Marco Weber
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Deutschland hat 80 Millionen Einwohner. Zehnmal so viele auf dieser Welt hungern; 800 Millionen Menschen haben nicht ausreichend zu essen und zu trinken. Ich habe mich heute für die Variante entschieden, über Lebensmittelverschwendung in der Art und Weise zu sprechen, dass ich von einem Betrieb berichte, der Schweine gehalten hat und an einem Samstagmorgen fünf Muttertiere, die in dem Betrieb geboren wurden, über sechs Jahre auf dem Betrieb aufgewachsen sind und Nachfahren geboren haben, zur letzten Station ihres Lebens transportieren wollte. Die beiden Betriebsleiter haben aufgrund der Erntetätigkeiten entschieden, den Senior mit diesen fünf Zuchttieren auf den Weg zu schicken. Der Redner war selbst dabei, wie diese fünf Tiere verladen wurden. Bei dieser Verladung hat eines dieser Muttertiere sich an einem Hinterbein eine Afterklaue leicht verletzt. Es war nicht die Hauptklaue, sondern die Afterklaue. Die beiden Betriebsleiter hatten nicht bedacht, dass der Transport über 60 km lang war. Der Senior kam dann an diesem Samstagmorgen nach 75 km an der Schlachtstätte an, machte die Klappe auf, und vier Schweine liefen zu ihrer letzten Station. Die eine Muttersau saß auf den Hinterbeinen, und die Veterinärin sagte: Stopp, dieses Tier kann nicht der Lebensmittelverwertung zugeführt werden. Ich werde jetzt einen Fotoapparat nehmen und das dokumentieren. Dieses Tier wird nicht der Nahrungsmittelproduktion zugeführt. – Der Altenteiler entschied dann, die Klappe zuzumachen und zur letzten Station mit diesem Einzeltier die Heimreise anzutreten. Das, was in den nächsten zwei Stunden passiert ist, lässt mich als Katholiken bzw. als jemanden, der mit Nahrungsmitteln verantwortungsvoll umgeht, ein bisschen verzweifeln. Auf dieser Heimreise wurde die Polizei aktiviert. Als die Sau und der Senior auf dem Hof ankamen, stand die Sau in der zertifizierten Transportkarre und wurde von einem Tierarzt im Beisein von zwei Polizisten zur letzten Station befördert. Am darauffolgenden Montag wurde dieses Tier der endlichen Verwertung in Rivenich zugeführt. (Abg. Peter Moskopp, CDU: Unglaublich!) Der Senior hat dem an diesem Tag nicht mehr beigewohnt, weil er Zeit seines Lebens, über 70 Jahre lang, Tiere gehalten und Nahrungsmittel produziert hat. Er hat an dem Tag den Hof verlassen. Damit möchte ich ausdrücken – das sage ich auch an alle Vorredner gerichtet –, wir müssen das Bewusstsein stärker schärfen. Es wurden die vielen Dinge vonseiten der Ministerien genannt. Ich habe nicht gedacht, dass ich es noch einmal erlebe, dass ich hier eine Bundesministerin a. D. lobend dafür erwähne, mit dem Einzelhandel Gespräche geführt zu haben. (Zuruf des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Landwirte, die heute noch Tiere halten, stellen sich manchmal die Frage, ob sie in einem Lebensmitteleinzelhandel an der Einzeltier- bzw. an der Hund-Katze-Maus-Abteilung vorbeigehen. Sie erleben dort, dass die einzelnen Produkte für Hund, Katze, Maus teurer sind als die Produkte, die an der Fleischtheke für unser tägliches Leben zur Verfügung stehen und qualitativ gut sind. (Beifall bei der CDU) Sie werden in Deutschland keinen Lebensmitteleinzelhandel – egal ob klein, ob groß, ob links, ob rechts – finden, in dem nicht gute Lebensmittel aus deutscher Produktion in einwandfreier Qualität vorliegen. (Beifall der FDP, bei der SPD, bei der CDU, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei den FREIEN WÄHLERN) Daher begrüßen wir als FDP-Fraktion alle Maßnahmen auf Bundesebene, die den Verbraucher vom Kindergarten an – ich sage vom Kreißsaal bis zum Friedhof – dafür sensibilisieren, welche tollen Produkte die Landwirte, die Winzer, die Gemüsebauern und die Obstbauern in Deutschland produzieren. Ich bin gerne bereit, weiter an den einzelnen Dingen, die uns tagtäglich in unserer Arbeit als Landwirte und Winzer entgegentreten, und am Ausbau der guten Qualität der rheinland-pfälzischen Produkte zu arbeiten. Eines muss ich an dem Punkt noch sagen: Wenn wir über eine Abgabe sprechen, dann müssen wir darüber reden, ob wir über den Groß- und Einzelhandel oder über den kleinen Bäckerbetrieb oder die kleine Metzgerei sprechen, die abends die Theke leer haben, sage ich einmal. Ein verantwortungsvoll geführter Familienbetrieb hat abends die Theke leer. Bei EDEKA, LIDL, ALDI, NORMA und wie sie alle heißen sieht die Welt ein bisschen anders aus. (Abg. Carl-Bernhard von Heusinger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Absolut!) Ich hoffe, ein bisschen Nachdenklichkeit in meiner Rede mitgebracht zu haben. Danke. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
