Meral Thoms
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mit einem ganz konkreten Fall beginnen, der mich in einer der vielen Zuschriften erreicht hat: Ein Arzt aus der Ukraine möchte hier in Nordrhein-Westfalen bei uns arbeiten. Seit Anfang 2025 läuft sein Anerkennungsverfahren. In diesem Jahr hat er die Fachsprachprüfung bestanden und eine vorübergehende Berufserlaubnis erhalten. Eine Klinik möchte ihn anstellen. Trotzdem wartet er bis heute auf den Abschluss der Gleichwertigkeitsprüfung und auf seine Approbation. Das klingt kompliziert, und das ist kompliziert. Die Klinik wartet auch auf ihn. Sie wartet auf einen ärztlichen Kollegen. Für unseren Arzt und seine Familie geht es um ihre Zukunft. Es geht um finanzielle Sicherheit, und es geht auch darum, wie willkommen er sich in Nordrhein-Westfalen fühlt. Für uns geht es 15.10.2026 darum, dringend gesuchte medizinische Fachkräfte zu gewinnen und sie auch bei uns zu halten. Dieser Fall dieses ukrainischen Arztes ist kein Einzelfall. Mich – ich denke, Sie alle auch – erreichen regelmäßig ähnliche Anfragen mit sehr komplizierten, sehr langwierigen Fällen. Mittlerweile haben in Deutschland jeder sechste Arzt, jede sechste Ärztin und jede fünfte Pflegekraft eine ausländische Staatsangehörigkeit. Unser Gesundheitswesen ist längst international. Das erleben Sie alle sicherlich auch, wenn Sie einmal eine Klinik besuchen oder in einer Arztpraxis sind. Internationale Fachkräfte sichern den Betrieb in unserer Versorgung. Diese Vielfalt, die wir in der Versorgung haben, ist eine besondere Stärke. Denn internationale Fachkräfte bringen nicht nur ihre wertvolle Qualifikation ein, sondern auch ihre Sprachkenntnisse, die wir in unserer vielfältigen Gesellschaft brauchen, und ihre Erfahrungen. Für uns gehören deshalb Vielfalt, eine Willkommenskultur und eine gute Versorgung zusammen. NRW hat bei der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen bereits wichtige Schritte unternommen; wir haben das eben beim Kollegen Hagemeier schon gehört. Es gibt die Zentrale Anerkennungsstelle für Gesundheitsberufe in Münster. Hier wurden Zuständigkeiten gebündelt. Die Digitalisierung der Verfahren wird kontinuierlich weiterentwickelt. Auch die Ärztekammer unterstützt die Anerkennungsstellen bei der Prüfung ausländischer Qualifikationen. Die vielen Zuschriften von internationalen Ärztinnen und Ärzten und die vielen Gespräche mit ihnen zeigen aber auch: Viele stecken noch in Verfahren fest und sind frustriert. Sie wollen hier unbedingt wieder in der Praxis arbeiten. Wir müssen die Verfahren verbessern. Was wollen wir machen? Wir brauchen digitale Statusübersichten, damit die Bewerberinnen und Bewerber bei der Anerkennung ihrer Verfahren jederzeit transparent digital sehen: Wo stehe ich gerade in dem Verfahren? Es muss mehrsprachiges Informationsmaterial geben. Außerdem bedarf es verlässlicher Ansprechpartner. Schließlich brauchen wir auch einen besseren Übergang in die Berufspraxis, klare Regelungen für ärztliche Berufserlaubnisse, Vorbereitungskurse und für Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit der Hospitation und des Praxiseinstiegs in Kliniken. Unser Ziel ist klar: weniger Schnittstellen, weniger Bürokratie und mehr Verlässlichkeit. Denn wir brauchen mehr Fachkräfte in der Versorgung und nicht in der Warteschleife. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU) Landtag Dabei gilt selbstverständlich: „schneller“ heißt nicht „weniger sorgfältig“. Fachliche Qualifikationen, Sprachkenntnisse und vor allem die Patientensicherheit stehen nicht zur Disposition. Hohe Standards und effiziente Verfahren sind aber kein Widerspruch. „Willkommen im Gesundheitswesen“ heißt für uns: Menschen, die hier arbeiten wollen, bekommen die notwendige Unterstützung, die sie brauchen. Wir brauchen aber beides: mehr Ausbildung bei uns vor Ort und gleichzeitig schnellere Anerkennungsverfahren für Menschen, die ihre Qualifikation schon mitbringen. Denn die Fachkräfte, die wir heute in unseren Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Praxen brauchen, können wir nicht erst langjährig selbst ausbilden. Deswegen bitte ich um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag. – Herzlichen Dank. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
