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Susanne Schneider

FDP 14.10.2026 Sitzungen 18/132

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Früher verliefen Berufsbiografien immer nach demselben Muster: Schule, Ausbildung oder Studium, und danach ging es in eine Firma, und da blieb man meistens bis zur Rente. Zum 40. Firmenjubiläum gab es dann noch eine goldene Uhr. (Thorsten Klute [SPD]: Bei der FDP!) Das hat sich aber inzwischen geändert. Diese Zeiten sind längst vorbei. Heute wechseln Menschen nicht nur den Betrieb, sondern oft auch die Branche, manchmal sogar mehrfach im Berufsleben. Das eröffnet neue Chancen, gerade für Branchen, die dringend Fachkräfte suchen, allen voran die IT. IT-Fachkräfte treiben die Digitalisierung voran, schützen Unternehmen vor Cyberattacken und entwickeln innovative Technologien. Ohne sie geraten Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit ins Stocken. Ohne sie gibt es keine starke Wirtschaft. Schon heute führen viele ungewöhnliche Wege in die IT. Da ist die beamtete Lehrerin, die mit 34 Jahren feststellt, dass der öffentliche Dienst doch nicht ihres ist, oder der Lkw-Fahrer, der einfach wieder mehr Zeit mit seiner Familie und weniger auf Achse verbringen möchte. Landtag Sie alle eint der Mut, noch einmal neu anzufangen. Eine Quereinsteigerin brachte es treffend auf den Punkt: Man muss nicht alles können, man muss nur anfangen. Immer mehr Unternehmen erkennen dieses Potenzial. Für sie zählen praktische Fähigkeiten und Lernbereitschaft mehr als der perfekte Lebenslauf. Laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage beschäftigen bereits sieben von zehn Unternehmen mit IT-Jobs Quereinsteiger als IT-Fachkräfte. Angesichts des Fachkräftemangels wird ihre Bedeutung weiter wachsen. Ein Quereinstieg bedeutet nicht weniger Qualifikation, sondern einen anderen Weg dorthin. Diesen Weg wollen wir erleichtern. (Beifall von der FDP) Mit unserem Antrag setzen wir deshalb an drei entscheidenden Punkten an. Erstens: Wissen teilen statt jeden alleinlassen. Mit dem Pilotprojekt „Digital Queen Bees NRW“ wollen wir ein erfolgreiches Modell aus Singapur aufgreifen. Erfahrene Unternehmen unterstützen dabei kleine Betriebe bei Digitalisierung, Weiterbildung und Personalentwicklung. Denn nicht jeder Mittelständler kann eine eigene IT-Akademie aufbauen, aber jeder sollte vom Wissen anderer profitieren können. Zweitens: ausprobieren statt aussortieren. Unternehmen und Bewerber sollen unkomplizierter herausfinden können, ob sie zusammenpassen. Dafür gibt es bereits betriebliche Erprobungsmöglichkeiten über die Arbeitsagentur. Diese wollen wir bekannter machen und stärker nutzen. Denn manchmal sagt ein Praxistest mehr aus als zehn Seiten Lebenslauf. Drittens: Weiterbildung nach Maß statt von der Stange. Wer bereits berufliche Erfahrungen und Kompetenzen mitbringt, sollte nicht wieder bei null anfangen müssen. Modulare Qualifizierungen ermöglichen es, gezielt fehlendes Wissen zu erwerben und erworbene Fähigkeiten anerkennen zu lassen. Dafür brauchen wir auch eine flexible Weiterbildungsförderung. Starre Vorgaben und unnötige Wartezeiten dürfen einem beruflichen Neuanfang nicht im Wege stehen. Fördermöglichkeiten gibt es bereits. Mit dem Qualifizierungschancengesetz hat der Bund neue Möglichkeiten zur Weiterbildung von Beschäftigten eröffnet. Doch gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen einen besseren Überblick und unkomplizierte Beratung, um diese auch nutzen zu können. Außerdem müssen wir erfolgreiche Quereinsteiger sichtbarer machen. Gerade für Frauen liegt hier eine große Chance. Denn noch immer sind sie in der IT deutlich unterrepräsentiert. Dabei entscheidet sich technisches Talent nicht zwangsläufig mit 16 Jahren bei der ersten Berufswahl. 14.10.2026 Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht alle Wege führen in die IT, aber viele. Sorgen wir dafür, dass diese Wege offenstehen – für Menschen, die sich neu orientieren wollen, und für Unternehmen, die dringend Fachkräfte brauchen. Weniger Schubladendenken, mehr Chancen für Quereinsteiger! Stimmen Sie unserem Antrag zu. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP)

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