Dr. Herbert Drumm
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Der Waldzustandsbericht 2021 ist auch deshalb ein wichtiges Dokument, weil Rheinland-Pfalz mit 42 % bzw. 840.000 ha bewaldeter Fläche das waldreichste Bundesland ist. Sie haben in den vorhergehenden Reden schon viele Einzelheiten aus dem Bericht gehört. Daher erübrigt sich die Wiederholung einzelner Feststellungen. (Abg. Martin Haller, SPD: Das ist schon mal ein guter Einstieg!) Nur auf einige, mir wichtig erscheinende Punkte möchte ich eingehen. Der Wald ist nicht nur unser wichtigster Sauerstofflieferant, sondern bindet auch CO . Die Bäume, die auf einem Hektar Wald stehen, speichern Jahr für Jahr 6 t dieses klimaschädlichen Gases. Landesweit werden also jährlich mehr als 5 Millionen Tonnen CO im Wald gespeichert. Das entspricht in etwa dem Jahresausstoß von zwei Kohlekraftwerken. Unsere Wälder sind zudem wertvolle und unverzichtbare Ökosysteme, deren Leistung honoriert werden muss, die aber auch einen besonderen Schutz brauchen. Insbesondere muss der Humusaufbau der Waldböden als wichtige Wachstumsgrundlage und natürlicher Wasserspeicher gefördert werden. Gerade im Hinblick auf die Abmilderung der schrecklichen Folgen von Starkregenereignissen ist seine Aufnahmekapazität von herausragender Bedeutung. Dies alles gilt vor allem für Gipfellagen und Gebiete mit großflächigen Waldverlusten, die zum Beispiel durch Trockenheit und Borkenkäferbefall vor allem in Fichtenkulturen entstanden sind. Genau dort ist also eine zeitnahe Wiederaufforstung von Kahlflächen zwingend erforderlich, um den Boden vor Erosion zu schützen und seine lebenswichtige Funktion nicht nur zu erhalten, sondern auch zu stärken. Eine andere Nutzung dieser Flächen darf in besonderen Notfällen ermöglicht werden. Über all dies hinaus fungiert der Wald auch als angestammter Lebensraum für viele Wildtiere und viele Pflanzenarten. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Beitrag für den Erhalt unserer gefährdeten Natur. Die Hilfen, die gerade angesprochen wurden, die Bund und Land den privaten und kommunalen Waldbesitzern für die notwendige Wiederaufforstung gewähren, müssen im Interesse des Erhalts dieses einmaligen Ökosystems und des Klimaschutzes aufgestockt werden. Eine weitere Unterstützung wäre die Bevorzugung von Holz aus heimischer Produktion bei Baumaterial und Brennstoff, so wie das die Freien Wähler schon mehrfach vorgeschlagen haben. Dadurch könnten zusätzlich auch klimaschädliche Transporte verringert und für uns unkontrollierbare Abholzungen verhindert werden. Die Experten von Landesforsten Rheinland-Pfalz sind aufgerufen, den Staatswald vor allem mit solchen Baumarten aufzuforsten, die mit den veränderten klimatischen Rahmenbedingungen, also vor allem mit Hitze- und Dürreperioden, besser zurechtkommen. Standortgerechte heimische Baumarten sind dazu besonders geeignet. Artenreichen Mischwäldern sollte unter anderem wegen der Gefahr von Schädlingsbefall gegenüber Monokulturen der Vorzug gegeben werden. Diese Überlegungen gelten natürlich auch für Privatwälder. Besonders interessant finde ich das in der Erprobung und Optimierung befindliche Tool, das die Forstämter seit Juli 2021 bei der Auswahl der zum veränderten Klima passenden Baumarten unterstützen soll. Sie finden den Bericht auf den Seiten 60 bis 63 im Waldzustandsbericht. Auf der Grundlage der gesammelten Standortinformationen in Verbindung mit regionalisierten Klimaprojekten werden die ökologische Eignung und die Risikopotenziale von Baumarten bewertet, um daraus standortgerechte Empfehlungen abzuleiten. Ich bin zuversichtlich, dass sich dadurch so gravierende Fehlentscheidungen wie einst das Favorisieren von Fichten in Zukunft verhindern lassen. Zusammenfassend: Trotz ausreichender Niederschläge im vergangenen Jahr hat sich die Hoffnung auf eine Erholung des Waldes nicht erfüllt. Die Forstexperten haben bei ihrer Bestandsaufnahme festgestellt, dass unsere Wälder stärker und länger unter den Folgen der Dürrejahre leiden, als das bisher zu beobachten war. Dazu tragen auch Luftschadstoffe bei. Die Belastung durch sauren Regen, Schwefeldioxid und Schwermetalle überfordert noch immer das Pufferpotenzial vieler Waldböden. Den Ursachen der Luftverschmutzung und des Klimawandels kann das Land allein nicht abhelfen. Dies kann nur im Zusammenwirken mit dem Bund und allen Nationen gelingen. Die Landesregierung sollte deshalb die Bundesregierung dabei unterstützen, die notwendigen Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Klima zügig umzusetzen und auf andere Nationen einzuwirken, ihre Beiträge im Kampf gegen Waldsterben und Klimawandel zu leisten. Vielen Dank. (Beifall der FREIEN WÄHLER)
