Patric Müller
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich bin der FDP-Fraktion sehr dankbar, dass sie im Rahmen der heutigen Tagesordnung dieses Thema in die Aktuelle Debatte mit einbringt. Einen besseren Start hätte ich mir bei meinem ersten Auftritt am Rednerpult dieses Hauses gar nicht wünschen können. Ich nehme vorweg, ja, Fachkräfte nicht nur aus Rheinland-Pfalz, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet sind wichtige Stützen unserer leistungsfähigen Wirtschaft. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Das Handwerk als Basis für künftige Lebenschancen und wirtschaftliche Erfolge steht für Modernität, Innovation und Kreativität. Es bietet Aufstiegschancen und sichere Arbeitsplätze. Wir müssen uns allerdings auch dahin gehend Gedanken machen, inwieweit unser eigener Nachwuchs den notwendigen Bedarf und den eigenen Anspruch an das Handwerk in Zukunft abdecken kann. Deshalb hat neben der frühkindlichen und der schulischen Bildung eine attraktive Ausbildung von Facharbeiterinnen und Facharbeitern als Schlüsselfunktion nicht nur im Handwerk, sondern auch in der Industrie und dem Dienstleistungsgewerbe einen hohen Stellenwert; denn ein starker Mittelstand bildet das Rückgrat in unserem Wirtschaftssystem. Auch die Weiterentwicklung im Bereich der Forschung und Technologie darf hierbei keinen Rückschritt erfahren. Diesbezüglich darf ich aus dem Zukunftsvertrag der Ampelkoalition zitieren: „Die Unternehmen, das Handwerk, die Selbstständigen sowie die Arbeitnehmer:innen in Rheinland-Pfalz legen die Grundlage unseres Wohlstands. Wir wollen mit einer starken Sozialpartnerschaft dafür sorgen, dass RheinlandPfalz ein nachhaltiges Industrieland mit Zukunft bleibt und die vielfältigen Transformationsprozesse gut gestaltet.“ Deshalb werden wir „die Rahmenbedingungen für alle Unternehmen weiter verbessern und ein wirtschaftsfreundliches Klima schaffen, damit diese auch in Zukunft erfolgreich sein können. Gemeinsam werden wir den Wandel zu innovativen Produkten und klimaneutralen Wirtschaftsweisen gestalten. Dabei formulieren wir einen klaren Anspruch. Unsere Wirtschaft ist Vorreiter bei Zukunftstechnologien“ und unser Handwerk bewältigt die Krise dank seiner hohen Innovationskraft. Wir unterstützen beim Abbau bürokratischer Belastungen und bei der gezielten Förderung des Fachkräftenachwuchses zum Beispiel durch die Stärkung der dualen Ausbildung. Frau Kollegin Köbberling hat bereits gestern in der Aktuellen Debatte ausgiebig darauf hingewiesen. Zur besseren Interaktion im Rahmen der Digitalisierung hat zum Beispiel eine bekannte rheinhessische Baufirma während der Pandemie digitale Baustellenexkursionen angeboten und zusammen mit der Hochschule Mainz diese Livestream-Begehungen entwickelt. Wir wissen um die Stärkung unseres Mittelstands und unseres Handwerks. Kleine und mittelständische Unternehmen stellen immerhin den größten Teil der Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz. Wir wissen aber auch, gut zwei Monate sind seit der Naturkatastrophe im Ahrtal, bei der reißende Fluten Menschenleben gekostet und Existenzen vernichtet haben, vergangen. Das Handwerk spielt dabei eine tragische Doppelrolle, als dringend benötigte Helfer, aber auch als schwer getroffene Opfer der Wassermassen. In Rheinland-Pfalz sind 700 bis 800 Betriebe von der Katastrophe betroffen. Die Handwerkskammern gehen von einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 400.000 bis 500.000 Euro pro Betrieb aus. Liegenschaften wurden beschädigt oder zerstört, Fahrzeuge weggespült, Maschinen und Geräte irreparabel beschädigt und gelagerte Materialien unbrauchbar gemacht. Der Schaden beim rheinland-pfälzischen Handwerk beläuft sich damit schätzungsweise auf bis zu 400 Million Euro, die Umsatzausfälle der Betriebe nicht mitgerechnet. Deshalb ist es wichtig, dass wir heute das Landesgesetz über die Einrichtung eines Sondervermögens Aufbauhilfe verabschieden werden; denn auch die Betriebe brauchen sowohl kurz- wie auch mittelfristig Finanzmittel. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) Ich möchte in diesem Zusammenhang auf Deutschlands größtes Wiederaufbauprojekt hinweisen. Die Handwerksorganisationen im betroffenen Ahrtal haben ein einheitliches Portal geschaffen, das in einem ersten Schritt allen Handwerksbetrieben die Möglichkeit gibt, ihre Leistungen transparent anzubieten. Zahlreiche Betriebe aus ganz Deutschland wollen beim Wiederaufbau unterstützen. Um diese Anfragen zentral koordiniert zu kanalisieren, ist mit www.bautmitauf.de eine Plattform entstanden, die diese Angebote zusammenführt und den Betroffenen zur Verfügung stellt. (Glocke des Präsidenten) Hieraus erfolgt eine große Welle der Hilfsbereitschaft zur Flutkatastrophe. Respekt und Anerkennung für diese große Solidarität. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Herr Präsident, ich kürze jetzt ab.
