landtag-rlp.de ↗

Dr. Herbert Drumm

FREIE WÄHLER 07.07.2022 Sitzungen 18/27

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Gestatten Sie mir als letztem Redner zu diesem Thema etwas auszuholen und einige grundlegende Überlegungen anzustellen, die durch den Antrag der CDU angestoßen werden. (Heiterkeit im Hause – Zurufe aus dem Hause: Oh!) – Ich weiß, dass Sie das nicht gerne hören. Die letzten Jahre und insbesondere der Ukraine-Krieg haben zwei Dinge ganz klar gezeigt: Erstens: Friede, Wohlstand, grenzenlose Handelsbeziehungen, Zusammenarbeit und Unterstützung sind fragil. Man kann sich nicht darauf verlassen. Möglichst autark zu sein, rückt wieder mehr ins Bewusstsein. Zweitens: Deutschland ist ein relativ rohstoffarmes Land bzw. bestimmte Rohstoffe sollen nur noch reduziert eingesetzt werden. Wir müssen also vieles einführen und teuer bezahlen und daher entsprechend hochwertige Produkte herstellen und verkaufen, um unser gewohntes Leben und unseren Wohlstand finanziell zu ermöglichen. Beide Punkte zeigen eindeutig, dass wir höchstes Augenmerk auf unseren wichtigsten Rohstoff legen müssen: Bildung, Forschung, Innovationen in allen Bereichen, höchste Qualität in Technik und Handwerk usw., ja, auch in der Politik. (Beifall des Abg. Martin Louis Schmidt, AfD) Auch dürfen wir nicht aus ideologischen Gründen einen Technologievorsprung verspielen und Möglichkeiten auslassen. Wir brauchen also eine hervorragende, vielschichtige und den Fähigkeiten der einzelnen Menschen angepasste Bildung und Ausbildung sowie eine gezielte Förderung künftiger Leistungsträger. Dazu gehören auch hervorragende Universitäten und Hochschulen mit hervorragender Ausstattung; denn nur dann kommen auch hervorragende Professorinnen und Professoren, für die die Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten wichtiger sind als ein exorbitantes Gehalt. Im Moment trifft dies besonders auf Biotechnologie und Pharmazie zu, wobei ich jetzt beim Thema bin. (Heiterkeit und Zuruf der Abg. Kathrin Anklam-Trapp, SPD: Ja! Es fällt auf!) Über die existenzielle Bedeutung der Pharmazie müssen nicht viele Worte verloren werden. Apotheken spielen eine zentrale Rolle in der flächendeckenden Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung. Daneben geht es um qualifizierte Forschung in der pharmazeutischen Industrie. Auf diese Tätigkeitsfelder müssen Pharmaziestudierende bestmöglich vorbereitet werden, und es müssen für sie entsprechend hohe Ausbildungsstandards zur Verfügung stehen. Letztere sind mit Blick auf die Ressourcen an der Johannes Gutenberg-Universität zum Unmut der Studierenden und Absolventen, aber auch der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz nicht gegeben. Hier müssen Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. Wir stimmen mit der Forderung der CDU überein, dass nur ein adäquater Neubau die Ausbildungsbedingungen verbessern kann. Es braucht moderne Labore vor Ort, die den besonderen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Verfügbarkeit von Materialien und innovativer Technik Rechnung tragen. Nur so kann eine zukunftssichere sowie national und international konkurrenzfähige Ausbildung sichergestellt werden. Im Rahmen dieses Prozesses sollten außerdem die Studienplatzkapazitäten überprüft werden. Der Deutsche Apothekertag forderte zuletzt im September 2021 die Politik auf, die Anzahl der Studienplätze um 30 % zu erhöhen. Die Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz forderte für den Standort Mainz sogar eine Verdopplung der Studienplätze auf 95 pro Semester, um die Bedarfe überhaupt decken zu können. Nur so könne der demografischen Situation im Berufsstand begegnet und die pharmazeutische Versorgung im ländlichen Raum sichergestellt werden. Die Botschaft ist klar: Um die pharmazeutische Versorgung und Forschung für die Zukunft zu sichern, brauchen wir hohe Ausbildungsstandards und mehr Studienplätze. Das ist nicht nur mit Worten der Anerkennung für den Berufsstand getan. Danke. (Beifall der FREIEN WÄHLER, bei der CDU sowie des Abg. Martin Louis Schmidt, AfD)

Alle Reden von Dr. Herbert Drumm Protokoll ↗