Dietmar Brockes
Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn in Nordrhein-Westfalen ein Familienbetrieb keinen Nachfolger findet, verschwindet nicht einfach nur der Firmenname. Dann stehen Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, gewachsene Kundenbeziehungen und oft jahrzehntelang aufgebautes Wissen auf dem Spiel. Genau darum geht es heute. Wir müssen Unternehmensnachfolgen sichern, um wirtschaftliche Substanz in unserem Land zu erhalten. Familienunternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Bundesweit zählen 88 % der privaten Unternehmen dazu. Sie beschäftigen 18,3 Millionen Menschen. Doch der Generationswechsel wird zur Herkulesaufgabe. 57 % der Inhaber sind inzwischen mindestens 55 Jahre alt. In Nordrhein-Westfalen stehen bis 2030 über 38.000 Übergaben an. Das Problem ist längst nicht nur demografisch. Bei den Industrie- und Handelskammern stehen 2024 knapp 10.000 nachfolgesuchenden Unternehmen lediglich rund 4.000 Übernahmeinteressierte gegenüber. Also ein Verhältnis von fünf Abzugebenden zu zwei Interessenten. Das ist viel zu wenig. (Beifall von der FDP) Mehr als jedes vierte beratende Unternehmen erwägt bereits die Schließung. Wo die Nachfolge ungeklärt ist, bleiben Investitionen aus. Das kann sich Landtag Nordrhein-Westfalen nicht leisten. Denn jede vermeidbare Schließung trifft nicht nur die Belegschaft, sondern auch Zulieferer, Vereine und Kommunen. Gerade in ländlichen Regionen und im Handwerk sind solche Betriebe oft unverzichtbar. Wer einen Betrieb übernimmt, fängt nicht bei null an. Er übernimmt Verantwortung für Mitarbeiter, für Kunden, für die Region. Trotzdem behandeln wir die Übernahme häufig komplizierter, als sie sein müsste. Bürokratie, schwierige Bewertungen und Finanzierungslücken bremsen. Fast 40 % der Übernahmeinteressierten berichten von Finanzierungsproblemen. Hinzu kommen hohe Energie- und Arbeitskosten sowie ein Dickicht an Vorschriften. Deshalb gehören auch bezahlbare Energie, verlässliche Infrastruktur, weniger Dokumentationspflichten und praxistauglicher Datenschutz zu einer ernsthaften Nachfolgepolitik. Deshalb fordern wir: Unternehmensnachfolgen müssen wirtschaftspolitisch denselben Stellenwert erhalten wie Neugründungen. Gemeinsam mit Kammern und Verbänden brauchen wir eine landesweite Nachfolgeinitiative. Nachfolge-Scouts, Unternehmensbörsen und regionale Wirtschaftsförderungen müssen besser zusammenarbeiten, damit passende Menschen und Betriebe rechtzeitig zueinander finden. (Beifall von der FDP) Zweitens müssen wir Übernahmen einfacher und finanzierbar machen, mit einem digitalen One-Stop-Shop, grundsätzlich fortgeltende Genehmigungen und einem ersten Jahr ohne zusätzliche bürokratische Belastungen. NRW.BANK, Bürgschaftsbank und Beteiligungskapital sollen Übernahmen wirksamer unterstützen. Wir Freien Demokraten stehen für eine Unternehmensbesteuerung, die Investitionen ermöglicht, statt Substanz zu entziehen. Dazu zählen für uns die Abschaffung der Erbschaftsteuer und eine Begrenzung der Steuerbelastung unternehmerischer Einkünfte auf höchstens 20 %. (Beifall von der FDP) Drittens brauchen wir mehr Lust zum Unternehmertum. Wirtschaftswissen gehört in die Schulen, ebenso Schülerfirmen, Gründungswettbewerbe und Begegnungen von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Schülerinnen und Schülern. Frauen müssen als Nachfolgerinnen gezielter angesprochen und sichtbare Vorbilder stärker ausgearbeitet werden. Das zeigt, ein erfolgreicher Generationswechsel beginnt lange vor der Vertragsunterzeichnung. Wer Nachfolge ermöglicht, schützt nicht nur bestehende Betriebe; er schafft Zukunftschancen für Beschäftigte, Auszubildende und ganze Regionen. Lassen Sie uns deshalb die Hürden gemeinsam konkret angehen, statt weiteren Betriebsschließungen einfach nur zuzusehen. Daher freue ich mich auf die weiteren Beratungen im Ausschuss. – Vielen Dank. 15.10.2026 (Beifall von der FDP)
