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Dr. Katrin Rehak-Nitsche

SPD 07.07.2022 Sitzungen 18/27

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir reden heute über die pharmazeutischen und biomedizinischen Wissenschaften in Rheinland-Pfalz und das diesbezügliche Studienangebot im Land. Es ist gut, darüber zu reden, nämlich um zu verstehen, was sich dahinter verbirgt und warum diese Studiengänge wichtig sind. Was allerdings überhaupt nicht hilft – leider haben Sie in der CDU einen Hang dazu –, ist, Alarmismus zu verbreiten. Das bringt uns keinen Schritt weiter, und das können wir uns bei diesem wichtigen Thema auch nicht leisten. Was jetzt notwendig ist, ist ein konstruktiver Austausch zwischen allen Beteiligten sowie ein lösungsorientierter und offener Blick auf die Situation. Pharmazeutinnen und Pharmazeuten brauchen wir in den Apotheken und Krankenhäusern, und sie sind wichtig für eine gute Gesundheitsversorgung. Das ist aber nur ein Ausschnitt dessen, was Pharmazeutinnen und Pharmazeuten leisten. Sie werden zum Beispiel auch in der pharmazeutischen Industrie benötigt. Allerdings sind die Anforderungen an diese sehr verschiedenen Einsatzgebiete sehr unterschiedlich. Deswegen ist es zu kurz gesprungen, das Augenmerk nur auf die Ausbildung an der Universität in Mainz zu legen. Tatsächlich ist Rheinland-Pfalz sehr viel breiter aufgestellt. Wenn Sie später in der Gesundheitsversorgung als approbierte Apothekerin oder approbierter Apotheker arbeiten möchten, können Sie in Mainz an der Johannes Gutenberg-Universität studieren. Die Universität steht hier vor räumlichen Herausforderungen. Ja, sie benötigt einen Ersatzneubau und adäquate Unterbringungsmöglichkeiten für die Labore. Die Universität tut aber genau das Richtige. Sie ist in einen konstruktiven Dialog mit dem Ministerium eingetreten, um gemeinsam tragfähige Zukunftsund Unterbringungsperspektiven für das Studienangebot zu erarbeiten. Dabei ist allen Beteiligten die große Bedeutung des Standorts und die große Bedeutung des Studiengangs für Rheinland-Pfalz bewusst. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Tatsächlich – das klang bei Ihnen anders – machen jedes Jahr dort fleißige junge Menschen ihren Abschluss. Wenn sie aber später zum Beispiel in der pharmazeutischen Industrie arbeiten möchten, dann stehen ihnen noch ganz andere attraktive Studienmöglichkeiten offen. Sie können beispielsweise den deutschlandweit ersten Studiengang der Angewandten Pharmazie belegen. Das geht an der Hochschule Kaiserslautern mit ihren Standorten Pirmasens und Zweibrücken. (Abg. Kathrin Anklam-Trapp, SPD: Hört, hört!) Er bietet eine einzigartige Kombination aus naturwissenschaftlichen Grundlagen und medizinisch-pharmazeutischem technologischem Fachwissen. Das Studium ist speziell auf die Anforderungen von pharmazeutischen Unternehmen zugeschnitten und verbindet klassische Fächer mit modernsten Ausbildungsinhalten wie Biologicals oder Nanotech, aber auch Patentrecht. Dieses breite Spektrum wird ergänzt durch einen für die Hochschulen charakteristischen Praxisbezug. Sie studieren sieben Semester und erlangen so den Abschluss des Bachelor of Science. Damit sind sie dann startklar und bestens ausgebildet für zahlreiche Einsatzmöglichkeiten im späteren Berufsleben, beispielsweise in der Forschung und Entwicklung, in der Arzneimittelherstellung oder in der Arzneimittelzulassung. Wenn sie bereits einschlägig beruflich qualifiziert sind, können sie auch direkt in medias res gehen und berufsbegleitend Industriepharmazie studieren. In neun Semestern werden sie dann in Pirmasens ebenfalls zum Bachelor of Science ausgebildet, und auch damit sind sie dann als Industriepharmazeuten startklar für zahlreiche Einsatzmöglichkeiten im späteren Beruf. Diese Beispiele zeigen, dass es in Rheinland-Pfalz ein attraktives und innovatives Angebot an Pharmaziestudienplätzen gibt, und wie so oft tragen auch in diesem Fall pauschale Aussagen nicht, und wie so oft ist auch in diesem Fall ein differenzierter Blick in die Materie notwendig. Es wird auch klar, dass es für die verschiedenen Bedarfe in Apotheken und Industrieunternehmen zum Beispiel unterschiedliche Ausbildungsvarianten geben sollte und auch gibt. Die Konkurrenzsituation, die Sie in Ihrem Antrag konstruieren, löst sich damit in Luft auf. Wir stehen hinter den Hochschulen, die jungen Menschen im Land der Biotechnologie, das wir sind, den Weg in ein erfülltes Berufsleben als Apotheker/Apothekerinnen, als Industriepharmazeuten und Industriepharmazeutinnen ermöglichen. Wir begrüßen es sehr, dass die Landesregierung in engem Austausch mit allen Beteiligten die Hochschulen aktiv dabei unterstützt, ihr Angebot weiterzuentwickeln, und selbstverständlich intensiv mit der Johannes Gutenberg-Universität zusammenarbeitet, um die notwendigen baulichen und labortechnischen Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Pharmaziestudium zu erhalten, zu erneuern und weiterzuentwickeln. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)

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