Daniela Schmitt
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir haben es während der CoronaPandemie erlebt: Das Handwerk ist eine sehr wichtige Stütze der Wirtschaft. Während der Pandemie konnten viele Gewerke ihre Arbeit fortsetzen und damit letztendlich zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen. Viele handwerkliche Dienstleistungen wurden auch als systemrelevant eingestuft. Wir haben aber auch ganz besonders während der Flutkatastrophe gesehen: Das Handwerk ist das Fundament, auf dem und mit dem wir den Wiederaufbau vorantreiben werden. Meine Damen und Herren, das Handwerk hat sehr schnell reagiert, zum einen einzelne Betriebe. Ich erlebe das, wenn ich vor Ort bin. Beispielsweise konnte ich mir kürzlich bei der Schreinerei Rönnefarth vor Ort selbst ein Bild machen, wie tatkräftig das Handwerk die Situation vor Ort anpackt und alle Reserven für den Wiederaufbau mobilisiert, sogar wenn die Betriebe selbst erhebliche Schäden hinnehmen mussten. Das zügige Vorgehen und die beispiellose Solidarität des Handwerks spenden den Menschen vor Ort Trost und schaffen Perspektiven. Aber auch die Kammern und Fachverbände befinden sich in enger Abstimmung mit der Landesregierung und stellen einen ganz entscheidenden Stabilitätsanker für die betroffenen Flutgebiete dar. Die Handwerkskammer Koblenz hat das heute schon mehrfach genannte Portal „Handwerk baut auf“ zur Koordinierung von Hilfsleistungen vor Ort eingerichtet. Hier können sich Betriebe registrieren und ihre Leistung anbieten. Meine Damen und Herren, die Bedeutung des Handwerks äußert sich aber nicht nur in den Zeiten der Krise. Das Handwerk ist eine wichtige Säule der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. Für die Zukunft müssen wir weiter die Rahmenbedingungen richtig stellen; für die Zukunft der Betriebe, aber auch für die erforderlichen Fachkräfte. Ich sage an der Stelle ganz klar: Das eine kann auch das andere beflügeln. Die Digitalisierung macht das Handwerk für junge Menschen aus allen Schulen noch attraktiver. Deshalb fördern wir die überbetrieblichen Bildungsstätten zu innovativen und gut ausgestatteten Lernorten. In den letzten fünf Jahren sind 13,5 Millionen Euro an Landesmitteln eingeflossen. Der überwiegende Teil hiervon kommt dem Handwerk zugute. Außerdem haben wir den rheinland-pfälzischen Handwerkskammern in diesem Zeitraum rund 10 Millionen Euro für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung zur Verfügung gestellt. So sichern wir, dass auch kleinste Betriebe in jeder Region des Landes hochqualifizierte Fachkräfte ausbilden können. (Beifall der FDP, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Ganz entscheidend für die Fachkräftesicherung im Handwerk ist die Phase der Berufsorientierung. Gerade das Handwerk muss man erfahren, man muss es ertasten, erhobeln, manchmal auch erhämmern. Handwerk muss man erleben, und die Praktiker von morgen leben von der Praxis. Da aber Praktika in den vergangenen Monaten durch die Corona-Pandemie nur eingeschränkt möglich waren, mussten auch hier neue Formate, kreative Formate überlegt werden. Deshalb bin ich der Handwerkskammer Rheinhessen dankbar, dass man mit dem „lulu-Makerspace“ ein neues Format eingeführt hat. Das ist ein Ort der Begegnung, ein neuer Ort der Berufsorientierung. Ich höre, dass viele Schülerinnen und Schüler das vor Ort gut angenommen haben. Auch die Feriencamps sind aber eine tolle Möglichkeit, Handwerksberufe kennenzulernen. Lassen Sie mich zum Schluss an der Stelle sagen: Berufsorientierung ist und bleibt eine Daueraufgabe, egal in welcher Schulform. Meine Damen und Herren, mit den Coaches für betriebliche Ausbildung unterstützen wir die Vermittlung in eine Ausbildung im Handwerk. Nur ein paar Zahlen zur Klarstellung. Die Ausbildungscoaches haben im Jahr 2020 knapp 1.500 jungen Menschen eine Ausbildungsstelle im Handwerk vermittelt. (Beifall der FDP und vereinzelt bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir haben den Aufstiegsbonus I und II in den letzten Jahren auf den Weg gebracht und schaffen damit den Anreiz, sich beruflich fortzubilden und – das sage ich ganz klar – nach Möglichkeit auch ein Unternehmen zu gründen oder ein bestehendes zu übernehmen. Auch das ist mir gerade im ländlichen Raum sehr wichtig. Natürlich spielt auch die Fachkräftegewinnung im Ausland für unsere Unternehmen eine wichtige Rolle. Das sehen wir zum Beispiel an den Zahlen zur Berufsanerkennung. Mit über 10.000 erfolgreich abgeschlossenen Anerkennungsverfahren seit dem Jahr 2016 hat die rheinland-pfälzische Wirtschaft vom Engagement der Landesregierung zu Fragen der Berufsanerkennung profitiert. Meine Damen und Herren, die Landesregierung räumt der Fachkräftesicherung höchste Priorität ein. Mit unseren Partnern haben wir in Rheinland-Pfalz ein intaktes Netz zwischen den Betrieben, den Kammern, den Bildungseinrichtungen und den jungen Menschen geschaffen. Dieses erlaubt uns, auch unvorhergesehenen Herausforderungen wie beispielsweise die Pandemie und deren Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt mit zielgenauen Maßnahmen zu begegnen und gestärkt daraus hervorzugehen. Unsere Unternehmen profitieren von dem Einsatz der Landesregierung in der Fachkräftesicherung, der letztendlich zu einem echten Standortvorteil am Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz beiträgt. Vielen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
