Michael Ludwig
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Waldzustandsbericht 2021, der dankenswerterweise wieder erstellt wurde, gibt uns keinen Grund, sorglos in die Zukunft zu schauen. Ohne Schadmerkmale – Herr Steinbach hat es eben gesagt – sind nur noch weniger als ein Fünftel unseres Waldes, Buchen gar nur noch 8,5 % ohne Schädigung. Die Wälder konnten sich im vergangenen Jahr nicht von den Folgen der vorausgegangenen Dürrejahre erholen. Man mag sich nicht ausmalen, wie sich weitere Dürren in den kommenden Jahren auf unseren Wald auswirken. Leider muss man sagen, ein stabiler Trend. Für uns als Rheinland-Pfalz, eines der waldreichsten Bundesländer mit immerhin 42 % Waldanteil, gilt es, die Dinge in die Hand zu nehmen. Wenn wir uns anschauen, was ein gesunder Wald zu leisten in der Lage ist, haben wir ganz wichtige Punkte. Bis zu 50 t Staubfilterung, 10,6 t CO -Bindung, bis zu 30 t Sauerstoffproduktion, 100.000 m³ Trinkwasser werden gefiltert, Fleisch wird erwirtschaftet, und es wird Holz genutzt. Wir haben gesehen, wie der Holzmarkt im vergangenen Jahr aussah. Sieben Festmeter pro Hektar pro Jahr, 10.000 Euro Umsatz für die Holzwirtschaft, aber all diese Ergebnisse können wir nur in einem gesunden Wald erzielen. Der Waldzustandsbericht mahnt uns zum Handeln, aber die beste Zustandserfassung nutzt uns nichts, wenn die entsprechenden Handlungsmaximen nicht folgen. Dieser Weg muss meines Erachtens schneller beschritten werden. Wir alle wollen naturnahe Waldbewirtschaftung. Wir alle wollen den Klimawald der Zukunft. Wir alle wollen diversere, resilientere und anpassungsfähigere Wälder. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der wahre Wert des Waldes ist unzweifelhaft höher als ihm zugemessen wird. Wir müssen die Ökosystemleistungen unseres Waldes stärker in Wert setzen. Das hilft uns bei der Wiederbewaldung von Kalamitätsflächen, dem Umbau der Wälder hin zu klimastabilen Mischwäldern. Insbesondere im privaten Waldbesitz braucht es für viele eine betriebliche Perspektive. Dabei müssen wir unterstützen. (Beifall der CDU und des Abg. Dr. Bernhard Braun, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lassen Sie mich einige Punkte nennen, die wir für umsetzbar und für richtig halten, um künftige Waldzustandsberichte ein wenig besser aussehen zu lassen. Wünschenswert wäre unseres Erachtens eine dauerhafte Waldprämie, die einfach strukturiert in gestaffelter Form die Ökosystemleistungen des Waldes honoriert. Hier könnte Rheinland-Pfalz beispielsweise vorausschreiten. Eine einfache Flächenprämie könnte komplizierte Projektförderungen im Sinne der Waldbesitzer ersetzen. (Beifall der CDU) Wir werden in Zukunft ein Personalproblem haben. Wir brauchen künftig mehr Forstwirte. Der Umbau des Waldes ist personell aufwendig. Auch hier muss man sich Gedanken machen darüber, wie Forstwirte im Wettbewerb um Facharbeiter in Zukunft bezahlt werden, wie wir in Konkurrenz zum Bau noch Leute für den Forst begeistern können. Es bedarf Lösungen für private Kleinparzellen. Die durch Realteilung entstandene Kleinteiligkeit unseres Waldes im Privatbereich führt dazu, dass große Flächen nicht bearbeitet werden. Flurbereinigungsverfahren dauern zu lange. Es müssen schnellere Lösungen, es müssen kreative Modelle her. Wir haben eben gehört, es ist viel Geld da. Vielleicht machen wir uns einmal Gedanken darum, wie wir das in diesen Bereichen einsetzen können. (Beifall der CDU) Für Gemeinden müssen Anreize geschaffen werden, wie sie sich zusammenschließen, damit Flächen effektiv bewirtschaftet werden können. Wir sehen den Waldzustandsbericht 2021 als erneutes Signal zum Aufbruch. Gerne gehen wir mit Ihnen in den konstruktiven Dialog, um einen möglichst schnellen, möglichst effektiven, möglichst ökonomischen und möglichst ökologischen Umbau des Waldes zu erreichen. Hierbei ist aus unserer Sicht zu beachten, dass auch der Mensch Teil der Waldnatur ist. (Glocke des Präsidenten) Sehr geehrte Frau Ministerin, sehen Sie in uns einen Mitstreiter in Sachen Wald. Sehen Sie uns als Triebwagen, der angetrieben von klimaneutraler Energie den ICE Wald zu neuen Ufern zieht. Vielen Dank. (Beifall der CDU – Zurufe aus dem Hause: Oh!)
