Dr. Herbert Drumm
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Nachdem die FDP zumindest einen Teil des gestrigen CDU-Themas übernommen hat, erlauben Sie mir, dass auch ich mich auf den entsprechenden Beitrag unseres Redners beziehe. Herr Wefelscheid hat treffend dargestellt, dass das mittelständisch strukturierte Handwerk eine wichtige Säule der rheinlandpfälzischen Wirtschaft ist. Die hohe Leistungsfähigkeit des Handwerks ist aber mittel- und langfristig in Gefahr, weil die Betriebe seit Jahren mit einem zunehmenden Nachwuchs- und Fachkräftemangel zu kämpfen haben. Das Problem hat mehrere Ursachen. Die bedeutendsten: Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, in dem die Hauptschule ganz klar die erforderlichen Kompetenzen für einen Handwerksberuf vermittelte, war und ist eine Katastrophe. (Beifall der FREIEN WÄHLER und der AfD) Dies auch deshalb, weil ein Ersatz für diese bewusst gesetzten frühen Schwerpunkte bisher nicht geschaffen wurde. Eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass diese drastische Veränderung der Schullandschaft so einfach möglich war, liegt darin, dass immer mehr Kinder – auch solche mit unterdurchschnittlichen schulischen Talenten – von ihren Eltern dazu ermuntert und angehalten werden, das Abitur anzustreben, koste es, was es wolle. Daher sind es inzwischen rund 70 % aller Jugendlichen, die diesen Abschluss erreichen möchten, um danach zu studieren oder eine Ausbildung in einem sauberen Beruf, beispielsweise bei Banken, Sparkassen oder Versicherungen, anzustreben. Niveauprobleme an den Schulen, zunehmende Studienabbrüche an den Hochschulen und die Tatsache, dass sich immer weniger junge Leute um einen Ausbildungsplatz in einem Handwerksbetrieb bewerben, sind der Preis, den unsere Gesellschaft für diese überzogene Akademisierung bezahlen muss. (Beifall der FREIEN WÄHLER und der AfD) Wie soll es weitergehen? Es wäre sicherlich falsch, wegen der Nachwuchssorgen des Handwerks verstärkt auf ausländische Fachkräfte zurückzugreifen. Auch wir haben bestens geeignete junge Leute, die nur zu diesen Berufen hingeführt werden müssen. Mittel- und langfristig wird dies über das Einkommen geschehen. Schon jetzt verdienen gute Handwerker oft mehr als mittelmäßige Akademiker. (Abg. Michael Frisch, AfD: Richtig!) Doch wie können wir das beschleunigen? Wie können wir jungen Leuten Lust darauf machen, diesen sinnvollen und gesellschaftlich notwendigen Weg einzuschlagen, ohne wieder das Schulsystem umzukrempeln, was trotz aller Kritik fatal wäre? Ein Beispiel: Die Praxis vieler weiterführender Schulen, ein zwei- oder dreiwöchiges Praktium zu verlangen, reicht auch im Ansatz nicht dafür aus, ein attraktives Bild von nicht akademischen Berufen zu vermitteln. Viel besser wäre es, zum Beispiel an den immer stärker frequentierten Ganztagsschulen langfristig angelegte Arbeitsgemeinschaften einzurichten, (Abg. Jaqueline Rauschkolb, SPD: Haben wir doch!) in denen das außerschulische Berufsleben vorgestellt und in der Realität erlebt wird. Vor allem muss dabei auch geübt werden, wie man Materialien geschlechtsneutral behandelt. (Beifall der FREIEN WÄHLER und der AfD sowie vereinzelt bei der CDU) Ich habe in einem der ersten rheinland-pfälzischen privaten Ganztagsschulgymnasien unterrichtet, in denen das meiste schon vor vielen Jahren gängige Praxis war, die tatsächlich des Öfteren zu einem entsprechenden Beruf führten. Eine solche schulische Zielsetzung muss unbedingt von einer ständigen Beratung der Schülerinnen und Schüler und insbesondere der Eltern begleitet werden, um ihnen bei einer bestmöglichen Zukunftsbewältigung zu helfen. Des Weiteren eröffnet eine Ausbildung im Handwerk nach der anschließenden Meisterprüfung auch den Weg zum Studium, mit wertvollem Wissen aus der Praxis ausgestattet. Allerdings darf dies nicht eine Abwanderung solch hochqualifizierter Menschen in andere Bereiche zur Folge haben. Das alles führt aber nur dann zum Ziel, wenn sich die gesellschaftliche Einstellung ändert, wenn akademische und nicht akademische Ausbildung und Arbeit als gleichwertig anerkannt und vor allem geachtet werden. Darauf muss die Politik hinarbeiten. (Beifall der FREIEN WÄHLER und der AfD) Wir müssen alles dafür tun, dass der Meister des Handwerks ein attraktives Berufsziel ist; denn die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ist auch untrennbar mit der Qualität sowie der Handlungs- und Leistungsfähigkeit des Handwerks verknüpft. Den Schulen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Hier sind sowohl die Landesregierung als auch wir alle gefragt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall der FREIEN WÄHLER und der AfD)
