Dr. Martin Vincentz
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Bevor das Geschrei wieder losgeht, lassen Sie mich eine Sache gleich vorwegstellen: Einige der engsten Menschen in meinem Leben und besten Mediziner, die ich kenne, haben Migrationshintergrund, nicht zuletzt meine eigene Frau, die wirklich eine unfassbar gute Medizinerin ist. (Thorsten Klute [SPD]: In Sachsen-Anhalt will man die alle wegschicken!) Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich Deutschland in eine gefährliche Abhängigkeit von ausländischen Fachkräften gebracht hat. Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Erstens. Echte Fachkräfte haben es in Deutschland nach wie vor viel zu schwer, während es Armutsmigration viel zu einfach gemacht wird. Zweitens. Deutschland bildet schlicht viel zu wenig aus. Die Ausbildung einer medizinischen Fachkraft, Landtag eines Arztes ist teuer. Dann spart man lieber im eigenen Haushalt und nimmt es bei anderen Stellen. Drittens. Deutschland ist für viele medizinische Fachkräfte, für viele wirklich kluge Köpfe an den Universitäten schlicht unattraktiv geworden. Statt in die Arbeitsbedingungen zu investieren, statt die Situation vor Ort tatsächlich zu verbessern, statt sich die Situation in den Krankenhäusern einmal anzuschauen, wo es die durchschnittliche Krankenschwester sieben Jahre an ihrem Dienstplatz aushält, bevor sie den schönen Job an den Nagel hängt – obwohl viele wirklich für diesen Beruf brennen, halten sie es schlichtweg in dem System nicht mehr aus –, verlässt man sich eben darauf, dann von anderswo Leute abzuwerben. (Thorsten Klute [SPD]: Mmh!) Damit sind wesentliche Probleme verbunden. „Brot für die Welt“, nicht gerade eine rechte Organisation, warnt nicht zu Unrecht davor, dass dadurch ein extremer Braindrain im globalen Süden ausgelöst wird. Menschen, die dort völlig zu Recht mehr Gehalt anstreben und bessere Lebensbedingungen für ihre Familien suchen, wandern dann eben aus und werden von Deutschland genommen. Sie feiern das hier. Ärzte werden aber überall gebraucht, werden gerade in Krisenregionen gebraucht, werden auch in Syrien, im Irak, in Subsahara-Afrika gebraucht. Dort ist es auch teuer, Mediziner auszubilden. Es ist für jeden nachvollziehbar, dass man dann vielleicht den Weg nach Deutschland anstrebt, weil es hier ein bisschen besser ist als dort. Aber was ist mit den Menschen vor Ort, die genauso behandelt werden müssen? Zweiter Punkt. Auf ausländische Fachkräfte angewiesen zu sein bedeutet im Einzelfall, dass man es bei der Qualität nicht so genau nimmt. Über ein Drittel der Kollegen fallen bei der Sprachprüfung durch, erreichen nicht das nötige Sprachniveau. Das mag Ihnen als nicht so wichtig erscheinen. Aber die Anamnese ist das Herzstück einer jeden Behandlung. Verstehe ich die Sprache nicht nahezu perfekt, kann es sein, dass ich die ältere Dame mit Demenz nicht verstehe. Das wird manchmal schon für Einheimische schwierig sein, wenn man die lokale Mundart nicht spricht. Bei jemandem aus dem Ausland, der die feinen Untertöne nicht ganz mitbekommt, kann das einen fatalen Behandlungsfehler bedeuten. Drittens. Die Ärzteabwanderung wird immer noch viel zu wenig adressiert. Es entsteht eine gefährliche Reise nach Jerusalem: Deutsche Mediziner und medizinische Fachkräfte gehen lieber nach Schweden, in die Schweiz, nach Großbritannien oder in die USA, während wir wiederum auf ausländische Fachkräfte angewiesen sind. Das kann in dieser Art und Weise schlichtweg nicht hingenommen werden. Das kann doch nicht die neue Realität in unserem Gesundheitssystem sein. Wir sind nach wie vor die dritt-15.10.2026 größte Wirtschaftsnation der Welt. Es ist ein absolutes Armutszeugnis, dass wir uns nicht selbst mit eigenen Fachkräften nähren können, sondern sie aus den Regionen der Welt nehmen müssen, die die Mediziner, die Krankenschwestern, die Physiotherapeuten noch viel dringender bräuchten als unsere Nation. Wenn Sie sich also in diesem Antrag wieder nur auf eines fokussieren, auf das Vereinfachen von Fachkräftezuwanderung, dann ist das gut. Wir werden uns deswegen auch enthalten, weil wir nicht im Weg stehen, wenn es tatsächlich darum geht, echte Fachkräfte anzuwerben. Solange Sie aber nicht gleichsam in den Blick nehmen, dass wir zu wenig ausbilden, dass wir in diesem Bereich viel mehr investieren müssen, dass die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssystem dringend verbessert werden müssen, weil ansonsten Einheimische wie gerade zugewanderte Kollegen das Weite suchen und lieber weiterziehen, werden Sie von uns keine Zustimmung bekommen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
