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Clemens Hoch

07.07.2022 Sitzungen 18/27

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Pharmazeutinnen und Pharmazeuten werden nicht nur für die gute Gesundheitsversorgung der Menschen in unserem Land in den Apotheken benötigt, sondern auch in den Krankenhäusern, in der Wissenschaft und vor allem in der pharmazeutischen Industrie. Deshalb sind sie schließlich auch ein Teil der Biotech-Strategie Rheinland-Pfalz. Sie sind aber eben auch nur ein Teil. Im Bereich der Pharmazie hat die Johannes Gutenberg-Universität eine Schlüsselstellung bei der Nachwuchssicherung für die Apotheken im Land; denn hier werden die approbierten Pharmazeutinnen und Pharmazeuten ausgebildet. Dieser Rolle wird die Universität in Mainz hervorragend gerecht. Sie wird ihr auch in Zukunft hervorragend gerecht werden, und wir werden sie dabei selbstverständlich weiterhin unterstützen. Frau Schneid, wenn wir aber über den Fachkräftebedarf und die Fachkräftesicherung dieses Landes und die Biotech-Strategie sprechen, dann dürfen wir – das ist eben schon angeklungen – die Hochschule Kaiserslautern und dabei den Campus in Pirmasens nicht außer Acht lassen. Die Studienplatzkapazitäten der Lehreinheit Pharmazie der JGU lagen in den vergangenen fünf Jahren zwischen 91 und 96 Studierenden je Studienjahr, die sich zu gleichen Teilen – mit geringen Abweichungen – auf das Winterund Sommersemester aufteilen. Das schwankt deshalb immer etwas, weil die Kapazitätsberechnung in der Pharmazie, wie Sie wissen, hoch justiziabel ist. Der Studiengang „Staatsexamen Pharmazie“ wird bundesweit an 22 Universitäten angeboten. Die jeweiligen Jahreskapazitäten liegen zwischen 40 und 235 Studienplätzen. Wir sind also mit den 96 Studienplätzen im Studienjahr 2021 im Mittelfeld zu verorten, um Ihnen einmal einen Vergleich zu geben. Das entspricht Standorten wie Erlangen, Heidelberg und Würzburg. Wenn Sie sich aber den Campus Pirmasens anschauen und die Angebote, die da sind, dann haben wir mit Pirmasens ein Alleinstellungsmerkmal bundesweit. Es werden hier hervorragende Absolventinnen und Absolventen ausgebildet, die gerade der pharmazeutischen Industrie in diesem Land sehr, sehr viel mehr nutzen als die approbierten Apothekerinnen und Apotheker, die dann vielleicht in unserem Land die Nachwuchssicherung darstellen sollen. Seit dem Wintersemester 2021 werden aufgrund der baulichen Situation in der Pharmazie die notwendigen Laborpraktika nur noch mit der halben Gruppengröße durchgeführt. Das hat also – trotz der Koinzidenz – nichts mit Corona zu tun, sondern mit der generellen Situation. Die JGU hat zusätzliches Personal bereitgestellt, um in den vergangenen Semestern ein doppeltes Angebot in der Laborausbildung zu ermöglichen. Die Studienanfängerkapazität konnte damit auf dem bisherigen Niveau erfolgreich erhalten bleiben. Natürlich hat das Land Rheinland-Pfalz diesen finanziellen Mehraufwand übernommen. Die Planungen für den Ersatzneubau sind in vollem Gange. Es ist eben auch angesprochen worden. Mein Ministerium hat hierzu bereits mit der JGU und anderen Akteuren entsprechende Vorbereitungen getroffen. Das vom Wissenschaftsressort unmittelbar veranlasste Verfahren der Erstellung der Bedarfsermittlung durch die JGU für den Ersatzneubau Pharmazie wird aktuell zwischen der Universität und dem Ministerium abgestimmt. Die JGU hat bestätigt, dass aktuell an der Bedarfsermittlung für einen Ersatzneubau gearbeitet wird und die Flächenbemessung sich größtenteils in finalen Abstimmungen mit dem Institut befindet. Auch das Raumprogramm mit der qualitativen Bedarfsermittlung wird auf Basis der bisherigen Stellenausstattung plus der Professur für klinische Pharmakologie beim MWG eingereicht werden. Wir sind genauso in Abstimmung mit der Johannes Gutenberg-Universität und in konstruktiven Gesprächen zu einer adäquaten Unterbringung des Instituts für die Übergangszeit. Dabei werden auch der künftige Bedarf und die Studienplatzzahl ermittelt. Im Hinblick auf die Debatten der letzten Tage und Wochen in diesem Plenum möchte ich aber auch sagen, wir werden nicht mehr so bauen können, wie wir es in den letzten 20 Jahren für selbstverständlich gehalten haben. Wir müssen über eine gemeinsame Nutzung von Laborkapazitäten nachdenken, den Flächenverbrauch reduzieren und im Sinne der Nachhaltigkeit auch Energiekosten und Gebäudekubatur herunterbringen. Das alles muss zunächst von der JGU ermittelt werden. Neben der Bedarfsermittlung werden die Abstimmungen mit allen Beteiligten zu den weiteren Rahmenbedingungen parallel geführt. Im Bestandsgebäude werden von der JGU und dem für Liegenschaften zuständigen Landesbetrieb LBB weiterhin gemeinsam die Maßnahmen im Bauunterhalt durchgeführt. Mit den skizzierten Veranlassungen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir hier auch in den kommenden Wochen und Monaten weitere Schritte vorankommen. Ja, die Pharmazie an der JGU hat eine besondere Bedeutung für RheinlandPfalz, vor allem für die Ausbildung von approbierten Apothekerinnen und Apothekern, und auch dort gibt es infrastrukturelle Herausforderungen. An diesen arbeiten wir, die Landesregierung in enger Unterstützung der JGU, gemeinsam. Die Haltung, also die Größenordnung der aktuellen Kapazitäten, ist und war jederzeit sichergestellt. Das ist die gute Nachricht aus dieser Debatte. Die Ausbildung der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten am Standort Mainz kann unvermittelt und unverändert fortgesetzt werden. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)

Protokoll ↗