Dr. Jan Bollinger
Mehr Ausbildung!) Wir wissen doch alle, dass Mädchen und Jungen (Abg. Michael Frisch, AfD: Unfassbar!) gerade vor und während der Pubertät sehr unterschiedliche Lernfortschritte machen. Das rheinland-pfälzische System der Orientierungsstufe ist die beste Möglichkeit, diese unterschiedlichen Entwicklungen abzufedern. Hier eine strikte Trennung herbeiführen zu wollen, ist ein Schritt in Richtung Steinzeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und bei der SPD) Wir haben ein offenes Bildungssystem. Ob direkt ab Klasse 7 über das Gymnasium oder der Weg über die Realschule plus oder die IGS, jedem steht jeder Abschluss grundsätzlich zur Verfügung. Diejenigen, die nach Klasse 10 nicht mehr das Gymnasium oder die IGS besuchen möchten, dürfen selbstverständlich einen Beruf erlernen. Jeder nach seinem Geschmack, seiner Eignung, Leistung und Befähigung. Genauso steht es jedem Schüler nach dem Abitur zu, eine berufliche Ausbildung anzutreten. Studien- und Berufsorientierung muss immer ergebnisoffen über Bildungspfade und Karrierewege informieren, mit gesellschaftlicher Anerkennung und Wertschätzung für jeden Beruf. Das tollste an diesem System ist, dass es – Ausnahme der Vergleich mit G8 – keine zusätzlichen Jahre dauert, den Aufstieg über die Realschule plus einzuschlagen. Es gibt bei uns in Rheinland-Pfalz Schulleiter, die nach der Realschule einen Beruf erlernten, ein Fachstudium anhängten und schlussendlich auf Lehramt umschwenkten. Genauso gibt es Maschinenbaustudenten, die nach ihrem Studium eine Lehre absolvierten und sukzessive zum Kfz-Meister umschulten. Wir benötigen sowohl Akademiker als auch Handwerker. Unser Fachkräftemangel muss dringend aufgelöst werden. Ich selbst komme aus einer Handwerker- und Handelsfamilie, einem in der Region angesehenen Handwerks-, Handels- und selbstverständlich Ausbildungsbetrieb. Ich weiß, wie schwer es ist, gutes Personal zu finden, Menschen, die ihre Berufung zum Beruf machen wollen. Wir benötigen mehr Einblick in unsere Handwerksbetriebe, mehr und vor allem attraktivere sowie kreativere Möglichkeiten für unsere Heranwachsenden in allen Schulformen, unsere Berufsvielfalt kennenzulernen. Wir haben mehr als 130 Handwerksberufe, die erlernt werden wollen, vom Anlagenmechaniker über den Mechatroniker bis hin zum Zimmermann. Um diese Berufe allen Schülern vorstellen zu können, benötigen wir neue Konzepte, vielleicht eine Überarbeitung der Lehrpläne. Vielleicht sollten wir aber über diese 130 Handwerksberufe in einem der folgenden Bildungsausschüsse sprechen. Den vorliegenden Antrag lehnen wir selbstverständlich ab. Danke schön. (Beifall der FREIEN WÄHLER sowie des Abg. Johannes Zehfuß, CDU)
