Lisett Stuppy
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Auch dies ist meine erste Rede. Das Handwerk ist unser Partner beim Hausbauen, bei der Energieeffizienz, Partner bei der Umsetzung von Investitionen der öffentlichen Hand, bei der Kreislaufwirtschaft, Partner bei der Energiewende und beim Klimaschutz und schließlich Partner des ländlichen Raums. Deshalb müssen unsere Handwerksbetriebe eine besondere Wertschätzung bekommen. Die grüne Fraktion sieht die große Bedeutung von kleinen und mittleren Betrieben in unseren Regionen als Ausbildungsbetriebe, Dienstleister und eben Partner. Das Handwerk ist für uns stark und sichtbar, damit ein großer Teil der Wirtschaft und Innovationstreiber in Rheinland-Pfalz. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Ohne das Handwerk geht gar nichts. Damit ist klar, eine handwerksfreundliche Politik ist unerlässlich. Das Engagement der Handwerkskammern und der Betriebe für Ausbildung und Integration ist besonders zu unterstützen. Ausbildung und Integration von Geflüchteten, Menschen mit Behinderung, Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern oder Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten sind lobenswert. Nicht nur während der Corona-Pandemie, auch davor stand und steht das Handwerk unter besonderem Druck. Die Herausforderungen für das Handwerk für die Zukunft sind groß: Fachkräftemangel, offene Ausbildungsplätze, Unternehmensnachfolge, Mut zur Selbstständigkeit, digitalisierte Arbeitsprozesse. Das bedeutet, Politik muss Weichen stellen und ermöglichen, um das Handwerk effektiv zu unterstützen. Das macht Rheinland-Pfalz. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Das Handwerk setzt die Energiewende um, oder andersherum, erneuerbare Energien und innovative Technologien schaffen Arbeitsplätze im Handwerk. Das passt einfach zusammen. Handwerk als Schlüssel, der Klimaschutz und Nachhaltigkeit in unsere Gebäude bringt, ob durch Gebäudedämmung, PV, Pelletheizungen oder energetische Sanierung. Der Beitrag unserer Handwerksbetriebe zur Energiewende und unseren Klimazielen ist groß und unverzichtbar. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Handwerksbetriebe tragen aber auch darüber hinaus zu einer regionalen Wertschöpfung bei. Durch regionale Wertschöpfungsketten können vor allem ländliche Strukturen gestärkt werden. Arbeitsplätze vor Ort stärken die Menschen, die Familien und die Wirtschaft sowie die Vernetzung regionaler Akteurinnen und Akteure. Das Handwerk leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit durch langfristigen und nachhaltigen Materialeinsatz. Transportwege bleiben kurz, Material kommt in den Kreislauf zurück. Das spart Ressourcen. Handwerk trägt somit auch hier entscheidend zum Klimaschutz bei. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD und bei der FDP) Woher aber die Fachkräfte? Ich bin überzeugt, dass ein frühes Kennenlernen von handwerklichen Berufen eine spätere Zustimmung für einen Ausbildungsweg erhöht und wir frühkindliche Bildung bei Kindern ohne Vorurteile durch den Abbau von Berührungsängsten hinsichtlich körperlicher Tätigkeit, einem geschlechtsneutralen Umgang mit Materialien (Zuruf aus dem Hause: Was ist das denn? – Heiterkeit bei der AfD) und vor allem mit Berufsbildern fördern müssen; denn Handwerk ist nicht typisch Jungs. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Es ist eben nicht typisch Jungs. Wir brauchen auch Mädels an der Werkbank. Wichtig ist dabei, dass junge Menschen ihren Neigungen und Stärken folgen und einen Beruf finden und erlernen, der langfristig Freude bietet. Wenn wir es schaffen, die alten Muster typischer Männer- oder Frauenberufe aufzubrechen, dann bietet das für die Ausbildung im Wettbewerb zum Studium eine absolute Perspektive. Das Handwerk hat es verdient, in den Bildungseinrichtungen thematisiert zu werden und für Kinder erfahrbar zu sein. Betriebsbesuche gehören dann regelmäßig zum Programm. Damit machen wir deutlich, das Handwerk gehört in die Lebenswirklichkeit von uns allen. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Frauen sind stark unterrepräsentiert, und die Unternehmensnachfolge ist doch eher männlich. Der Frauenanteil stagniert und konzentriert sich auf wenige Berufe. Wir brauchen mehr Anreize für Frauen im Handwerk, mehr Frauen in Führungspositionen, mehr weibliche Unternehmensnachfolge. Hierfür braucht es eine eigene Ansprache, klare weibliche Vorbilder, gezielte Beratung und Förderprogramme. Die Sichtbarkeit von Frauen im Handwerk und der Selbstständigkeit können wir auch mit einem besonders für Frauen kreierten Preis voranbringen. Wir müssen alle Fachkräftepotenziale ausschöpfen, dann ist unser Handwerk megastark. Danke schön. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)
