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Katrin Eder

20.01.2022 Sitzungen 18/15

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Waldsterben ist der Begriff, mit dem meine Generation ein Stück weit politisch sozialisiert wurde. Als ich den Waldzustandsbericht gelesen habe, kam mir schon der Gedanke, es ist schon beeindruckend, dass seit dieser Zeit, in der der Begriff „Waldsterben“ politische Hochkonjunktur hatte, jedes Jahr 3.700 Bäume in 155 Wäldern in Rheinland-Pfalz – immer wieder dieselben, wenn sie noch vorhanden sind – untersucht werden. Das ist eine sehr gute Zeitenreihe, ein sehr gutes Monitoring, das im Jahr 2021 erneut schockierende Zahlen ergab. Drei Hitzejahre hintereinander. 2021, worüber der Mensch geschimpft hat, nämlich der verregnete, kühle Sommer, hat dem Wald ein bisschen geholfen, aber es gab keine wirkliche Erholung des Kronenzustands. Die Zahlen sind schon ausführlich benannt worden. 82 % der Bäume sind stark geschädigt. Die Buche als die wichtigste Baumart in Rheinland-Pfalz: nur noch 8 % schadensfrei. Dieses Jahr, diesen Winter kräftige Knospen, ein bisschen Hoffnung, aber von einer richtigen Erholung kann nicht die Rede sein. Die Eiche: nur noch 7 % schadensfrei. Ja, und die Fichte, das sind Bilder wie von damals, die man in den Wäldern von Rheinland-Pfalz sieht. Das Fichtensterben, schlimme Bilder. Ausscheidensrate von 11 % im dritten Jahr. Nur zwei Borkenkäfergenerationen dieses Jahr dank des Regens, aber hoffentlich haben wir hier den Höhepunkt überschritten. Was sind die Gründe? Auch hierzu wurde schon viel gesagt. Neben dem Klimawandel die Neobiota, zum Beispiel Rußrindenkrankheit an Ahörnern oder andere, das Artensterben, aber auch die Luftschadstoffe, vor allen Dingen die Stickstoffeinträge, das schädigt die Symbiose in den Waldböden und ist dann im Klimastress besonders problematisch. Wir haben viele Aufgaben. Sie haben alle schon ganz viele Aspekte genannt. Der Wald hat viele Aufgaben, er ist der CO -Speicher. Es wurde hier schon das Thema der Waldklimaprämie angesprochen, die bereits häufiger aus Rheinland-Pfalz vorgetragen wurde, auch über die Landesgrenzen hinaus. Der Schutz vor Erosion als Wasserspeicher, der Waldboden, aber natürlich der Artenschutz und auch die Naherholung, aber auch die Nutzung des Holzes. Wälder sind komplizierte Ökosysteme und mehr als einzeln gepflanzte Bäume. Es wird deswegen im Moment eine sehr emotionalisierte Debatte über den Wald geführt. Wie wollen wir unseren Wald nutzen? Wollen wir ihn überhaupt nutzen, oder wollen wir ihn ausschließlich als CO -Speicher liegen lassen? Ich glaube, diese Debatte werden wir in den nächsten Monaten und Jahren sehr intensiv gemeinsam führen, und ich freue mich über diese sehr sachliche Debatte, die hier geführt wurde. Ich glaube, dass wir zu guten gemeinsamen Ergebnissen kommen. Heute bemühen wir uns auch um naturnahe Waldbewirtschaftung. Den einen geht es nicht weit genug, den anderen geht es zu weit. Deswegen: Der Mittelweg ist manchmal ein guter, aber nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir miteinander in den nächsten Jahren nochmals über die Nutzung, über die Ausgestaltung unserer „Waldwirtschaft“ werden reden müssen. Wir haben viel vor. Wir wollen das Projekt „Klimawald“ machen; denn für uns ist der Klimaschutz der wichtigste Waldschutz. Wir wollen das Projekt „Klimawald“. Wie schaffen wir den klimaresilienten Wald? Es ist schon vorgetragen worden, welche Zahlen dazu im Haushalt stehen, welche Stellen. Deswegen möchte ich nur verbleiben mit einem Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft, die jedes Jahr diesen Waldzustandsbericht erstellen, uns jedes Jahr diese guten Zahlen liefern, die dann eine Grundlage sein können für die Art der Waldbewirtschaftung und wie wir mit unserem Wald umgehen. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)

Protokoll ↗