Dr. Christoph Gensch
Vielen Dank, Herr Präsident. – Liebe Kollegen! Herr Minister, Ihr Anspruch und der Anspruch der Landesregierung ist, weltweit führender BiotechnologieStandort zu werden, und Sie scheitern schon an Grundsätzlichkeiten in Ihrem Verantwortungsbereich, nämlich an der Ausbildung von Medizinern und von Pharmazeuten. Sie erklären uns hier heute, warum Bachelorstudiengänge für angewandte Pharmazie in Pirmasens – das sind gute, aber andere Studiengänge – den Pharmaziestudiengang in Mainz ersetzen sollen. Die Ausbildung junger Mediziner ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir bilden in Rheinland-Pfalz weder genügend Mediziner aus, um die medizinische Versorgung im Land zu sichern, noch um translationale medizinische Spitzenforschung zu betreiben. (Staatsminister Clemens Hoch: Am Institut für Pharmazie bilden wir gar keine Mediziner aus! – Zuruf der Abg. Dr. Katrin Rehak-Nitsche, SPD) Man darf nämlich nicht vergessen, ein Großteil der führenden Forscher auch bei BioNTech sind Mediziner, weil sie die Brücke zwischen Klinik und Labor bilden. Ähnliches gilt auch für die Pharmazeuten. Sie stellen das Rückgrat von Forschungsvorhaben und Forschungsteams dar. Wir haben auch hier zu wenige Studenten. Der Ausbildungsstandort in Mainz ist zu klein, er ist baulich inakzeptabel, das Gebäude ist schadstoffbelastet, es bestehen Gesundheitsrisiken, die Abzüge funktionieren nicht. Das ist keine Zustandsbeschreibung aus der Uni Moldau, sondern aus Mainz. Das heißt, wir reden hier vom weltweit führenden Biotechnologie-Standort in spe und kommen unseren Basisaufgaben als Landesregierung nicht nach. Das muss man in dieser Form tatsächlich einmal festhalten. Sie erwähnen immer BioNTech als Vorzeigeunternehmen. Ich erinnere mich noch, wie wir die letzten zwei Jahre auch mit Minister Wolf diese Diskussion geführt haben: BioNTech hatte in der Anfangsphase der Pandemie zwei kleine Wünsche an die Landesregierung. Sie wollten Extra-Kindergartenplätze und Schutzanzüge in einer Zeit, in der diese sehr knapp waren. Sie haben sich mit diesem Anliegen an die Landesregierung gewandt. Ergebnis: Kam Hilfe? – Nichts. Noch nicht einmal in diesen Kleinigkeiten wurde Unterstützung und Hilfe geleistet. BioNTech als weltweit führendes Biotechnologie-Unternehmen ist trotz und nicht wegen dieser Landesregierung in der Situation, in der es momentan ist. Ich bitte Sie also wirklich, Herr Minister, werden Sie Ihrer Aufgabe gerecht. Kümmern Sie sich um die Basis dessen, was einen weltweit führenden Biotechnologie-Standort ausmacht, nämlich die adäquate und suffiziente Ausbildung von Medizinern, Pharmazeuten und weiteren Berufsgruppen, (Glocke des Präsidenten) wie Humangenetiker, Molekularbiologen und Biologen. Nur dann kommen wir einen Schritt weiter. Vielen Dank. (Beifall der CDU sowie des Abg. Martin Louis Schmidt, AfD)
