Stichprobenbäume in 154 Wäldern. Meist dieselben Bäume, wenn es sie noch gibt, werden über viele Jahre hinweg und durch erfahrenes Personal der FAWF gesichtet. Gegenüber den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese Mammutaufgabe alljährlich bewältigen, möchte ich an dieser Stelle für ihren Einsatz einen ganz herzlichen Dank aussprechen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP) Wir haben es bereits gehört, dieses forstliche Umweltmonitoring liefert jedes Jahr einen ganz wichtigen Schadensbericht für die wichtigsten Baumarten. Nach einem günstigen Witterungsverlauf im Jahr 2021 – das hatten wir von Herrn Steinbach schon gehört – kamen die Wälder in Rheinland-Pfalz im extremen Dürresommer 2022 erneut unter extremen Klimastress. Dieser hielt nach Abschluss der Aufnahmen zum Waldzustandsbericht weiter an. Dieser Umstand ist bei der Betrachtung der Ergebnisse zu berücksichtigen. Insgesamt ist ein beängstigend hoher Anteil von 81 % der Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern geschädigt. Dieser Wert ist seit einem sprunghaften Anstieg im ersten Dürrejahre 2018 in etwa konstant hoch. Dabei erreicht der Anteil der stark geschädigten und abgestorbenen Bäume 5,1 %. Das ist mehr als doppelt so hoch als vor dem Jahr 2018. In der Fichte beträgt der Anteil sogar 8,6 %. Der Borkenkäferbefall hat sich wieder verschärft. Im Jahr 2022 haben sich erneut drei Käfergenerationen fertig entwickelt. Auch die Eiche bleibt auf einem sehr hohen Schadniveau. Kaum noch 7 % der Eichen sind ohne Schadmerkmale, und das, obwohl im Jahr 2022 kein erhöhter Pilzbefall oder Blattfraß auftrat. Die Schwächung der Buche als unsere wichtigste Baumart von Natur aus wird sich nach diesem Dürresommer fortsetzen. Die ermittelte Absterberate liegt jetzt schon um ein Vielfaches höher als in der gesamten Zeitreihe. Vorsorglich werden im Staatswald daher Eingriffe in über 100-jährige Buchenwälder weiterhin zurückgestellt. Im Waldzustandsbericht haben wir der Buche auch in diesem Jahr eines der Sonderkapital gewidmet. Der Klimawandel, das beschleunigte Artensterben und die fortschreitende Einschleppung von Fremdorganismen, all diese Stressfaktoren wirken fatal zusammen. Wir haben dieses Jahr aufgrund der aktuellen Ereignisse in den letzten Jahren das Thema „Wasser im Wald“ in den Fokus genommen. Jeder Tropfen Wasser, der im Wald ankommt, hilft den Bäumen und uns allen. Die Wälder reinigen das Trinkwasser, sorgen für Grundwasserneubildung, schützen vor Erosion und sind ein wichtiger Bestandteil der Hochwasservorsorge. Deshalb stellen wir den Forstämtern in den kommenden drei Jahren 2,7 Millionen Euro aus der Wasserwirtschaft zur Verfügung, damit mehr Wasser im Wald bleibt und dort möglichst langsam versickern kann. So kann sich langfristig der Grundwasserspiegel erholen, es gibt weniger Wasserknappheit, und auch die Bäume werden so weniger unter Trockenheit leiden. Im Projekt „Klimawald 2100“ werden alle Försterinnen und Förster geschult, was sie tun können, damit möglichst viel Wasser im Waldboden ankommt. Herr Ludwig, ganz ehrlich, ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, dass Sie sagen, die Försterinnen und Förster sollen in den Wald ausrücken. Ich erlebe es durchaus so, dass bei Landesforsten die Menschen im Wald unterwegs sind und sie wissen, was sie tun. Das gilt auch für das Thema „Umsetzung“. Soweit ich weiß, waren Sie doch mit der Fraktion im Soonwald unterwegs und haben sich angeschaut, wie hier schon vorgegangen wird, um das Wasser an den Wegen entlang in den Wald zu leiten, damit die Bäume das Wasser abbekommen und es nicht an den Wegen entlang in die Dörfer schießt. So machen wir das jetzt in vielen Forstämtern. Hier sind wir schon voll in die Umsetzung eingestiegen. Zum Thema „mehr Personal“. In der Walderklärung, die in der Vergangenheit unterzeichnet wurde, wurde vereinbart, mehr Stellen zu schaffen. Allein im Jahr 2022 wurden 45 neue Stellen geschaffen, aber auch in den Jahren vorher wurden seit der Walderklärung neue Stellen geschaffen. Ich glaube, wir zeigen, dass wir – die Mittelsumme 106 Millionen Euro wurde schon genannt – versuchen – nicht nur versuchen, sondern Landesforsten dabei unterstützen –, unseren Wald zu schützen und die Anpassungsfähigkeit unserer Wälder zu erhöhen. Wir machen das im Dialog. Wir müssen – das habe ich mir aufgeschrieben – dem Forst die Wasserbehörde und die Naturschutzbehörden vom Hals halten, haben Sie gesagt. Wir setzen in unserer naturnahen Waldbewirtschaftung auf Dialog. Ich bin sehr froh über Waldbegehungen mit allen Zuständigen, mit Verbänden, mit Försterinnen und Förstern, mit unterschiedlichen Meinungen, um uns im Dialog auszutauschen, wie wir die Anpassungsfähigkeit in unseren Wäldern erhöhen und welche Maßnahmen zielführend sind, weil wir nicht das eine gegen das andere ausspielen können. Es geht um den Erhalt des Waldes. Es geht um den Wiederaufbau des Waldes. Dies natürlich mit gezielten Unterstützungen. Dafür brauchen wir das Wasser, und wir brauchen natürlich den Wald als Hotspot der Artenvielfalt. Ich glaube, das können wir nur gemeinsam leisten. Deswegen bin ich Landesforsten und Herrn Dr. Manz sehr dankbar, der es federführend gemacht hat, den Walddialog im letzten Jahr zu starten und zu führen, weil es geht nicht darum, sich gegenseitig vom Hals zu halten, sondern es geht um ein Miteinander zum Wohle unseres Waldes geht. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP) Lassen Sie mich noch einen Aspekt benennen. Es wurde hier auch viel über Geld und die Waldprämie geredet. Es ist ein Erfolg aus Rheinland-Pfalz aus dem letzten Jahrzehnt, dass überhaupt der Bund dazu übergegangen ist, sich einmal Gedanken über eine Waldprämie zu machen. Natürlich ist das nicht das, was in der Vergangenheit mit der sogenannten Waldklimaprämie gefordert wurde. Leider ist der Staatswald nicht dabei, was wir sehr bedauern, aber ich denke, das ist ein Einstieg. Wenn Sie sagen, das bringt nichts, kann ich Ihnen sagen, die rheinlandpfälzischen Kommunen und die rheinland-pfälzischen Waldbesitzenden, mit denen wir auch im ständigen Austausch stehen, sind nach Bayern auf Platz 2 bei der Beantragung. Ich glaube, das zeigt, dass dieses Instrument greift. Das ist ein erster Schritt. Das ist ein erster Einstieg in eine Waldprämie, die natürlich auch an die Art und Weise gekoppelt sein muss, wie der Wald bewirtschaftet wird. Auch das erreichen wir nur miteinander und indem wir den Bund auffordern, das weiterzuentwickeln, sodass auch der Staatswald künftig berücksichtigt wird, weil wir alles tun wollen, um unseren Wald zu unterstützen. Wir brauchen ihn als Klimasenker, als Erholungsraum, als Artenvielfalt-Hotspot und für unser Trinkwasser. Ich glaube, das erreichen wir nur miteinander im Dialog, um seine Anpassungsfähigkeit zu stärken. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)

Protokoll ↗