Petra Schneider
Guten Morgen zusammen! Auch für mich ist es heute die erste Rede, (Vereinzelt Heiterkeit im Hause) aber bei dieser Vorlage mache ich mir keine Gedanken und stelle schon einmal den Antrag auf ein kostenloses Abendessen an den Herrn Präsidenten. Sehr geehrter Präsident, meine sehr geehrten Herren und Damen! Das Handwerk in Rheinland-Pfalz ist stark. Das steht außer Frage. Das Handwerk ist eine unverzichtbare Stütze in Wirtschaft und Gesellschaft, bedeutender Arbeitgeber und Ausbilder. Das Handwerk wird auch durch den Meisterbonus, durch den Digitalisierungsberater und durch Ideenwettbewerbe gefordert und gefördert. (Beifall bei der CDU und bei der FDP) Das sind entsprechende Instrumente. Nun sind unsere Handwerksbetriebe so gut, dass sie mit den Aufträgen kaum hinterherkommen. Es ist nicht zu erwarten, dass durch die hohe Konjunktur im Baugewerbe diese massive Auslastung abebben wird. Durch den Wiederaufbau im Ahrtal kommen zusätzliche Aufträge, Tausende auf einmal, hinzu. Aufgrund dieser massiven Auslastung darf es absolut keine weiteren bürokratischen Belastungen für Handwerksbetriebe mehr geben. Es gilt, wir benötigen gerade jetzt dringlicher denn je den Abbau der Bürokratie. (Beifall der CDU) Blicken wir doch einmal auf das Ahrtal, meine Heimat. Das Handwerk hat vor Ort bei der Bewältigung der Auswirkungen der Flutkatastrophe eine zentrale Schlüsselrolle übernommen und Nothilfe geleistet. Handwerker haben Dächer geflickt, Rohre leer gepumpt oder Elektroanschlüsse gesichert, und das ehrenamtlich und viele, ohne einen Cent Lohn dafür zu erhalten. Diese Fachkräfte haben nicht nur wichtige Arbeit geleistet. Sie haben den Menschen ein Stück von dem zurückgegeben, was sie in den Fluten verloren haben, nämlich die Hoffnung, dass es weitergeht. So wichtig dieser Einsatz auch ist und war, er muss in Zukunft noch besser koordiniert werden, und zwar für kurz-, mittel- und langfristige Wiederaufbaumaßnahmen. Ein Beispiel, bei dem das schon funktioniert hat, ist die Plattform „handwerk-baut-auf.de“ von der Handwerkskammer Koblenz und dem Unternehmerverband. Auf dieser Plattform können sich Betriebe registrieren, die Werk- und Dienstleistungen für den Wiederaufbau anbieten. Andersherum können sich auch Helfer anmelden, die selbst daran mitarbeiten wollen. Dies ist eine einmalige Idee, um Deutschlands größtes Wiederaufbauprojekt, wie es über das Ahrtal auf der Internetseite heißt, voranzubringen. Genau hier muss sich das Land viel stärker einbringen. Das gilt zum Beispiel auch bei dem Bau einer Lagerhalle für Materialien für den Wiederaufbau der betroffenen Regionen. Dort können Materialien gelagert werden. Alle diese Projekte müssen durch das Land besser unterstützt, mitfinanziert und vor allem koordiniert werden. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung des Ahrtals benötigen wir auch Handwerker von außerhalb der Landesgrenze. Wenn diese Menschen zu uns kommen, muss es vor Ort intakte Strukturen geben: Wie werden diese Fachkräfte untergebracht? Wer koordiniert dieses Handwerk? – Auch hier muss das Land mit anpacken. (Beifall der CDU) Neben dem berühmten Shuttlebus der Helfer brauchen wir jetzt einen Handwerker-Shuttle. Hierbei geht es um konkreten Wiederaufbau einer ganzen Region. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin der FDP wirklich sehr dankbar dafür, dass sie dieses wichtige Thema des Handwerks, Fachkräfte usw. heute in die Aktuelle Debatte eingebracht hat. Somit habe ich die Gelegenheit, Ihnen aus erster Hand aus der Praxis zu berichten. Ich selbst komme sozusagen aus dem Handwerk in die Landespolitik. Ich weiß, wo der Schuh wirklich drückt. Ich führe mit meinem Mann zusammen einen traditionellen Handwerksbetrieb, eine Bauunternehmung. Unser Sohn möchte diesen Betrieb in die vierte Generation weiterführen. Er ist Maurermeister. So sind die Weichen für die Nachfolge für unseren Betrieb bereits gestellt. Das ist aber in der heutigen Zeit und Situation nicht selbstverständlich. Somit stellt sich aber für ihn schon das nächste Problem: Mit welchen Mitarbeitern kann er diesen Betrieb weiterführen? Es gibt einen massiven Fachkräftemangel. Es ist ja gut, dass jetzt Meisterbonus und Digitalisierungsberater eingesetzt sind, aber mal ganz ehrlich, das reicht nicht aus, und es ist viel zu spät. In ganz vielen Gewerken sind die Ausbildungszahlen stark bis sehr stark rückläufig. Wertvolle Zeit wird nicht genutzt, um dem Handwerk die notwendige Attraktivität, Wertschätzung und differenzierte Ausbildungswege zu geben. Jetzt ist die Lage so, dass Betriebe aufgrund von Facharbeitermangel keine Aufträge mehr annehmen können bzw. es muss mit langen Wartezeiten gerechnet werden. Schade, dass es so weit kommen musste. (Beifall der CDU) Dann trifft uns noch die schlimme Situation an der Ahr, dass viele Betriebe und Unternehmen durch die Flut zerstört sind und selbst erst einmal wieder aufgebaut werden müssen. Das alles kann nur funktionieren, wenn genug Fachkräfte zur Verfügung stehen. Daher ist es wichtiger und dringlicher denn je, dass es für die Betriebe gute Perspektiven gibt und alles daran gesetzt wird, Facharbeiter auszubilden. Ich fordere, dafür mehr Lehrerinnen und Lehrer an den berufsbildenden Schulen einzusetzen, (Abg. Marco Weber, FDP: Ui, ui, ui!) damit ein differenzierter Ausbildungsweg angeboten werden kann: (Beifall der CDU) zwei Jahre für Auszubildende eines höheren Schulabschlusses und vielleicht vier Jahre für einen Basisabschluss. Deutschunterricht bei Zugewanderten müsste intensiver unterrichtet werden. Das sind nämlich die Menschen, die viele Fähigkeiten haben, aber leider den Unterricht nicht verstehen können, weil ihnen die Sprachkenntnisse fehlen. Das ist sehr schade. Mit solchen einfachen Mitteln könnte man den Menschen die Tür öffnen, (Beifall der CDU) ebenso mit mehr Berufsorientierungstagen, nicht nur einmal im Jahr. Berufskoordinatoren können tätig werden. Kampagnen, so wie es uns die Handwerkskammer vorbildlich vorzeigt, könnte auch das Land einsetzen. Damit haben wir mehr Wertschätzung und Attraktivität für das Handwerk. Tun Sie bitte alles dafür, dass keine weitere wertvolle Zeit verloren geht. Das Handwerk benötigt Fachkräfte dringender denn je. Danke schön. (Beifall der CDU)
