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Berivan Aymaz

GRÜNE 15.10.2026 Sitzungen 18/133

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Generalkonsulin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sie wissen es alle: Internationale Beziehungen sind gerade wirklich nicht sehr kuschelig. Autoritäre Kräfte gewinnen an Einfluss. Internationale Regeln werden immer mehr infrage gestellt. Wenn wir auf die USA unter Donald Trump blicken, dann sehen wir, dass selbst bei langjährigen Partnern das Wertegerüst ins Wanken gerät: zunehmende Abschottung, teilweise Abbau von Rechtsstaatlichkeit und Strafzölle als Druckinstrument in der internationalen Zusammenarbeit. Gerade deshalb ist es wichtiger denn je, die Beziehungen zu denjenigen Partnerinnen und Partnern zu stärken, mit denen wir demokratische Grundwerte teilen. (Beifall von Gönül Eğlence [GRÜNE]) Kanada ist ein solcher verlässlicher Wertepartner. In diesem Sinne noch einmal herzlich willkommen, Frau Generalkonsulin! (Beifall von den GRÜNEN, Dr. Günther Berg- mann [CDU] und Matthias Kerkhoff [CDU]) In diesem Jahr feiern Deutschland und Kanada 75 Jahre diplomatische Beziehungen. Erst im Juli haben beide Staaten die Verhandlungen für ein umfassendes strategisches Partnerschaftsabkommen aufgenommen. Denn in Zeiten geopolitischer Unsicherheit müssen demokratische Staaten enger zusammenrücken, um gemeinsam Freiheit, Wohlstand und Sicherheit zu sichern. Dabei spielt Nordrhein-Westfalen eine ganz besondere Rolle. Unser Land ist innerhalb Deutschlands nämlich der wichtigste Handelspartner Kanadas. Mehr als 250 nordrhein-westfälische Unternehmen sind dort aktiv. Zugleich haben rund 250 kanadische Unternehmen einen Standort bei uns in Nordrhein-Westfalen. Dazu gehören eine der weltweit größten Lebensversicherungsgesellschaften, Canada Life, in meiner Heimatstadt Köln und der kanadische IT- und Beratungskonzern CGI in Bochum, die mehreren Hundert Menschen in NRW Arbeitsplätze sichern. Was einst vor allem eine Partnerschaft über den Atlantik hinweg war, entwickelt sich heute zu einer Landtag gemeinsamen Zukunftserklärung. Während in Kanada grüner Wasserstoff, kritische Rohstoffe und neue KI-Innovationen entstehen, bringt Nordrhein-Westfalen seine industrielle Stärke, seine Forschungslandschaft und seine wirtschaftliche Dynamik ein. Lassen Sie mich aber eines betonen: Längst verbindet uns weit mehr als nur der Handel. Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kommunen, Zivilgesellschaften aus Kunst und Kultur arbeiten eng zusammen. Sei es bei der klimaneutralen Modernisierung der Wirtschaft, bei der Digitalisierung, bei der Fachkräftesicherung oder beim Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten – Nordrhein-Westfalen und Provinzen wie Ontario oder Quebec stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Wir arbeiten gemeinsam daran, aus diesen Herausforderungen Chancen zu machen – Chancen für die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks. (Beifall von den GRÜNEN und Josef Neumann [SPD] – Vereinzelt Beifall von der CDU) Wenn ich mich mit der kanadischen Generalkonsulin Ladan Amirazizi, die übrigens selbst Tochter iranischer Einwanderer ist, über die Gestaltung von Einwanderungsgesellschaften in Kanada wie auch hier in Nordrhein-Westfalen austausche, dann ist das für uns beide nichts Abstraktes, sondern gelebte Realität. Das sind unsere Biografien. Kanada und Nordrhein-Westfalen sind Einwanderungsgesellschaften. Völkische Remigrationsfantasien haben bei uns keine Chance. (Beifall von den GRÜNEN, der SPD und Matthias Kerkhoff [CDU]) Deshalb bietet der Austausch über Integration, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe auch unfassbar große Potenziale. Es kommt dabei auf die Zivilgesellschaft an. Denn sie schafft Vertrauen und baut Brücken über Grenzen hinweg. Mit diesem Antrag wird ein klares Signal gesendet. Nordrhein-Westfalen investiert in Partnerschaften mit Demokratien, die unsere Werte teilen. Wir stärken nicht nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern zugleich auch Frieden und Freiheit. Erfolgreiche Partnerschaften leben aber nicht allein von Handelszahlen und Investitionen. Sie leben von Menschen. Dafür steht auch die Geschichte einer jungen Frau, die in den 1960er-Jahren aus Kanada nach Deutschland kam. Der Liebe wegen blieb sie im Ruhrgebiet. Ihre Tochter kam dort auf die Welt. Heute sitzt diese Tochter als Abgeordnete in unseren Reihen. (Beifall von den GRÜNEN und Matthias Kerk- hoff [CDU]) Ich finde, dass das eine wunderschöne, herzerwärmende deutsch-kanadische Familiengeschichte aus 15.10.2026 NRW ist. In diesem Sinne freue ich mich über Ihre Zustimmung zu unserem Antrag. – Vielen Dank. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU und der SPD)

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