Damian Lohr
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Wasserstoff ist Zukunft. Wasserstoff kann eine Zukunft haben, aber so glorreich, wie das hier von den Ampelparteien gepredigt wird, muss das nicht zwangsläufig sein. Kommen wir zu einem Großprojekt in Brandenburg. Wie ist da der gegenwärtige Stand? Da gibt es einen Großelektrolyseur, der insgesamt 24 MW Leistung in Brandenburg bringen soll. Das ist der größte, den es zurzeit gibt auf dieser Welt. Es gibt zwar größere, die in Planung sind, aber dennoch ist zu sagen, vergleicht man das mit einem mittelgroßen Kernkraftwerk, das hat ein paar Tausend Megawatt Leistung mehr. Es wurde schon angesprochen, die Energieeffizienz der Wasserstoffwirtschaft ist sehr gering. Bei einem Brennstoffzellenfahrzeug zum Beispiel geht man davon aus, dass die Energieverluste, wenn wir die gesamte Energietransformationskette betrachten, 74 % betragen. Damit haben Wasserstofffahrzeuge im Wettbewerb einen schwer wettzumachenden Nachteil. Selbst gegenüber Batteriefahrzeugen ist das offensichtlich. Das gilt im Übrigen für Wasserstoffverbrenner wie für Brennstoffzellenfahrzeuge. Schließlich ist für viele Wasserstofftechnologien die Technik für die große Masse noch gar nicht richtig erprobt. Fazit: Grüner Wasserstoff hält keiner Kosten-Nutzen-Abwägung im Wettbewerb zum gegenwärtigen Zeitpunkt stand. Falls die Politik irgendwann auf die Idee kommt, was schon teilweise der Fall ist, im Nutzfahrzeug den Verbrenner komplett zu verbieten, kommen Wasserstofffahrzeuge natürlich als Alternative im Schwerlastverkehr, im Zugverkehr und auf nicht elektrisierten Strecken in Betracht. Um auf solche von der Politik geschaffenen Unwägbarkeiten vorbereitet zu sein, unterstützen wir natürlich sehr pragmatisch die Wasserstoffforschung im Rahmen des rheinland-pfälzischen Commercial Vehicle Clusters. Wir sehen allerdings Bestrebungen, Rheinland-Pfalz zu einer Wasserstoffmodellregion zu machen, skeptisch. Hier soll viel Geld für die Wasserstoffinfrastruktur in die Hand genommen werden, der Nutzen bleibt aber fraglich. Bei den aktuellen Problemen nutzt uns eine Wasserstoffzukunftsvision doch relativ wenig. Was ist uns als AfD-Fraktion wichtig? Wir sind grundsätzlich für eine Technologieoffenheit. Es sollen sich die Technologien durchsetzen, die für unsere Gesellschaft den größten Mehrwert bieten, gerne mit Kompromissen aus ökonomischer Vernunft und sinnvollem Umweltschutz. Wichtig ist uns vor allem der Wettbewerb der Ideen. Dieser muss in Zukunft wieder ideologiefrei geführt und durch gleiche Förderung der unterschiedlichen Technologien vorangetrieben werden. Sicher wird es sinnvolle Einsatzfelder für Wasserstoff geben. Genauso wie die Elektromobilität, ist Wasserstoff aber nicht der nächste Heilsbringer. Das klingt natürlich nach einem schönen Label, was die FDP hier anbringt, Wasserstoffmodellregion, aber das ist doch am Ende wieder hoch Pokern wie bei der Energiewende. Wenn wir das global betrachten, haben sich Deutschland und Rheinland-Pfalz hier ganz klar verzockt. Vielleicht setzen sich am Ende E-Fuels durch, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu teuer sind. Vielleicht wird es für Elektroautos einfacher, wenn wir kostengünstigen Strom aus umweltfreundlichen Kernkraftwerken erhalten. (Beifall der AfD) Vielleicht ist unser Diesel doch gar nicht so schlecht, wie er hier von dem einen oder anderen Autogegner geredet wird. Wir befinden uns aufgrund vieler Faktoren in einem Zeitalter der Energieunsicherheit. Dieses Problem lösen wir nicht durch die Heiligsprechung des Wasserstoffs. Ich bin jedoch dankbar, dass bei den Kollegen der CDU und der FDP mittlerweile ein bisschen Vernunft eingekehrt ist. Ich erinnere mich an die letzte Plenarsitzung. Herr Fernis, Sie erinnern sich vielleicht auch, als ich über Kernkraftwerke gesprochen habe und Sie gesagt haben, junges Alter schützt vor altbackenen Debatten nicht. Wenige Stunden nach mir hat Ihr Parteivorsitzender das Gleiche gesagt wie ich, dass wir die Diskussion über Kernenergie offen führen müssen auch im Sinne der Umwelt. Ich hoffe also, dass Sie Ihrem Parteichef folgen werden und nicht die Heiligsprechung des Wasserstoffs vorantreiben, sondern einfach das Spektrum breit anschauen und vorurteilsfrei alternative Energiemethoden betrachten. Dann wird das vielleicht was in Zukunft, ohne dass der Steuerzahler wieder das nächste Milliardenprojekt finanzieren muss ohne genaues Ziel. Danke schön. (Beifall der AfD)
