Eileen Woestmann
Vielen Dank, Herr Präsident. – Vielen Dank, Frau Andrieshen, für die Frage, die sehr berechtigt ist. Ich gehe davon aus, dass das die größte Herausforderung in Bezug auf die Arbeit der Kommission ist. Es ist nicht so, dass die Aufarbeitung in der Familie nicht wichtig ist. Die ist total wichtig. Als ich studiert habe, hat mein Hochschulprofessor Aufarbeitungsarbeit mit Familien geleistet, in denen es Erfahrungen mit sexueller Gewalt in ihrem Umfeld gab. Er hat geschildert, dass es eine sehr große Bereitschaft dafür braucht, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Das ist nichts, was man pauschal mit einem Rechtsanspruch sicherstellen kann, sondern es kommt sehr stark auf die individuelle Beschaffenheit von Familien an. Ich würde sagen, dass es total wichtig ist, dass es die Möglichkeit gibt, dass Familien begleitet werden, um Aufarbeitung leisten zu können, und dann auch professionelle Begleitung haben. Ich finde es aber schwierig, ein Recht darauf zu schaffen, weil das etwas ist, in das wir nicht reinentscheiden können. Die Familie ist ein sehr geschützter Bereich in unserem Land, auch über das Grundgesetz. Das kann man kritisieren oder gut finden. Nichtsdestotrotz ist es schwierig, zu sagen: Dafür schaffen wir eine Pflicht. Jeder, der schon mal versucht hat, mit den Eltern über etwas in der Kindheit zu sprechen, das vielleicht nicht das monströse Ausmaß von sexueller Gewalt hatte, sondern zum Beispiel die Frage betraf, weshalb so viel Druck in Bezug auf die Schule gemacht wurde, kann sich, wenn die Eltern darauf nicht entsprechend reagiert haben, vorstellen, wie schwierig es ist, diese Frage der Aufarbeitung sexueller Gewalt in der Familie rechtlich zu normieren. Ich möchte, dass wir dafür einen guten Weg finden. Es ist mir ein großes Anliegen, dass es diesen Weg gibt und wir Familien Aufarbeitung möglich machen können. Ich sehe aber trotzdem eine Herausforderung dabei gegeben, dies rechtlich umzusetzen. Deswegen möchten wir, dass geschaut wird, wie man damit umgeht und was auch die Verfassung dazu sagt, wie es normiert werden kann. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
