Kathrin Anklam-Trapp
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist richtig, in Deutschland fehlen derzeit 200 Pflegefachpersonen, ein Fachkräftemangel mit ganz besonderer Bedeutung, denkt man an die Versorgung von aktuell schwer erkrankten Säuglingen, chronisch erkrankten Patientinnen und Patienten oder Menschen, die in der Corona-Versorgung dringend Hilfe brauchen und jetzt vielleicht auf irgendwelchen Plätzen Karneval ausgelassen feiern. Wir brauchen Pflege für eine würdevolle Begleitung der Menschen, eine Lebensbegleitung. Sehr geehrter Herr Wäschenbach, ich wende mich jetzt der Beantwortung der Großen Anfrage zu, die aus meiner Sicht wirklich wichtig ist. Ich danke der CDU-Fraktion, dass dieses Thema heute auf der Tagesordnung steht. Um dem Fachkräftemangel in der Pflege zu begegnen, wurde am 1. Januar 2020 auf Bundesebene die Generalistik eingeführt, eine der weitgreifendsten Pflegeberufereformen, die wir in unserem Land kennen. Damit werden die Kranken-, die Kinderkrankenpflege und auch die Altenpflege in einer gemeinsamen zukunftsfähigen Ausbildung mit einem einheitlichen Abschluss angeboten. Dabei handelt es sich gerade bei der Belastung der Krankenhäuser in der jetzigen Zeit, auch weil der Bund kurzfristig Informationen gab, um eine herausfordernde Ausbildungsneuordnung. Die Auszubildenden zu erreichen, junge Menschen für die Pflege anzusprechen, ist eines der großen Themen, um diesem Beruf den Nachwuchs zu geben. Die eingeübten Informationsbörsen, die Berufsmessen und die Praktika in Pflegeeinrichtungen, all dies war für die Bewerberinnen und Bewerber der letzten Periode nicht möglich, weil sie coronabedingt diese Möglichkeit nicht hatten. Das Ringen um die Fachkräfte in den unterschiedlichen Berufen, sei es Handwerk, Industrie oder Pflege, ist enorm. Herr Wäschenbach, dennoch, sagen die Zahlen der Großen Anfrage, ist es gelungen, junge Menschen anzusprechen, genau diesen Beruf zu ergreifen, erlernen zu wollen. Das liegt daran, dass viele Partnerinnen und Partner gemeinsam eingetreten sind, um diesen Beruf zu bewerben. Forsa hat gesagt, Krankenfachpflege ist einer der wichtigsten anerkannten Berufe in Deutschland. Das ist eine gute Voraussetzung, aber noch besser ist es, wenn viele, viele Menschen miteinander für diesen Beruf werben und dabei die FQI Pflege 2.0 fortentwickelt wird, eine klare Zusage aus dem Ministerium, die dazu gekommen ist. Um junge Menschen zu erreichen, hat man neue Wege gewählt. Man hat unter anderem verschiedene Handlungsfelder in den Blick genommen, ob zum Beispiel Zielgruppenansprache durch Mediatoren, die Social-Media-Kanäle, Facebook, Instagram, YouTube, dort, wo die jungen Menschen sind und sich überlegen, was sie in Zukunft machen. Sie wurden dort abgeholt. Die PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz startete mit dem Radiosender bigFM eine Radiowerbung „Helfer braucht das Land“, wobei sich auch die Kliniken der Region als Fachzentren präsentieren konnten. Die Landespflegekammer und die Gewerkschaft ver.di unterstützen die Ausbildungskampagne. Die AOK startete gemeinsam mit der PflegeGesellschaft bereits im Jahr 2018, auch der Großen Anfrage entnommen, die Ausbildungskampagne #MakeADifference. Herr Wäschenbach, all die Bemühungen ergaben, dass wir ein Plus an Auszubildenden von 5,8 % haben. Meine Damen und Herren, das ist eine richtig gute Leistung. Vielen Dank an alle Pflegenden. (Beifall bei der SPD sowie vereinzelt bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Zuruf des Abg. Gerd Schreiner, CDU) Die generalistische Ausbildung wird über die Pflegeverbünde organisiert. Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur wird bis zum Ende dieses Jahres eine Erhebung zu den bestehenden Lernortkooperationen durchführen, und zwar, um diese zu erhalten, auszuwerten und fortzuentwickeln. In Zusammenarbeit mit der Selbstverwaltung der Pflegeberufe RheinlandPfalz hat die Landesregierung bereits nachhaltigere Rahmenbedingungen zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen praktischen Ausbildung getroffen. Ein ganz wichtiger Bestandteil einer guten Ausbildung ist die praktische Ausbildung. Dafür bedanke ich mich bei den vielen, vielen Praxisanleiterinnen, Praxisbegleiterinnen und -begleitern im Land; denn die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung schreibt dafür eine pädagogische Zusatzqualifikation von über 300 Stunden sowie eine jährliche Fortbildung von 24 Stunden vor. Die Praxisanleiter sind diejenigen, die sich kümmern, wenn junge Menschen in den Beruf eintreten, dass sie einen guten Weg durch den Beruf finden. Denen auch von dieser Seite einen herzlichen Dank für dieses besondere Engagement. (Beifall der SPD sowie bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Die Pflegewissenschaftliche Fakultät mit den Studiengängen Pflegepädagogik, Lehramt Pflege wird an der hoch anerkannten Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar ihren Betrieb einstellen. Das ist bekannt. Diese wird aber nahtlos und gebührenfrei an der Universität Koblenz-Landau und am Campus Koblenz eingeführt. (Glocke der Präsidentin) – Ich komme zum Schluss, sehr geehrte Frau Präsidentin. Wir brauchen für die Pflege eine angemessene, eine bessere Bezahlung, mehr qualifizierte Hände und mehr Zeit, um die Arbeit als fähige Fachkraft angemessen und würdig auszuführen. Daran arbeiten wir, daran arbeiten viele Partnerinnen und Partner. Seitens der SPD-Fraktion bedanke ich mich bei Herrn Minister Schweitzer für sein großes Engagement. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
