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Petra Schneider

CDU 19.01.2022 Sitzungen 18/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Auch im Jahr 2021 sind Frauen bei gewerblichen Existenzgründungen von Einzelunternehmen unterrepräsentiert. Dazu werden im vorliegenden Antrag die entsprechenden Quoten dargestellt. In Rheinland-Pfalz sind Frauen laut Statistischem Landesamt für nur 32 % der Unternehmensgründungen in den vergangenen Jahren verantwortlich. Die Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP schlagen vor, eine neue Würdigung für Frauen zu schaffen, die den Weg in die Selbstständigkeit wagen. Dies soll mittels eines Preises, dem Entrepreneurship-Preis, geschaffen werden. Die Preisvergabe soll jährlich stattfinden, und der Preis soll durch das Ministerium für Wirtschaft und das Ministerium für Frauen vergeben werden. Ziel ist es, mehr Sichtbarkeit für Frauen zu schaffen, die ein Unternehmen erfolgreich gegründet oder übernommen haben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist grundsätzlich eine gute Idee. Ein Fokus auf weibliche Entrepreneure zu legen, ist sicherlich sinnvoll, da Frauen in der Gründungslandschaft insbesondere in Bezug auf digitale Gründungen nach wie vor viel zu wenig repräsentiert sind, aber das ist nur dann eine gute Idee, wenn ein neuer Entrepreneurship-Preis mehr darstellt als ein Fleißmärkchen und einige warme Worte. Auch die Idee, Informationsnetze auszubauen, ist zwar gut, aber unter dem Strich viel zu wenig. Im Antrag heißt es, es bedarf gezielter und spezifischer Unterstützung für Frauen, die gründen oder ein Unternehmen übernehmen wollen. Es ist ganz klar, dass Frauen gezielt Unterstützung bei der Unternehmensgründung bedürfen. Daher die Frage: Ist ein neuer Preis der richtige Weg und das richtige Signal? Mir stellt sich die Frage: Haben Unternehmerinnen wirklich etwas von dieser Auszeichnung, oder gibt es vielleicht ein Preisgeld? Außerdem ist nicht jede Branche gleich. Die Zahl von 32 % ist nicht aussagekräftig genug. Sie beschönt geradezu. Gerade in technologieorientierten Sparten sind Existenzgründungen von Frauen hochgradig unterrepräsentiert. Wie möchten Sie Frauen begeistern, gerade hier einzusteigen, wenn in den MINT-Berufen ein besonders starker Mangel an Frauen herrscht? Auch die Punkte, die Sie als vermeintliche Innovation unterstreichen, überzeugen nicht wirklich. Sie stellen die Maßnahme zur Vereinbarkeit mit Familie als Vorteil für selbstständige Frauen dar. Das mag sein, aber diese Maßnahmen gelten für alle berufstätigen Frauen, egal ob selbstständig oder nicht. Wo ist hier ein greifbarer Vorteil für eine Frau, die sich überlegt, ein Unternehmen selbstständig zu führen oder lieber angestellt zu bleiben? Hier bleiben viele Fragen offen. Die Sichtbarkeit des Nutzens der vorliegenden Idee ist daher nicht gegeben. Viele weitere Fragen bleiben ebenfalls ungeklärt. Wer kann ausgezeichnet werden? Selbstständige Frauen oder Frauen, die nur im Nebenerwerb tätig sind? Was ist mit Freiberuflerinnen? Außerdem: Welche Altersklasse sollen die Frauen haben, um eine Auszeichnung bekommen zu können? Sie sagen, Sie möchten das Thema „Existenzgründung von Frauen“ positiv besetzen. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass das Thema bisher negativ besetzt war? Vergessen Sie nicht, dass Sie von einem Drittel aller Existenzgründungen sprechen. Sollte das bisher so sein, bedarf es mehr als eines Preises. Klare Antworten gibt es in unserem Nachbarland. In Baden-Württemberg finden wir eine sehr vitale Gründerszene für Frauen. Dort wurde die Kampagne „Start-up BW Women“ mit grandiosem Erfolg gestartet. Werdende Unternehmerinnen können sich an 80 Anlaufstellen wenden. 200 Expertinnen und Experten beraten sie engmaschig in allen Fragen. Ein sogenannter Lotsendienst wurde eingerichtet, der auch bei der Unternehmensnachfolge berät. Ein gleiches Ziel hat die Kampagne „Nachfolge ist weiblich!“. Es gibt Seminare, Fachkongresse und Tagungen, die alle die gemeinsame Zielsetzung haben, Frauen für die Selbstständigkeit zu begeistern und fit zu machen. Es werden Frauenwirtschaftstage mit regionalen Veranstaltungen und Gründerinnen und Unternehmerinnen in ganz Baden-Württemberg veranstaltet. Natürlich gibt es auch in Rheinland-Pfalz diverse Beratungsangebote. Einen Unterschied gibt es dennoch. Im Nachbarland wird jedes Jahr der FEMALE FOUNDERS CUP ausgelobt. Hier können Unternehmerinnen einer Fachjury in 3 Minuten ihre Geschäftsidee vorstellen. Wer das Expertengremium überzeugt, kann sich über echte Vorteile freuen. Wer gewinnt, bekommt die Möglichkeit der Präsentation auf der Plattform von Start-up BW im Internet, ein fundiertes Präsentations- und Kameratraining und hochwertiges Filmund Videomaterial für die Außendarstellung des eigenen Unternehmens. Es ist ganz handfest ein Preisgeld dabei. Es stellt sich die Frage, ob im rheinland-pfälzischen Haushalt Mittel für einen Preis vorhanden sind. Bei der Durchsicht des Einzelplans 08 sind mir zumindest keine aufgefallen. Auch das scheint in Baden-Württemberg anders zu sein. Hier haben die Nachbarn klar die Nase vorne. Die Idee, einen Entrepreneurship-Preis einzuführen, ist natürlich eine gute, aber lassen Sie uns lieber darüber nachdenken, die Idee, die sich zum jetzigen Zeitpunkt nur nach einer Plakette an der Außenwand eines Firmengebäudes anhört, mit Substanz zu füllen. Erst dann wird das eintreten, was wir uns alle vorstellen: Lust auf die eigene Selbstständigkeit machen. Wir benötigen in Rheinland-Pfalz ein Netzwerk aus Events und Beratungsstellen, Förder- und Präsentationsmöglichkeiten und einen Preis, der nach außen eine Wertigkeit verspricht, aber auch für den Preisträger einen echten Vorteil bietet. Ich fordere Sie also auf, ruhen Sie sich nicht auf der Würdigung aus. Es gibt noch viel mehr zu tun. Baden-Württemberg macht es uns vor. Danke. (Beifall der CDU)

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