Marion Schneid
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Im August 2020 habe ich im Plenum den drohenden Fachkräftemangel in der Pharmazie und die Dringlichkeit des Erhalts unserer Apotheken thematisiert. Die CDU-Fraktion hat schon damals gefordert, um weiterhin eine flächendeckende Versorgung, hauptsächlich im ländlichen Bereich, mit Apotheken und den Bedarf an Pharmazeutinnen und Pharmazeuten zu decken, müssen zwingend und zügig die Kapazitäten der Studienplätze erweitert werden. Was ist bezüglich der Studienplätze seit August 2020 passiert? (Abg. Michael Hüttner, SPD: Es hört einfach keiner auf Sie!) Nichts, außer dass wir alle, wie auch die Apothekerinnen und Apotheker, zwei Jahre älter geworden sind und sich damit durch den steigenden Altersdurchschnitt die Lage nochmals verschärft hat. (Beifall der CDU) Wir laufen sehenden Auges, wie auch im Medizinbereich, in einen gravierenden Fachkräftemangel hinein. Seit Jahren fordert die CDU-Fraktion eine massive Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze, um den drohenden Ärztemangel abzuwenden. Das ist eng verbunden mit dem Pharmaziebereich. Müssen ältere Menschen neben der Sorge um die wohnortnahe ärztliche Versorgung bald auch auf die qualitätsvolle Beratung der Apotheken verzichten? Sollen die Bürgerinnen und Bürger ihre Rezepte an anonyme OnlineApotheken schicken und gar nicht mehr die Kommunikation mit der Apotheke haben? Ist eine qualifizierte Medikamenten- und Gesundheitsberatung für Sie, liebe Landesregierung, nicht mehr wichtig? Laut Landesapothekerkammer fehlen bereits in acht Jahren über 1.900 Pharmazeutinnen und Pharmazeuten. Ich erinnere mich an das Plakat der damaligen Ministerin Bätzing-Lichtenthäler mit dem Titel „Unsere Apotheken vor Ort sind ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Gesundheitssystems“. Da verwundert es schon, dass diesem Bekenntnis keine Taten folgten. (Beifall der CDU) Die Nachfrage nach einem Pharmaziestudienplatz ist hoch, und die Nachfrage nach Studienabsolventinnen und -absolventen im Arbeitsmarkt ist noch um ein Vielfaches höher; denn es geht nicht nur darum, die Nachfolge und Übergabe von Apotheken zu regeln, oder um die Einrichtung von klinikangebundenen Apotheken, sondern auch um die vielen gesuchten Fachkräfte im Bereich der Forschung. Corona zeigt, wie wichtig die Forschung im Gesundheitsbereich ist. Umso schneller müssen wir uns doch jetzt auf den Weg machen, um mehr Studienplätze zu schaffen und die Bedingungen der Pharmaziestudierenden an der Johannes Gutenberg-Universität zu verbessern; denn – das kommt erschwerend hinzu – im Institut für Pharmazeutische und Biomedizinische Wissenschaften sind die Labore veraltet und zu klein, die Abzüge an den Labortischen nur noch teilweise nutzbar, und das Gebäude ist schadstoffbelastet. Den Anforderungen im Hinblick auf Sicherheit und modernes Studium ist das absolut nicht angemessen. (Beifall der CDU) Allein dem überragenden Einsatz der Mitarbeitenden dort am Institut ist es überhaupt zu verdanken, dass die Ausbildung bislang noch so erfolgreich absolviert werden kann, sozusagen im 365-Tage/8-Stunden-Modus über die Semesterferien hinweg, da sonst nicht alle Studierenden ihre notwendigen Praxisstunden absolvieren könnten. Es besteht ein dringender Handlungsbedarf. Es bedarf eines zeitnahen Neubaus, prioritär nach vorne gebracht. Das heißt konkret, es kann kein purer Ersatzbau, sondern es muss ein Neubau sein, der die Verdopplung der Zahl der Studienplätze umsetzt. Die Landesregierung muss hierfür die notwendige Unterstützung für die Universität geben und die notwendigen Ressourcen zur Verdopplung der Zahl der Studienplätze sowie zur Einrichtung notwendiger Professuren zur Verfügung stellen. (Beifall der CDU) Wenn sich die Landesregierung das Ziel gesetzt hat, zum – ich zitiere – „weltweit führenden Biotechnologiestandort“ zu werden, dann muss die Pharmazie zwingend mitgedacht werden. Man darf sich dann auch nicht darauf verlassen, dass man irgendwelche Fachkräfte aus den anderen Bundesländern abwirbt, sondern man muss sich selbst dafür einsetzen. Die Ministerpräsidentin hat es vor einigen Tagen bei der Vorstellung der Biotechnologie-Akademie ganz treffend gesagt. Biotechnologie sei die Zukunftstechnologie und eine Wissenschaft für das Leben. Ich zitiere: „Wir können gar nicht genug Wissenschaftler in diesem Bereich haben.“ Genau so ist es. Dann setzen Sie es doch einfach um. (Beifall der CDU) Die Erweiterung der Studienkapazitäten ist essenziell für den flächendeckenden Erhalt unserer Apotheken, für den Erhalt des Pharmaziestudienstandorts und zur Deckung des Fachkräftebedarfs in der Forschung. Wir müssen jetzt Studienplätze schaffen für die Fachkräfte von morgen. Danke. (Beifall der CDU)
