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Fabian Ehmann

GRÜNE 20.01.2022 Sitzungen 18/15

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Viele waren von uns in der Corona-Zeit in ihrem Lieblingswaldstück unterwegs und hatten dabei auch das Gefühl, dass es dem Wald deutlich schlechter als in den Jahren davor geht. Egal ob in der Eifel, im Westerwald, im Hunsrück, im Pfälzerwald oder im Soonwald, unser Gefühl, dass es den Wäldern in Rheinland-Pfalz sehr schlecht geht, wird durch den neuesten Waldzustandsbericht der Landesregierung wissenschaftlich bestätigt. Durch standardisierte Erfassungsmethoden eignet er sich als Basis für die Erfassung einer langfristigen Entwicklung. Obwohl das vergangene Jahr sehr reich an Niederschlag war, konnte sich der Wald nicht von Hitze und Dürren der letzten Jahre erholen. Mit einem Anteil von 82 % an geschädigten Bäumen – der Kollege Steinbach hat es schon erwähnt – zählt die Statistik zu einer der niederschmetterndsten Erfassungen seit Beginn der Datenerfassungen. Wir haben so viele geschädigte und abgestorbene Bäume wie noch nie. Vor den Hitze- und Dürreperioden lag der Wert unter 2,5 %, jetzt ist er auf über 6 % angestiegen, ein sehr trauriger Wert. Besonders unsere heimischen Baumarten wie Buchen und Eichen sind stark betroffen. Lediglich 8 % der Buchen bzw. 7 % der Eichen weisen keine Schäden auf. Das sollte uns sehr Anlass zur Sorge geben. Die Auswirkungen, die das auf unser gesamtes Ökosystem Wald hat, können wir uns noch kaum vorstellen. Warum aber geht es dem Wald so schlecht? – Ein Grund, ich habe es schon angesprochen, sind die angesprochenen Dürre- und Hitzeperioden der letzten Jahre. Generell sind die Temperaturen im Sommer seit dem Jahr 1997 ausnahmslos jedes Jahr zu hoch gewesen. Die Klimakrise beeinflusst also auch die Grundwasserneubildung, die in manchen Regionen in den letzten Jahren um über 25 % zurückgegangen ist. Unser Wald leidet also ganz klar auch unter mangelndem Regen und Hitze und hat oftmals auch wenig unterirdische Wasserressourcen zur Verfügung. Wie geht es nun also weiter? Wir haben in Rheinland-Pfalz viel erreicht, wie zum Beispiel den Mischwaldanteil erhöht, die Altersstrukturen ausgebaut, ca. 10 % der Landeswaldfläche unter Schutz gestellt, ein BAT-Konzept für die Artenvielfalt eingeführt. Das lässt sich auch an den Roten Listen der bedrohten Vögel- und Tierarten des Ökosystems Wald wiedererkennen. Hier haben sich die Bestände der Waldarten Schwarzstorch, Schwarzspecht, Uhu und Wildkatze in den letzten Jahren stabilisiert oder sie steigen sogar wieder. Hier sind sowohl die Artenschutzprogramme als auch der naturnahe Waldbau als entscheidende Faktoren zur Erholung zu nennen. Diesen Weg wollen wir ganz klar weiter beschreiten. Wir planen, die erfolgreichen Biotopbäume-, Altbäume- und Totholzkonzepte unseres Landesforsten zunehmend mehr in den kommunalen und Privatwäldern zu etablieren. Wir müssen unseren Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz noch weitere Anreize setzen, um künftig den Artenschutz, die Naherholung wie aber auch die Waldbewirtschaftung noch mehr in Einklang zu bringen. Wir wollen die nachhaltige, regionale Holzgewinnung aus unseren zertifizierten Wäldern sichern und auch die Laubhölzer zunehmend mehr in die stoffliche Nutzung bringen. Da freuen wir uns auch sehr, dass das die neue Bundesregierung erkannt hat und sind auch super gespannt auf die kommenden Initiativen von unserem neuen Waldminister Cem Özdemir. Er will zusammen mit den Ländern einen langfristigen Ansatz entwickeln, der konkrete, über die bisherigen Zertifizierungssysteme hinausgehende Anforderungen an zusätzlichen Klimaschutz und Biodiversitätsleistung adressiert. Diese sollen natürlich honoriert und die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dadurch in die Lage versetzt werden, ihre Wälder klimaresilient weiterzuentwickeln. Es steht also noch viel Arbeit an. Die Klimaerhitzung zeigt, dass wir auch unsere erfolgreiche, naturnahe Waldbewirtschaftung weiterentwickeln müssen. Wir wollen die Aspekte der Walderklärung, die wir vor zweieinhalb Jahren als Landesregierung gefasst haben, weiterentwickeln und somit gemeinsam mit allen Beteiligten unsere Wälder noch ökologischer und resilienter aufstellen. Daneben werden wir in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft ein eigenes, in Deutschland einzigartiges Forschungsprojekt zur Klimaanpassung im Wald voranbringen. Ich hoffe, dass wir bereits damit in diesem Jahr noch starten können. Packen wir es also an. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)

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