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Sven Werner Tritschler

AfD 14.10.2026 Sitzungen 18/132

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! 79.000 14.10.2026 Stellen für IT-Fachkräfte sind laut Bitkom bundesweit unbesetzt. Das will die FDP mit ihrem Antrag, der darauf abzielt, Quereinsteiger für die Branche zu gewinnen, beheben. Was die FDP aber völlig unterschlägt – das kam in der Debatte auch mehrfach vor –: Die Zahl der unbesetzten Stellen hat sich ebenso laut Bitkom seit 2023 halbiert. Ebenfalls unterschlagen wird die andere Seite der Bilanz. Rund 54.000 IT-Fachkräfte waren im Jahr 2025 arbeitslos gemeldet; übrigens 27 % mehr als noch im Vorjahr und so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Da liegt das Grundproblem Ihrer Herangehensweise, meine Damen und Herren. Eine IT-Fachkraft ist eben nicht eine IT-Fachkraft. Die Branche erlebt gerade einen massiven Strukturwandel durch Künstliche Intelligenz. Typische Einstiegsaufgaben – etwa einfache Programmierung, Dokumentation oder standardisierte Administration – werden zunehmend von KI übernommen. Typische Einstiegsaufgaben sind es wohl auch, die wir von Quereinsteigern zunächst erwarten dürfen. Die FDP setzt also genau am falschen Ende des Arbeitsmarkts an. Wir kennen dieses Phänomen auch aus anderen Bereichen. Stets wird der schlimme Fachkräftemangel beklagt. Dann wird eine vermeintlich einfache Lösung etwa durch Fachkräftezuwanderung angeboten, die in der Realität aber keine Fachkräfte, sondern eher Hilfskräfte oder nun eben Quereinsteiger bringt, die in dieser Form wahrscheinlich gar nicht gebraucht werden und sich am Ende womöglich noch zu den anderen arbeitslosen IT-lern gesellen. Woher kommen aber 79.000 unbesetzte Stellen und gleichzeitig 54.000 unbeschäftigte Menschen in derselben Branche? Offensichtlich liegt es an der Spezialisierung. Gesucht werden hochspezialisierte Fachleute zum Beispiel für KI, für Cloud Security und für Data Science – also nichts, was der angelernte Quereinsteiger mal schnell leisten kann. Gleichwohl gehen tatsächlich bereits heute 27 % der IT-Stellen an Quereinsteiger. Das schreiben Sie, meine Damen und Herren von der FDP, selbst in Ihrem Antrag. Was Sie sich wünschen, funktioniert also offensichtlich da, wo es eben passt, wo die Tätigkeiten passen, bereits ganz gut. Da braucht es kein staatliches Förderprogramm. Mich überrascht es ein bisschen, dass ich das der FDP erklären muss. Die Branche befindet sich aktuell in einem erheblichen Strukturwandel. Kaum jemand traut sich vor diesem Hintergrund an längerfristige Prognosen. Auch eine Förderung ins Blaue hinein, wie Sie das jetzt fordern, erscheint nicht zielführend. Wenn der Staat hier überhaupt tätig werden will, dann müsste man nach unserer Auffassung gerade die 54.000 Arbeitslosen-ITler ertüchtigen, damit sie Landtag in der neuen Arbeitsumgebung wieder einen Job finden können. Außerdem müsste man diejenigen, deren Jobs bereits akut gefährdet sind – das dürften ebenso mehrere Zehntausend sein –, jetzt schon qualifizieren. Natürlich können Quereinsteiger wie in jeder Branche eine wertvolle Rolle einnehmen. In der vorliegenden Form ist das aber zu kleinteilig, und es lässt die aktuellen Marktentwicklungen völlig außer Betracht. Davon abgesehen stellt sich die Frage, warum das Land eine Förderstruktur aufbauen soll, obwohl für solche Aufgaben ganz eindeutig der Bund mit der Bundesagentur für Arbeit zuständig wäre. Man bekommt fast ein wenig den Eindruck, als wäre hier ein Bundestagsantrag ein bisschen auf den Landtag umgeschrieben worden, da man im Bundestag eben nicht mehr sitzt. Zusammenfassend: Quereinstieg ist sinnvoll, wenn Unternehmen und Bewerber zusammenfinden. Daraus folgt aber nicht, dass das Land NRW ein neues Förder- oder Beratungsprogramm aufbauen muss. Bevor wir neue Strukturen finanzieren, müssen wir erklären, warum 10.000 vorhandene IT-Fachkräfte derzeit keine Beschäftigung finden, welche Qualifikationen tatsächlich fehlen, und welche Tätigkeiten durch Künstliche Intelligenz gerade schon verschwinden. Das alles leistet Ihr Antrag nicht. Daher können wir ihm nicht zustimmen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

Protokoll ↗