Steven Wink
Verehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Gemäß einem Zitat von Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, fehlen im Handwerk in Deutschland mindestens eine Viertel Million qualifizierte Fachkräfte. Jedes Jahr bleiben 15.000 bis 20.000 Ausbildungsplätze, die unsere Betriebe anbieten, unbesetzt. Dies hat vermeintliche Gründe, welche wir als Politik erkennen und aufgreifen müssen. Immer weniger Schulabgänger entscheiden sich für eine Ausbildung. Im Jahr 2020 waren es noch knapp 130.000 neue Ausbildungsverträge im Handwerk. So wenig wie nie zuvor. Immer mehr Studierende, aber auch die demografische Entwicklung Deutschlands und in Rheinland-Pfalz stellen uns vor enorme Hürden, die wir überwinden müssen. Bei diesen Herausforderungen müssen wir zum einen die jungen Menschen, zum anderen aber auch die Eltern erreichen und für uns gewinnen. Viele junge Menschen sehen eine Ausbildung als letzte Option. Das ist sehr schade, weil unser duales System einmalig ist. Viele Eltern raten den Kindern von einer handwerklichen Ausbildung und vermeintlich schmutzigen Jobs ab, auch mit dem Argument, dass sich dort kein Geld verdienen ließe. Zum anderen müssen wir aber auch die Unternehmen gewinnen und ihnen Vertrauen schenken, die im Moment Ambitionen brauchen, um auszubilden. Das Handwerk lebt aber nun einmal von der Ausbildung. Die Zahlen vermitteln ein eindeutiges Signal. Der Fachkräftemangel im Handwerksbereich wird akuter und stellt uns vor Herausforderungen. Kunden warten mehrere Monate auf einen Handwerker, Betriebe geraten aber auch in Minusgeschäfte, weil kein Wachstum zu verzeichnen ist, da die Fachkräfte fehlen. Das Geld bleibt auf der Straße liegen, und es strahlt auch in andere Politikfelder. Der Kollege von der CDU hat eben in seiner Rede auch den Fachkräftemangel erwähnt. Dabei hat das Handwerk mit vielen Facetten einiges zu bieten. Ob das die Änderungsschneiderei um die Ecke ist, der Schornsteinfeger, die Gebäudesanierung, der Augenoptiker oder aber – ganz massiv betroffen – die Bauwirtschaft. Aus diesem Grund stellen wir uns die Fragen: Wie gehen wir noch effektiver und effizienter mit dem Fachkräftemangel um? Welche Schlüsselaufgaben kommen weiter auf uns zu? Wie bewältigen wir die Probleme der Zeit? Dazu gehört in erster Linie auch die Vermittlung der Berufe. Mit 100 verschiedenen Berufen, die erlernt werden können, haben die Jugendlichen teilweise eine große Aufgabe, diese zu überblicken. Auf der anderen Seite – das darf ich hier erwähnen – gehört auch die angestrebte Elternkampagne dazu, um die Eltern hinsichtlich der Vermittlung, des Images der Berufe und der Verdienstmöglichkeiten zu erreichen, die heute in diesem Bereich erheblich sind. Des Weiteren sind die Programme der Berufsinformationsbörse, die Programme „Wirtschaft macht Schule“, aber auch Kampagnen wie das Handwerkscamp, die Feriencamps oder das MAKERSPACE lobenswert zu erwähnen, um nicht nur die Inhalte der Berufe zu vermitteln, sondern auch Frauen für die Berufe zu gewinnen. Viele Handwerksberufe gewinnen immer mehr Frauen dazu, aber es ist wichtig, auch jungen Frauen die Berufe nahezulegen und sie für diese Berufe zu gewinnen. Das ist eines der wesentlichen Ziele, die wir für die Zukunft brauchen. In der Landesregierung und in dieser Ampelkoalition sind wir schon seit Jahren für die Wertschätzung und Förderung des Handwerks auf dem Weg, wenngleich wir wissen, dass es ein langer Weg ist. Zur Steigerung der Wertschätzung – ich darf es noch einmal erwähnen –: Aufstiegsbonus I und Aufstiegsbonus II aus der letzten Legislatur heraus schon, und jetzt haben wir wieder im Haushalt die Erhöhung der Mittel für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. (Beifall der FDP, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Die Programme zur Förderung von Existenzgründung im Bereich des Handwerks: Viele Betriebe stehen auch in der ländlichen Region zur Übernahme an. Wie kann ich einen Betrieb übernehmen? Wie kann ich einen neuen gründen? Kann ich vielleicht etwas zusammenführen? Oder aber auch die Digitalisierungsberater, die gerade im Handwerk wichtig wären: Ob das Architekten oder Innenraumausstatter sind, die viel mehr mit Digitalisierung arbeiten, aber auch der Metallbau. All die soll das Handwerk noch stärker und interessanter machen, gerade auch für junge Menschen. Wichtig wird es für die Zukunft aber auch sein, dass wir Menschen über die lebenslange Aus- und Weiterbildung in ihrem Beruf weiterbilden, andere Menschen vielleicht dazuzugewinnen, sich zu einem solchen Beruf umzuschulen und wir ausländische Fachkräfte mit grenzübergreifenden Kooperationen gewinnen können. Letzteres fokussieren große Unternehmen in RheinlandPfalz bereits und wollen neue Länder entdecken und neue junge Menschen, Frauen und Männer, aus neuen Ländern für die duale Ausbildung hier in Rheinland-Pfalz gewinnen. Dafür bedarf es einer Entbürokratisierung, um solche Kooperationen zu stärken. So steht es auch im Koalitionsvertrag. Mehr dazu in der zweiten Runde. Danke schön. (Beifall der FDP, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)
