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Anke Fuchs-Dreisbach

CDU 14.10.2026 Sitzungen 18/132

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Digitalisierung verändert unsere Welt. Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit und digitale Geschäftsmodelle bieten unseren Unternehmen neue Möglichkeiten. Dafür brauchen sie qualifizierte Beschäftigte. Gleichzeitig müssen wir Menschen, die sich beruflich neu orientieren möchten, bessere Chancen für einen Einstieg in IT-Berufe eröffnen. In diesem Ziel sind wir uns mit der FDP einig. Wir unterscheiden uns jedoch bei der Frage, welche Maßnahmen dafür notwendig sind. Ich kann total nachvollziehen, warum die FDP in ihrem Antrag auf bundesweite Zahlen zurückgreift. Denn sie zeigen, dass viele Unternehmen in Deutschland Schwierigkeiten haben, IT-Stellen zu besetzen. Wenn wir uns allerdings die Zahlen in Nordrhein-Westfalen anschauen, dann ergibt sich ein abweichendes Bild. Laut Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit kamen im Jahr 2025 in der Berufsgruppe der Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufe 5.206 Arbeitssuchende auf 409 gemeldete Stellen für Fachkräfte. Die mediane Vakanzzeit dieser Stellen lag bei 77 Tagen. Gleichzeitig wächst das Interesse an Informatik. Im Studienjahr 2024/2025 waren bundesweit rund 266.000 Studierende im Studienbereich „Informatik“ eingeschrieben. Das war ein neuer Höchststand. Diese Zahlen zeigen, dass wir die Lage in Nordrhein-Westfalen differenziert betrachten müssen. Sie bedeuten nicht, dass es bei uns keine Besetzungsprobleme gibt. Sie zeigen aber, dass sich die bundesweite Situation nicht einfach so auf unser Land übertragen lässt. Und wenn wir bereits bestehende Angebote haben, sollten wir zunächst prüfen, wie wir diese besser nutzen können. Denn nicht jedes Problem braucht gleich ein neues Förderprojekt. Die FDP schlägt das Pilotprojekt „Digital Queen Bees NRW“ vor. Erfahrene Unternehmen sollen damit insbesondere kleine und mittlere Betriebe bei der Digitalisierung und Qualifizierung unterstützen. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Unternehmen sich Landtag stärker miteinander vernetzen. In Nordrhein-Westfalen gibt es dafür aber bereits Strukturen. Ein Beispiel sind die vernetzten Bildungsräume im Rahmen der Fachkräfteoffensive NRW. Das Arbeitsministerium und die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit unterstützen damit die regionale Zusammenarbeit. Bestehende Beratungs- und Weiterbildungsangebote sollen so besser zusammenfinden. Wir sollten diese Strukturen weiterentwickeln und dort verbessern, wo Unternehmen noch Schwierigkeiten beim Zugang haben. Ein neues Projekt muss dafür einen klaren Zusatznutzen bringen. Auch bei der Qualifizierung gibt es bereits Ansätze. Nordrhein-Westfalen setzt auf Teilqualifikationen. Sie ermöglichen es, berufliche Kompetenzen schrittweise zu erwerben und auf einen anerkannten Berufsabschluss hinzuarbeiten. Das ist gerade für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger interessant. Entscheidend ist, dass sich Qualifizierung am tatsächlichen Bedarf der Betriebe orientiert. Auch bei der Beratung und Förderung bestehen Möglichkeiten. Die Bundesagentur berät zu Weiterbildung und beruflicher Neuorientierung. Darüber hinaus sollten wir die Gewinnung von Frauen für IT-Berufe in den Blick nehmen. Da lassen wir immer noch zu viele Potenziale ungenutzt. Nach Angaben der Bundesagentur lag der Frauenanteil unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei den IKT-Fachkräften im Jahr 2025 bei 19 %. Das ist zwar eine Verbesserung um 3 Prozentpunkte gegenüber 2015, könnte aber eindeutig besser sein. Die Bundesagentur für Arbeit setzt in Kooperation mit ver.di und der Workshop-Reihe „Künstliche Intelligenz mit Frauenpower“ einen konkreten Impuls. Solche Angebote sind sinnvoll. Zugleich sollten wir Unternehmen ermutigen, bei der Personalauswahl stärker auf tatsächliche Fähigkeiten und praktische Erfahrungen zu achten. Nicht für jede IT-Tätigkeit ist ein klassischer IT-Abschluss zwingend erforderlich. Erfolgreiche Quereinstiege, insbesondere von Frauen, sollten dabei sichtbarer werden. Wir verfügen also bereits über Angebote zu Weiterbildung, Teilqualifizierung und regionaler Vernetzung. Das heißt nicht, dass jetzt alles perfekt ist. Aber es heißt, dass wir auf Bestehendem aufbauen und gezielt dort nachbessern sollten, wo Verbesserungen notwendig sind. Wir wollen keine Parallelstrukturen, sondern Lösungen, die auch in der Praxis funktionieren. Deshalb lehnen wir den vorgelegten Antrag der FDP ab. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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