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Nico Steinbach

SPD 26.01.2023 Sitzungen 18/37

Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir kommen nun vom Karneval zum Zweitwichtigsten, ich behaupte dem Allerwichtigsten, nämlich unserem Naturraum, dem Wald. Rheinland-Pfalz ist mit 42 % der Landesfläche bewaldet. Wie jedes Jahr sprechen wir über den Waldzustandsbericht, der allerdings wieder Grund zur Sorge gibt. Im aktuellen Bericht, den es immerhin seit 1984 gibt, wird der Zustand unseres Waldökosystems auf 80 Seiten akribisch dokumentiert. Ein herzlicher Dank geht an unsere Landesforstverwaltung und an die Forschungsanstalt für Waldökologie für dieses Datenmaterial. (Beifall bei der SPD) Der Zustand ist insofern mehr als bedenklich, weil sich nur 19 % unserer Bäume in Rheinland-Pfalz ohne Schadenmerkmale auszeichnen. Summa summarum ergibt das leider die traurige Zahl von 81 % geschädigten, leicht bis stark geschädigten Bäumen. Die stichprobenartige Untersuchung, die wie ein Rasternetz über das Land verteilt liegt, hat knapp 3.700 Bäume stichprobenartig im Raster. Dies führt zu den Untersuchungsergebnissen. Im letzten Jahr gab es leichte Hoffnung, da doch das Jahr 2021 etwas regenreicher war. Trotzdem muss man leider feststellen, dass der Vitalitätszustand unserer Wälder weiterhin im höchsten Maße besorgniserregend ist. Das Schadensniveau ist unverändert überdurchschnittlich hoch. Die im Jahr 2022 abgestorbenen Bäume, insbesondere die Fichte, Kiefer und Buche, haben die Absterberate deutlich über dem langjährigen Durchschnitt dokumentiert. Leider ist auch bei den Luftschadstoffen in den letzten Jahren keine Verbesserung eingetreten. Nachdem gerade in den 1980er- und 1990er-Jahren starke Reduzierungen – Stichwort Einführung des Katalysators etc. – festzustellen waren, sind die Belastungen von Schwermetallen und Schwefeldioxid weiterhin zu hoch. Durch die Dürrephasen ist in den letzten Jahren die Population des Borkenkäfers weiterhin viel zu hoch. Die günstige Witterung, warme, trockene Sommer – Sie kennen das –, sind ein guter Nährboden für viele Populationen. Wir haben teilweise mindestens drei Populationen feststellen müssen. Auch im letzten Jahr wurden 6 % der Fichtenbestände vom Borkenkäfer befallen. Das hat eine sehr hohe Kalamitätsholzrate produziert. Das ist leider dramatisch. Die Dürrephasen verhindern überlebensnotwendige Transpiration und somit die Fähigkeit des Waldes, die Temperaturregelung positiv zu beeinflussen. Ein besonderes Kapitel – da möchte ich etwas tiefer einsteigen – im Waldzustandsbericht ist dieses Jahr das Thema „Wasserrückhalt im Wald“. Das ist etwas ganz Besonderes. Das ist etwas ganz besonders Wichtiges. Dieses Sonderkapitel hat den Hintergrund, dass wir in den letzten Jahren in Rheinland-Pfalz einen Temperaturanstieg von mittlerweile 1,6 Grad C feststellen müssen. Das hat negative Folgen für die klimatische Wasserbilanz in den Waldgebieten. Der Wald dient als Aufnahmebecken, als Rückhalt und Puffer von starken Niederschlägen und somit auch als Schutz vor Sturzfluten. Er ist damit direkte Starkregenvorsorge. Das müssen wir wissen. Das müssen wir in den Blick nehmen. Das haben wir in den Blick genommen; denn diese fachliche Expertise dient dazu, gemeinschaftlich mit Landesforsten, mit der Fachexpertise in unseren Gemeinschaftsforstämtern in der Fläche Maßnahmen zu ergreifen, die einen Wasserrückhalt in der Fläche ermöglichen und die Trends, die teilweise Jahrhunderte zurückliegen, nämlich Wasser schnell aus dem Wald herauszutragen und dem Gewässer zuzuführen, zu beenden. Diese Puffer, diesen unversiegelten Boden soll man nutzen. Das ist nicht nur wichtig als Vorsorge vor Starkregenereignissen, also Schadereignissen, sondern ist elementar wichtig für die Grundwasserneubildung, um die Wasservorräte im Wald zu puffern. (Glocke des Präsidenten) – 5 Minuten waren es, oder?

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