Dr. Stefanie Hubig
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Thema „Fachkräftesicherung“ ist ein wichtiges Thema, aber das, was die AfD hier vorlegt, ist nichts, was uns in irgendeiner Art und Weise auch nur ein bisschen nach vorne bringt. Es ist ein alter Antrag, wir kennen ihn, er hat jetzt eine ein bisschen neue Überschrift und noch ein paar aktualisierte Daten, aber wir haben hier schon darüber diskutiert, und er bringt uns kein bisschen weiter. Was Sie wollen, ist wie immer Ausgrenzung, Abschottung, Trennung von allen. (Abg. Joachim Paul, AfD: Ach ja, wirklich!) Wir brauchen kein Gegeneinander. Wir brauchen die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Das ist das Credo unserer Landesregierung, und dafür stehen wir. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Sie wollen die einen gegen die anderen ausspielen. Wir brauchen alle Potenziale. Natürlich brauchen wir die Handwerker und Handwerkerinnen, und wir brauchen auch die Menschen, die in Wirtschaftsbetrieben arbeiten. Wir brauchen aber – wir hatten gerade auch die Diskussion darüber bei einem anderen Tagesordnungspunkt – natürlich auch Studierende. Wichtig ist – da bin ich allen Parteien hier, allen anderen Parteien hier, sehr dankbar –, dass wir ein durchlässiges Bildungssystem haben; denn junge Menschen wissen oft am Anfang ihrer Schulkarriere noch nicht, wo sie am besten ihren Platz finden, wo sie ihre Stärken ausleben können. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen den Weg nicht erschweren, sondern erleichtern. Deshalb sind unsere Grundsätze andere. Wir haben Vertrauen in die Eltern; denn die Eltern sind diejenigen, die ihre Kinder beraten. Sie sind diejenigen, die sie bei der Entscheidung, wo geht mein berufliches Leben später los, unterstützen. Deshalb ist es gut, dass auch die Eltern beraten werden, und deshalb ist es auch gut und richtig, dass es keine verpflichtende Grundschulempfehlung gibt. Wenn Sie hier immer Bayern zitieren, dann kann ich nur sagen, wenn das angeblich die Lösung wäre, um gegen Fachkräftemangel vorzugehen, dann frage ich mich: Warum ist es denn dann in Bayern nicht anders? (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Bayern hat auch Fachkräftemangel, weil das ein bundesweites Phänomen ist, nicht nur in dem einen Bereich, sondern auch in allen anderen Bereichen. Das wissen Sie genauso gut wie ich. Sie möchten einfach nur trennen, und sie möchten gerne, dass manche Kinder es in ihrem Leben und ihrer beruflichen Laufbahn schwerer haben. (Abg. Michael Frisch, AfD: Das ist eine bösartige Unterstellung! Also das ist unterste Schublade!) Wenn Sie dann anfangen, hier auch noch die Realschulen plus schlecht zu machen – der Zuruf von Herrn Frisch gerade war wieder so etwas –, kann ich Ihnen eines sagen: Die Realschulen plus sind eine tragende Säule in unserem rheinland-pfälzischen Bildungssystem. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der FDP sowie der Abg. Thomas Barth, CDU, und Helge Schwab, FREIE WÄHLER) Ich bin dankbar dafür, dass hier fast alle applaudiert haben; denn das, was dort geleistet wird, ist überaus toll. Ich danke den Lehrerinnen und Lehrern, und ich danke auch den Eltern, die sagen, wir möchten, dass unsere Kinder auf die Realschule plus gehen; denn die Realschulen plus sind die Schulen, die vor allen Dingen mit den Handwerkern vernetzt sind, mit den Betrieben, mit der Industrie, die ganz viele Praktika machen. Herr Paul, Sie wissen doch, dass es den Praxistag gibt. Tun Sie doch nicht so, als gäbe es da nur irgendein Bundesinstrument. Natürlich wissen Sie, dass bei uns die Schülerinnen und Schüler in den rheinland-pfälzischen Realschulen plus in Praktika gehen, dass sie zum Teil über Jahre hinweg enge Kontakte zu den Betrieben haben und sich damit natürlich am besten als Auszubildende empfehlen. Damit gewinnen wir Auszubildende, doch nicht damit, dass wir sie in irgendeiner Form wieder trennen. Sie wollen erschweren, und dann tun Sie so, als seien alle Realschulen plus quasi so etwas wie Gymnasien. Wir haben 185 Realschulen plus. Wie viele davon haben eine Fachoberschule? Genau 32. Das ist gut und richtig so; denn es gibt Kinder, die sich einfach entwickeln und die dann auch einen weiteren Abschluss haben wollen. Wenn ich mit Betrieben spreche, dann haben sie beide Arten von Auszubildenden, diejenigen mit Abitur, aber auch die von der Realschule plus. Das ist gut und richtig so, und diesen Weg werden wir weitergehen. (Beifall der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zu der Frage gehört natürlich auch – das ist ganz wichtig, deshalb legen wir schon seit Jahren einen Fokus darauf und deshalb werden wir uns weiter ganz stark in diesem Bereich engagieren – die Berufsorientierung. Natürlich müssen junge Menschen und Eltern wissen, welche Wege offenstehen. Natürlich müssen auch die Gymnasien über Ausbildung informieren. Da sind wir deutlich weiter, als wir das vielleicht noch vor drei, vier, fünf, sechs Jahren waren; denn auch Gymnasien sehen mittlerweile, welche Chancen für junge Menschen bestehen, die in eine Ausbildung gehen. Das ist gut, und das ist richtig so. Das besprechen wir bei uns am Ovalen Tisch. Wir arbeiten daran, und wir sind da sehr viel weiter. Zum Schluss noch, Sie wollen zentrale Abschlussprüfungen. Wenn Sie es sich anschauen: Zentrale Abschlussprüfungen bringen auch in den anderen Ländern nichts. Das sichert weder Fachkräfte noch sind andere Länder, die zentrale Abschlussprüfungen haben, in irgendeiner Form bei Bildungstrends besser. Ich kann Ihnen eines sagen: Wir stehen zu unseren Realschulen plus. Wir stehen übrigens auch zu all unseren anderen Schularten. Sie leisten hervorragende Arbeit, und wir brauchen Vielfalt und nicht Einfalt. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
