Florian Maier
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Dammheim, das ist das Dorf, in dem ich mit meiner Familie lebe, in dem ich Ortsvorsteher bin. Bei uns gab es vor 30, 40 Jahren 15 Weinbaubetriebe. Heute sind es noch vier Weinbaubetriebe, und wenn ich mit den Winzerinnen und Winzern vor Ort spreche und wir über die Betriebsnachfolge und solche Dinge reden, dann kann man schon abschätzen, in weiteren zehn bis 15 Jahren wird es höchstwahrscheinlich nur noch einen Weinbaubetrieb geben. Diese Entwicklung ist exemplarisch für ganz Deutschland, für ganz RheinlandPfalz. Das ist das Thema „Strukturwandel in der Landwirtschaft“, zu dem wir heute bestimmt noch das eine oder andere hören und der uns da trifft. Dies bedeutet in Zahlen, von 2010 bis 2020 haben 20 % der landwirtschaftlich produzierenden Unternehmen in Rheinland-Pfalz aufgehört, landwirtschaftlich zu produzieren, sie haben abgemeldet. Das trifft uns zum einen auch emotional. Unser Land ist tief geprägt von Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Kultur. Wir spüren das. Es vergeht eigentlich keine Woche, in der mir nicht irgendein Winzer oder irgendein Landwirt erzählt, er mache sich Sorgen, wie es mit seinem Betrieb weitergeht. Das sind Betriebe, die zum Teil schon Hunderte von Jahren existieren. Man macht sich darüber Gedanken: Bin ich wirklich der Letzte, und hört mit mir der Betrieb auf zu existieren? Es betrifft uns aber natürlich nicht nur emotional, sondern auch in vielen anderen Punkten. Die Lebensmittelsicherheit, für die die regionale Landwirtschaft sorgt, steht seit dem Krieg in der Ukraine noch einmal ganz anders im Fokus. Für die Stärkung unserer Regionen ist die regionale Landwirtschaft sehr wichtig. Regionale Landwirtschaft ist viel umweltschonender, als wenn wir alles von außerhalb importieren würden. Man denke allein an die langen Transportwege, wenn wir unser Obst und Gemüse aus anderen Ländern beziehen oder an das deutliche Mehr an Wasser. Trotz aller Diskussion braucht man in anderen Ländern der Welt, in denen es deutlich heißer ist und die ein deutlich heißeres Klima haben, deutlich mehr Wasser, als das bei uns der Fall ist. (Beifall bei der SPD, bei der CDU, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Beim Strukturwandel in der Landwirtschaft ist ein springender Punkt, an dem sich viel entscheidet, die Betriebsnachfolge. Über diese machen sich viele in den Betrieben in Rheinland-Pfalz Gedanken. Bei Betrieben, in denen der Betriebsinhaber 55 Jahre alt oder älter ist, sagen 79 %, es ist unsicher, ob ihr Betrieb weitergeht, wenn sie aussteigen. Das ist genau der Punkt, an dem wir ansetzen müssen, jungen potenziellen Landwirtinnen und Landwirten etwas Positives entgegenbringen müssen und Wertschätzung zeigen wollen. Genau das wollen wir tun. Das unterscheidet uns vielleicht ein bisschen von dem düsteren Bild, das der Kollege Ludwig eben gezeichnet hat. Genau deswegen setzen wir dort, genau an dem Punkt, an. Deswegen wäre es genau die richtige Entscheidung, wenn wir heute eine Hofübernahme- und Existenzgründungsprämie auf den Weg bringen würden. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)
