Horst Gies
Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! „Betroffene ernst nehmen“, das ist das Entscheidende, wenn es um das Wolfsmanagement und die Realität geht. Ich danke Ihnen für diesen Antrag; denn Sie haben damit auch das zusammengefasst, was ich aus ähnlichen Gesprächen, die wir mit unserer Fraktion und den Betroffenen aus dem Westerwald, dem Landesjagdverband, den beiden Bauernverbänden Nord und Süd sowie vor allen Dingen den Schäfern auf Landesebene geführt haben, kenne, wenn es darum geht, wie wir unsere Nutztierhalter schützen können. Sie haben diesen sehr wichtigen Punkt protokollarisch entsprechend aufgearbeitet Ich darf Ihnen sagen, dass wir Ihrem Antrag zustimmen (Beifall der FREIEN WÄHLER) und außerdem – Ihr Einverständnis vorausgesetzt – beantragen werden, dass dieser Antrag in den Ausschuss geht; denn wir müssen weiter diskutieren, und wir müssen es konkret machen; das ist das Entscheidende. Sie haben schon deutlich gemacht, wo die Krux liegt. Jährliche Wachstumsraten von mindestens 30 %. Jeder, der Prozentrechnung kann, weiß, wie schnell sich eine solche Population entwickelt. Der Kollege hat gerade Niedersachsen erwähnt. Dort gab es ursprünglich ein Begrüßungsmanagement für den Wolf. Mittlerweile gibt es da die größten Probleme. Warum? Weil sich die Populationen entwickelt haben, wie man es nicht geglaubt hat. Das ist das Entscheidende; denn es führt bei den Tierhaltern nachher dazu, dass wir schwer einzäunen können, dass wir zurück müssten zu einer Stallhaltung und zur Weidetierhaltung. Dabei wollen wir doch genau den umgekehrten Weg gehen, dass unsere Tiere auch draußen letztendlich so viel Freiheit wie möglich genießen können. Darüber hinaus haben Sie einige Dinge sehr vorsichtig formuliert, wenn Sie sagen: müssen ernst genommen, stärker berücksichtigt, überprüft, überdacht werden. – Konkret ist aber natürlich wichtig zu definieren, wie der günstige Erhaltungszustand für den Wolf aussieht. Den müssen wir zunächst einmal definieren. Ich glaube, wenn wir den haben, dann wird ganz vieles davon abgeleitet werden können; denn wir müssen uns bewusst sein, dass es natürlich auch Fachleute gibt, die darüber entsprechende Ausführungen machen können. Ich möchte nur die fachlich-sachliche Literatur von einem Herrn Professor Stubbe erwähnen, der große Erfahrungen gerade in diesem Bereich und letztendlich auch aus dem Mutterland der Wölfe hat. Schon lange ist im Übrigen von einem guten und günstigen Erhaltungszustand der baltischen Population die Rede. Deutschland beherbergt jetzt schon mehr Wölfe als skandinavische Länder, in denen er seit Langem bejagt wird. Wir müssen uns natürlich auch darüber im Klaren sein, dass, wenn der Wolf ins Jagdrecht kommt, das nicht automatisch bedeutet, ihn auch zu bejagen. (Abg. Marco Weber, FDP: Richtig!) Hier wäre Aufklärung vonnöten, insbesondere da der Wolf bei ganzjähriger Schonzeit zusätzlich naturschutzrechtlich und auch hegerechtlich geschützt wird. Dann müssen wir gemeinsam dazu kommen und entscheiden, wann der Wolf letztendlich ein Problemwolf ist. Wir müssen eines klar sagen: Der Wolf ist und bleibt ein wildes Tier. Es gibt genug Menschen, die wirklich zu Recht sagen: So scheu wie der Wolf ist – ich habe in freier Wildbahn Gott sei Dank noch nie einen gesehen –, dürfen wir nicht vergessen: Wenn er seine Scheu verliert, ist er dann noch ein so wildes Tier, das Angst vor uns hat? Das sind Dinge und Fragen, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Ich glaube, da spielt außerdem noch ganz vieles eine Rolle. Die Offenhaltung der Landschaft, die wir nur mit Viehhaltung, mit Nutztierhaltung gewährleisten können, ganz abgesehen vom Deichschutz, der andere Länder betrifft. Es wäre ein herber Rückschlag für die biologische Vielfalt, insbesondere auch für Heidelandschaften, wenn diese aufgrund entsprechender Vorkommen an sich nicht mehr beweidet würden. Abgesehen davon bewegen wir uns im § 30 bei besonders geschützten Biotopen, die wir ebenfalls nicht aus den Augen verlieren dürfen. Ich glaube also, damit wird deutlich, wie komplex diese ganze Situation ist. Aus diesem Grund soweit nochmals unsere Zustimmung zum Antrag, und der Antrag, ihn in den Umweltausschuss zu überweisen, damit wir entsprechend weiter diskutieren können. Ich will durchaus auch darauf hinweisen, (Glocke des Präsidenten) dass der Wolfsmanagementplan des Landes Rheinland-Pfalz in den letzten zwei Jahren wenig vorangekommen ist. Das müssen wir wieder vermehrt in Gang setzen. Vielen Dank. (Beifall der CDU, bei der AfD und bei den FREIEN WÄHLERN)
