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Clemens Hoch

07.07.2022 Sitzungen 18/27

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr verehrte Damen und Herren! Jeder von uns sollte einen Organspendeausweis haben. Ich meine nicht nur diejenigen, die ein Organ spenden wollen, sondern alle; denn auf einem Organspendeausweis kann man auch vermerken, dass man kein Organspender sein möchte. Alleine das würde dem medizinischen und pflegerischen Personal wahnsinnig helfen, auf den Intensivstationen nach mehr Organspenden zu suchen. Das, was Zeit kostet und sehr hoher Aufwand ist, sind die Gespräche mit den Angehörigen, das Vorbereiten in einer schweren Zeit, in der Menschen im Sterben liegen, der Hirntod unmittelbar bevorsteht, zu fragen, ob es ein potenzieller Spender ist, liebe Angehörige, wie sieht das aus? – Das sind alles Gespräche, die für Menschen sehr belastend auf beiden Seiten sind. Diese könnten viel einfacher sein, und es könnte viel besser organisiert werden. Das und viele andere Beispiele waren Thema vor etwa vier Wochen, als wir den bundesweiten 40. Tag der Organspende hier in Rheinland-Pfalz ausgerichtet haben. Ich bin der SPD-Fraktion sehr dankbar, dass sie sich dem Thema „Organspende“ gewidmet hat. Wir haben in Rheinland-Pfalz schöne Steigerungen bei den Organspendezahlen. Das haben die Vorredner alle gesagt. Das war in den Jahren 2020 und 2021. Das ist ein Erfolg der Medizin in Rheinland-Pfalz, vor allem der Transplantationszentren am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern und der Universitätsmedizin Mainz, aber auch all der anderen Kliniken, Ärztinnen und Ärzte, des pflegerisches Personals, die Organspenderinnen und Organspender ausfindig machen. Uns macht ein bisschen stolz, dass die Universitätsmedizin Mainz bundesweit die Klinik mit den meisten Organspendern ist. Es macht einen nicht stolz, sondern eigentlich ein bisschen traurig, dass wir über ganze 16 Menschen reden. Das ist der Spitzenreiter. Man muss wissen, dass jeder Organspender bis zu drei Leben retten kann, wenn er zum Organspender wird. Wenn man weiß, dass allein in Rheinland-Pfalz über 400 Menschen dringend auf ein Spenderorgan warten, dann sieht man, das ist der einzige medizinische Bereich, in dem wir für die Therapie den Menschen nichts anbieten können und nicht jedem, der krank ist. Das ist der einzige Bereich, an dem jeden Tag sehenden Auges Triage betrieben wird. Was haben wir über drohende Triage in den letzten Wochen und Monaten diskutiert. Deswegen bin ich davon überzeugt, es ist richtig, dass der Bundesgesundheitsminister sagt, wir müssen über eine Widerspruchslösung nachdenken. Jeder Zeitpunkt ist der richtige Zeitpunkt, darüber nachzudenken, weil die Widerspruchslösung das effektivste Mittel ist, ganz viele von diesen 400 Menschenleben zu retten. Sie haben es zu Recht ausgeführt. Natürlich haben wir in Zeiten von Corona besondere Herausforderungen gehabt. Ich habe etwas die Hoffnung, dass es im Laufe des Jahres wieder besser wird, aber diejenigen, die verstorben sind und nicht zum Organspender werden konnten, sind verstorben. Das waren die hohe Inzidenz und der vermehrte Personalausfall. Die Gespräche konnten nicht stattfinden, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so belastet waren. Es waren die hohe Inzidenz und die hohe Infektionslage bei potenziellen Organspenderinnen und -spendern, weil noch nicht klar war, ob coronabefallene Immunsysteme tauglich sind, Organspender zu werden. Um dem Rückgang von Organspenden entgegenzuwirken und weiter besser zu werden, ist es gut, dass wir die Freistellung der Transplantationsbeauftragten haben. Es ist gut, dass wir das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende haben. Die Bundesregierung muss endlich dieses Online-Organ- und Gewebespenderegister ans Laufen bringen. All das wird die Situation verbessern. Ich habe es eben gesagt, richtig verbessern werden wir das nur, wenn wir gemeinsam für eine Widerspruchslösung werben, uns dafür einsetzen und dieses in Deutschland, wie in vielen anderen europäischen Ländern, sehr zeitnah umsetzen. Dann haben wir Klarheit. Trotzdem hat jeder die Entscheidungsmöglichkeit, sich gegen die Organspende zu entscheiden. Es ist gut, dass sie bleibt. Herzlichen Dank. (Beifall der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)

Protokoll ↗