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Fabian Ehmann

GRÜNE 26.01.2023 Sitzungen 18/37

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Letzten Sommer habe ich eine Wanderung im Mainzer Lennebergwald mit dem lokalen Förster gemacht. Im Mainzer Lennebergwald wird, wie in keinem anderen Wald in Rheinland-Pfalz, klar, wie sehr der Wald unter der Klimakrise leidet. Er ist einer der trockensten Wälder, die wir in Rheinland-Pfalz haben. Viele Bäume sind krank. Es waren Bereiche abgesperrt, die man gar nicht erst betreten konnte, weil die Gefahr bestand, dass Bäume zusammenstürzen, trockene Äste abbrechen. Das zeigt, dass sich die Klimakrise auch auf die Sicherheit in unseren Wäldern auswirkt, aber auch, dass wir den konsequenten Klimaschutz brauchen, damit wir auch in Zukunft Wälder haben, die wir als unsere Heimat bezeichnen, in denen wir Spaziergänge und Wanderungen machen können, und Wälder haben, die auch weiterhin der Naherholung dienen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Diese Erfahrung, die ich in Mainz gemacht habe und die wir alle, wenn wir im Wald unterwegs sind, machen, ob es jetzt in der Eifel, im Pfälzerwald, im Hunsrück, im Westerwald oder im Soonwald ist, bestätigt sich in ganz Rheinland-Pfalz. Das zeigt uns auch der Waldzustandsbericht, den wir immer traditionell im Januar im Plenum besprechen. Unsere Wälder leiden extrem unter der Hitze und der Trockenheit. Sie konnten sich nicht von den krassen Hitzesommern 2018, 2019, 2020 und 2021 erholen. Unsere Wälder stehen quasi unter Dauerstress. Das kennen wir als Menschen auch. Wenn wir unter Dauerstress stehen, wirkt sich das auf unser Immunsystem aus. Bei den Wäldern und den Bäumen führt das dazu, dass sie viel anfälliger für Pilzkrankheiten und Schädlinge sind. Vier von fünf Bäumen in Rheinland-Pfalz sind geschädigt. Das fällt uns allen auf, wenn wir durch unsere Wälder gehen. Trockene Bäume und geschädigte Kronen sind das Bild, das die Wälder prägt. Der fehlende Regen – wir haben das schon beim Thema „Wasserrückhalt“ gehört – wirkt sich auf das Ökosystem insgesamt aus; denn viele Tiere haben hier ihre Lebensgrundlage und leiden darunter, wenn Tümpel, Teiche und andere Gewässer austrocknen. Insekten und Amphibien finden keine Plätze zum Laichen mehr. Wenn diese weniger werden oder aussterben, führt das wiederum zu Auswirkungen in der Nahrungskette im Ökosystem Wald. Das heißt, wir müssen die Wälder so umbauen – das hat Kollege Nico Steinbach gesagt –, dass sie fähig sind, das Wasser zu speichern, den Wasserrückhalt zu fördern. Dazu macht Landesforsten aktuell sehr viel mit Musterforstämtern, die schon mit sehr gutem Beispiel vorangehen. Wenn man den Waldzustandsbericht liest, denkt man natürlich, unseren Wäldern geht es sehr, sehr schlecht, aber wir machen auch sehr viel. Deswegen kann ich auch in diese Schwarzmalerei nicht einstimmen. Unser Landesministerium für Klimaschutz macht sehr viel, und wir haben sehr viele engagierte Försterinnen und Förster, denen ich an dieser Stelle aus dem Plenum für ihren Einsatz für unsere Wälder danken möchte. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt bei der SPD sowie des Abg. Marco Weber, FDP) Wir haben in Rheinland-Pfalz seit 2018 etwa 40.000 ha Wald wieder aufgeforstet. Das entspricht etwa der Fläche von 56 Fußballfeldern. Wir haben zudem in dieser Koalition das Schwerpunktprojekt Klimawald 2100 ins Leben gerufen. Das ist ein großes wissenschaftliches Forschungsprojekt, das wir mit Landesforsten und der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt aufnehmen. Dort wird in mehreren Modulen wissenschaftlich und hochwertig an den Wäldern und ihrem Zustand geforscht und werden Empfehlungen ausgesprochen, wie wir unsere Waldbehandlung, unsere Forstwirtschaft und Waldwirtschaft ökologischer umstellen können. Es wird einmal daran geforscht, wie wir den Wasserrückhalt in den Wäldern – das Thema hatten wir schon – steigern können. Es wird weiter dazu geforscht, wie wir unsere Buchenökosysteme – Buche als Heimatbaumart – weiter ökologischer gestalten können; denn neben der Fichte sind aktuell auch sehr, sehr viele Buchen bereits jetzt von der Klimakrise betroffen und leiden unter den Hitzesommern. Darüber hinaus wird dazu geforscht, wie wir mit Störungsflächen umgehen, das heißt, wenn wir Kalamitäten haben, wie wir mit diesen umgehen, um sie wieder aufzuforsten, ob wir aktiv pflanzen müssen oder viele Prozesse der Natur überlassen können. Es wird noch geforscht und entwickelt, wie wir mit der Bevölkerung über das Thema „Waldwirtschaft und Forstwirtschaft“ kommunizieren können; denn wir merken es, viele Menschen interessieren sich für unsere Wälder, merken, wie die Wälder unter der Klimakrise leiden und diskutieren: Was können wir für unsere Wälder tun? Deswegen wird auch hier geforscht, wie wir noch aktiver vonseiten von Landesforsten mit der Bevölkerung, mit den interessierten Menschen in den Natur- und Umweltschutzverbänden kommunizieren können. Wir sind das waldreichste Bundesland. Das ist schon angesprochen worden. Wir haben viele schöne Wälder, die wir gerne als unserer Heimat, als unsere Flächen für Naherholung, aber auch als unsere Flächen, die den wertvollen Rohstoff Holz, den wir als Rohstoff im Klimaschutz brauchen, bewahren wollen. Deswegen müssen wir uns alle für den konsequenten Klimaschutz, für unsere Wälder einsetzen; denn Waldschutz ist Klimaschutz, und Klimaschutz ist Waldschutz. Danke schön. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt bei der SPD sowie des Abg. Marco Weber, FDP)

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