Ellen Demuth
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Paul, wissen Sie, was mich wundert? – Dass Sie als Lehrer offensichtlich anscheinend lange nicht mit Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern in der Schule gesprochen haben (Abg. Benedikt Oster, SPD: Gott sei Dank!) und nicht wissen, was los ist. Ich kann Ihnen nämlich sagen, das hat nichts mit konservativer Familienpolitik zu tun oder – wie Sie es hier ausführen – anscheinend irgendwelchen antiquierten Vorstellungen. Ich war erst letzte Woche in einem Gymnasium bei mir im ländlichen Raum zu Gast. Dort ist eine sehr wohlerzogene, homogene Schülerschaft, würde ich einmal einordnen. Wissen Sie, was mir dort begegnet ist? – Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler, mit denen ich über zwei Stunden gesprochen habe und die mir berichtet haben, wie es ihnen geht, nach der Corona-Pandemie vor allen Dingen, dass sie im Lernverhalten selbst feststellen, dass die Aufmerksamkeit zurückgeht, sie sich gestresst fühlen, sie anders mit Druck umgehen als vor der Pandemie, es für sie eine komplette Umstellung ist, dort wieder zurechtzukommen. Es waren Oberstufenschülerinnen und -schüler, mit denen ich gesprochen habe. Sie berichteten auch von ihren Erfahrungen mit Schülerinnen und Schülern, die jetzt erst aus der vierten Klasse in die fünfte und in die sechste gewechselt sind und bei denen Verhaltensauffälligkeiten zu erkennen waren, die vor allen Dingen – in meinen Augen – auf die Pandemie, ein verändertes Lernverhalten und eine Stresssituation in den letzten Jahren zurückzuführen sind. Im Rahmen der Haushaltsverhandlungen habe ich genau das gefordert. Sie haben mich richtig wiedergegeben mit dem, was Sie gesagt haben. Ich halte es für dringend notwendig, dass wir versierte psychologische Fachkräfte in den Schulen haben, mehr als bislang. (Beifall des Abg. Christian Baldauf, CDU) Frau Groß hat schon alles Wesentliche dazu ausgeführt. Wir brauchen pädagogische und psychologische Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler; denn die Egoismen und die Individualisierung in unserer Gesellschaft, noch einmal zusammengeführt durch die Corona-Pandemie, verstärken sich permanent. Wir müssen diesem Trend mit den Eltern, mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch mit versierten Fachkräften, die den Lehrerinnen und Lehrern zur Seite stehen, entgegenwirken . Wir müssen im Unterricht dafür Freiräume schaffen, wir müssen vielleicht auch einmal über die Klassengrößen nachdenken, auch über die Hinführung in den Kitas. Dazu könnte ich jetzt noch viel ausführen. Was Sie aber gesagt haben, Ihre These, (Glocke des Präsidenten) es läge nur an den Familien, ist faktisch falsch. Es gibt viele verschiedene Ursachen dafür. Deshalb ist Schulsozialarbeit extrem wichtig. (Beifall der CDU, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und bei der SPD)
