Iris Nieland
Sehr geehrter Herr Präsident, guten Morgen liebe Kollegen! Brot wirft man nicht weg. Haben wir uns das heute Morgen beim Frühstück bewusst gemacht? Kein Frühstück? Das wundert mich nicht. Lebensmittel wirft man nicht weg. Verschwendung ist fehlendes Maßhalten und daher eine höchst ethische Frage. Die heutige Frage ist aber: Was können wir hier und heute angesichts eines ungeheuren Ausmaßes an Verschwendung tun? (Unruhe bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP – Glocke des Präsidenten) Das ist im Übrigen eine Frage, die 900 Millionen Menschen auf dieser Welt nicht kennen; denn sie hungern. Sehr geehrte Damen und Herren, wir leben hier aber in Rheinland-Pfalz, und daher stellen wir uns dem Problem. Ist Foodsharing nun eine Antwort? Foodsharing existiert in seiner heutigen Form seit etwa zehn Jahren. Dabei geht es – Sie wissen es – vereinfacht ausgedrückt darum, Lebensmittel, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr verwertet werden, zu teilen statt sie wegzuwerfen. Die Zahlen haben wir gehört. Jährlich sind es 12 Millionen t, auf eine Person gerechnet 75 kg oder greifbarer: Jede Minute landet in diesem Land ein Lkw Lebensmittel im Müll. Private Haushalte sind für ungefähr 59 % der Lebensmittelabfälle verantwortlich. Das war jedoch nicht immer so. Beispielsweise in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg hatte kaum eine Familie genug zu essen. Man griff sich unter die Arme, unterstützte sich von Familie zu Familie, hielt die Gesellschaft zusammen. Leider haben Wohlstand, Überproduktion und die Möglichkeit des Massenkonsums in den Köpfen vieler in den entwickelten Ländern dazu geführt, dass das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln und natürlichen Ressourcen verloren ging. (Unruhe bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP – Glocke des Präsidenten) Es setzte zudem zunehmend eine Wegwerfmentalität ein, und immer mehr verfestigte sich die Meinung, dass insbesondere Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hatten, ungenießbar seien. Reste vom Mittagessen werden nicht am nächsten Tag aufgewärmt, sondern in den Müll geworfen. Wir als Politiker haben eine Mitverantwortung dafür, dass Lebensmittel, die Berufe und die Menschen, die sie produzieren, die Wertschätzung erfahren, die ihnen gebührt. (Beifall der AfD) Jeder Einzelne kann aber genauso einen Beitrag zu Hause, in der Familie leisten. Deswegen begrüßt es die AfD-Fraktion ausdrücklich, dass wir heute der Frage des Erhalts von Lebensmitteln eine hohe Bedeutung beimessen. Selbstverständlich sollte Lebensmittelverschwendung eingedämmt werden. So kann Foodsharing durchaus dabei helfen, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Bei der wohl bekanntesten Form nutzen private Verbraucher oder ehrenamtliche Helfer schrankähnliche Gebilde, sogenannte Fairteiler, die in vielen Städten bereits zum Einsatz kommen. Sollten also in einem Haushalt Lebensmittel übrig bleiben, können diese direkt oder über eine Vermittlung von Ehrenamtlichen in einem solchen Schrank platziert werden, wovon andere Teilnehmer profitieren. Es gibt jedoch noch viele ungeklärte Fragen und Hindernisse. Erstens ist da der Aspekt der Hygiene und der Kontrolle. Wie stellen wir beispielsweise bei Obst im Sommer sicher, dass es durch die Hitze nicht schnell verdirbt? Wie stellen wir sicher, dass die Schränke nicht durch das Einstellen von Alkohol oder anderen Drogen missbraucht werden? Zweitens berühren diese Fragen die Organisation. Oftmals ist nämlich unklar, wann und wie diese Fairteiler befüllt werden. Hier liegt Klärungs- und Verbesserungspotenzial vor. Drittens gibt es rechtlichen Klärungsbedarf. Wer sollte haften, falls jemand nachweislich aufgrund des Konsums dieser geteilten Lebensmittel zu Schaden kommt? Wie sollen Qualitätsstandards überprüft und gesichert werden? Ich freue mich, mit Ihnen darüber in den Austausch zu gehen und gute Lösungen für uns und unsere Bürger zu finden. Vielen Dank. (Beifall der AfD)
