Dr. Herbert Drumm
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Den Bereich „Gesundheit“ wird Herr Schwab anschließend bewerten. Im Bereich „Wissenschaft“ möchte ich mich auf einen einzigen Punkt konzentrieren, den ich für zukunftsentscheidend halte. Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unseres Landes sind die geistigen und innovativen Fähigkeiten unserer Bürgerinnen und Bürger, der einzig wirklich wichtige, chancenreiche Rohstoff, den wir besitzen. Diese Fähigkeiten müssen lebenslang sowohl in der Breite als auch in der Spitze, insbesondere in Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen, bestmöglich entwickelt und gefördert werden. Für die Breitenförderung wird vieles getan, doch die Spitze kommt zu kurz. Dringend benötigt werden hervorragend ausgebildete junge Menschen, die in der Lage sind, Weiterentwicklungen in den verschiedensten Bereichen anzustoßen und durchzuführen und zudem Spitzenpositionen auszufüllen. Des Weiteren wird es kaum mehr lebenslange Arbeitsplätze geben. Geistige Flexibilität und die Fähigkeit, sich in neue Gebiete einzuarbeiten, werden also von herausragender Bedeutung sein, vor allem in höheren Positionen. Dazu müssen gerade bei diesen Menschen sowohl ein möglichst hoher Allgemeinbildungs- und Wissensstand erreicht, als auch ihre besonderen persönlichen Fähigkeiten gefördert werden. Die Schulen müssen die entscheidende breite Grundlage gewährleisten, auf der die Hochschulen aufbauen können, und hochwertige und spezialisierte Ausbildungen sicherstellen. Eine zentrale Aufgabe der Hochschulen ist es, hervorragende Wissenschaftler, sowohl im Hinblick auf Forschung als auch auf Tätigkeiten in der Wirtschaft und in anderen Gebieten auszubilden. Wie wichtig dies ist, zeigt sich nicht nur im Moment sehr augenfällig in der Biotechnologie, sondern das gilt auch für viele andere Bereiche. Lassen Sie mich an einem anderen aktuellen Beispiel, meinem derzeitigen Lieblingsbeispiel, auf das ich hier schon mehrfach eingegangen bin – eine Technologie, deren Bedeutung gerade unsere grünen Freunde komplett verkennen –, darstellen, was ich damit meine. Gerade vor wenigen Tagen wurde aus den USA ein Durchbruch bei der Fusionsforschung gemeldet. Hierbei werden Wasserstoffkerne fast ohne radioaktiven Abfall und unter Freisetzung riesiger Energiemengen zu Helium verschmolzen. Das Grundmaterial gibt es in genügend großen Mengen in Deutschland, was eine unabhängige Energieversorgung garantiert. Mit dem europäischen und dem amerikanischen Weg haben wir nun zwei verschiedene technologische Ansätze zur Lösung der immensen Probleme bei der Beherrschung der gesteuerten Fusion. Wir können sehr sicher sein, dass das Vorhaben gelingen wird; wohl nicht in den aus den USA verkündeten zehn Jahren – 20 Jahre sind realistischer –, aber dann steht uns genügend Energie zur Verfügung. Die Zukunft liegt langfristig also nicht in der Solartechnologie und den Windrädern und vor allem nicht in Windrädern auf bewaldeten Kammlagen, was der Wasserrückhaltung widerspricht. (Abg. Martin Haller, SPD: Was machen wir bis dahin?) – Ich habe „langfristig“ gesagt. Hören Sie bitte zu. (Abg. Martin Haller, SPD: Wir reden doch über das Jetzt!) – Das sind Übergangstechnologien, die sie jetzt entwickeln. Genau so ist es. Die Zukunft liegt nur bedingt in der Wasserstofftechnologie, sondern wahrscheinlich in der Kernfusion. Allerdings haben wir aus ideologischen Gründen in den letzten Jahren in Deutschland nicht genug Wert auf dieses Forschungsgebiet gelegt, in dem wir mit führend waren. Wir müssen die Forschungsanstrengungen dringend wieder verstärken, damit wir in diesem Hochtechnologiebereich nicht hoffnungslos hinterherhinken. (Beifall des Abg. Stephan Wefelscheid, FREIE WÄHLER, und bei der AfD) Warum mache ich alle diese Ausführungen? Was hat das mit Einzelplan 15 zu tun? Eine ganze Menge; denn es geht auch hier um ein wichtiges Wissenschaftsprojekt, und auch in diesem geht nichts ohne hervorragende Wissenschaftler. Um die Ausbildung hervorragender Wissenschaftler zu gewährleisten, braucht es besondere Anstrengungen in Lehre und Forschung, was nur mit einem umfangreichen und leistungsstarken akademischen Mittelbau erreicht werden kann. Dort wird die grundlegende Arbeit geleistet, damit entsprechend gute Lehre und Forschung stattfinden kann. Daher muss gerade dieser akademische Mittelbau personell und finanziell weiter gestärkt werden, und auch das Arbeitsplatzumfeld muss attraktiv sein. Deswegen sind die Etats für Sachmittel und Energie so weit zu erhöhen, dass keine personellen Mittel dafür umgewidmet werden müssen. Auch Forschungsprojekte inner- und außerhalb der Hochschulen sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen benötigen erhöhte Mittelzuweisungen, insbesondere für die Wasserstoff- und Kernfusionstechnologien. Zu all diesen Forderungen gibt es Haushaltsansätze, die aber der enormen Bedeutung der angesprochenen Aufgaben nicht angemessen sind. Wir wissen, dass das Land solche Großprojekte nicht alleine betreiben und finanzieren, sondern oft nur einen kleinen Beitrag leisten kann. Es kann aber Zeichen setzen und über den Bund und Europa wichtige Anstöße zu einer zukunftsfähigen Wissenschaft geben. Das alles erwarten die Freien Wähler von der Landesregierung. Vielen Dank. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie des Abg. Ralf Schönborn, AfD)
