Damian Lohr
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Beim Thema „Fachkräfte“ liegt unser politischer Fokus selbstverständlich auf der beruflichen Bildung; denn die gute berufliche Ausbildung gehört zum Markenkern unserer heimischen Wirtschaft. Die aktuellen Zahlen ergeben allerdings ein bedenkliches Bild. Bei der Bundesagentur für Arbeit wurden seit Oktober 2020 in Rheinland-Pfalz 24.200 Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 4 % weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig haben 21.100 Jugendliche über die Arbeitsagenturen und Jobcenter nach einer Ausbildungsstelle gesucht. Das sind sogar 10,3 % weniger als im Vorjahr. Damit verschärft sich der langfristige Trend weg von der beruflichen Ausbildung drastisch. Schuld sind unter anderem die Corona-Pandemie und die von der Landesregierung getragenen Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung. Viele Jugendliche haben angesichts von Lockdowns und Kurzarbeit den Schluss gezogen, dass eine Beschäftigung in der Privatwirtschaft nicht kalkulierbar ist und nur Unsicherheiten mit sich bringt. Die fehlenden Azubis von heute sind jedoch die fehlenden Fachkräfte von morgen. Die Corona-Maßnahmen werden deshalb auch langfristig negative Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und Rheinland-Pfalz haben. Den Fachkräftemangel nur mit Corona zu erklären, greift allerdings viel zu kurz. Natürlich steht die duale Ausbildung in einem Konkurrenzverhältnis zu den Hochschulen. Wenn die Landesregierung alles dafür tut, dass die Studentenzahlen weiter ansteigen, dann haben die Handwerksbetriebe ein Problem. Die Landesregierung, zu der auch die FDP gehört, treibt die Öffnung der Hochschulen immer weiter voran. Diese gewollte Überakademisierung ist schädlich für unser Land. So werden aus potenziell guten und dringend gesuchten Handwerkern weniger gesuchte Akademiker. Offensiv gefördert wird die Durchlässigkeit in unserem Bildungssystem leider nur in eine Richtung, nämlich hin zur Hochschule, also von der beruflichen zur akademischen Bildung und niemals umgekehrt. Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung wird da zur hohlen Phrase, meine Damen und Herren. (Beifall der AfD) Ein konkretes Beispiel: Meine Kollegen Joachim Paul und Martin Schmidt haben eine Kleine Anfrage zu Projekten zu dualem Studium, Ausbildung und beruflicher Bildung gestellt. Ich zitiere aus der Antwort vom 26. Juli 2021: „Die Landesregierung hat keine Projekte gefördert, die speziell zum Ziel hatten, Landesregierung hat keine Projekte gefördert, die speziell zum Ziel hatten, Studierende über einen Wechsel in eine berufliche Ausbildung zu beraten.“ Wir werden diesbezüglich Anträge bei den kommenden Haushaltsberatungen stellen. Wir sind gespannt, wie sich die FDP an dieser Stelle positionieren wird. Dann der Offenbarungseid – ich zitiere noch einmal aus der Antwort der Landesregierung –: „An den IGS fördert das Land seit September 2019 zujetzt nicht – (Heiterkeit bei der AfD) „mit besonderen Unterstützungsbedarfen beim Übergang in Ausbildung und Beruf sozialpädagogisch fundiert begleitet werden.“ Das Projekt an sich ist sehr zu loben – ich will das nicht kritisieren –, nur die Landesregierung, also auch die FDP, verkennt völlig das Problem, dem sich das Handwerk ausgesetzt sieht. Ihm ist das Fundament weggebrochen, nämlich der ehemals gute Realschüler, der jetzt eben an die Uni geht. Schüler mit besonderen Unterstützungsbedarfen können diese Lücke nicht füllen. Es ist gerade nicht so, dass Rheinland-Pfalz stark dasteht, wie es uns die FDP suggerieren will. Schon im Jahr 2019 – vor der Corona-Krise – ging das BIP im Land um 1,3 % zurück, im Jahr 2020 dann um 4,5 %. Diese Rückschläge müssen erst einmal aufgeholt werden. Das ist natürlich nicht die Schuld des Handwerks, sondern die Schuld dieser schlechten Landesregierung. Danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall der AfD – Zuruf der Abg. Giorgina Kazungu-Haß, SPD)
