Eileen Woestmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! (Unruhe – Glocke) Die Betreuung von Kindern ist die Aufgabe der Mutter. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Was?) 14.10.2026 Es gibt wenige Sätze, bei denen ich aus dem Stand so wütend werden kann wie bei diesem. Es ärgert mich, dass wir dieses Bild immer weiter und weiter verbreiten, am besten noch damit verbunden, dass es sich für die Frau ja gar nicht lohne, arbeiten zu gehen, weil der Kita-Platz Geld koste. Ich würde gerne eine provokante Frage dazu stellen: Warum rechnen wir die Kita-Kosten eigentlich nicht auf das Gehalt des Vaters an? Richtig ist doch vielmehr: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht nicht nur Frauen etwas an. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Warum schaffen wir die Kita-Kosten nicht ab? Das wäre die richtige Frage! – Beifall von Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]) Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist übrigens nicht nur die Frage nach Sorgeverantwortung für Kinder, sondern auch die Frage nach Pflege von Angehörigen. Und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist keine private Angelegenheit. (Beifall von den GRÜNEN und Charlotte Quik [CDU]) Das ist so, auch wenn uns Frauen immer wieder suggeriert wird, dass wir einfach nur noch besser werden müssten – noch besser im Organisieren, Planen und Erledigen. Ganz ehrlich: Das ist ausgemachter Blödsinn. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Ach?) Die Frage von Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft auch die Frage, wie unsere Gesellschaft eigentlich funktioniert. Dennoch ist es immer noch so, dass Paare mit einem modernen Familienbild in den Kreißsaal gehen, sagen, sie wollten Elternschaft paritätisch leben, und den Kreißsaal mit einem Familienbild aus den 70er-Jahren wieder verlassen: Die Mutter bleibt zu Hause, kümmert sich um die Kinder, und der Vater geht arbeiten. Es ist nicht nur ungerecht, sondern es ist vor allem für Frauen ein Problem, denn sie haben dadurch schlechtere Karrierechancen, weniger Rente usw. Dieses Problem müssen wir lösen. (Beifall von den GRÜNEN) Wir als grüne Fraktion haben in den letzten drei Jahren diverse Veranstaltungen dazu durchgeführt, dass Vereinbarkeit eine Chance darstellt. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Aha!) Wir haben mit Unternehmen und Familienverbänden gesprochen, um voneinander zu lernen. Wir haben gute Beispiele kennengelernt, wie Vereinbarkeit in den Unternehmen gelebt und umgesetzt wird. Eine Botschaft war dabei immer wieder: Ohne ein gutes Konzept, wie Familie und Beruf vereinbar werden, sei es nicht mehr möglich, gute Bewerberinnen und Bewerber zu bekommen. Landtag Das zeigt mir: Wir starten in keiner Weise bei null, sondern es gibt schon richtig viel, worauf wir aufbauen können. Mit unserem Antrag stärken wir genau das. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Jo!) Mit einem Preis für Vereinbarkeit sorgen wir dafür, dass Unternehmen ausgezeichnet werden können, die als Vorbild vorangehen. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Ich dachte, das muss erst mal geprüft werden!) Denn gerade die Frage nach Vorbildern ist bei der Frage von Vereinbarkeit zentral: Habe ich eine Führungskraft mit Kind, die ihre Karriere gestaltet? Gibt es andere Väter im Unternehmen, die nicht nur drei Monate Elternzeit genommen haben? Kann ich mich an jemanden wenden, wenn ich kurzfristig meine Mutter pflegen muss? Vorbilder zeigen dabei eine Richtung auf, in die man gehen kann. In NRW gehen ganz viele Unternehmen und ganz viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber voran und probieren neue Ideen aus, ermöglichen etwa Führung im Tandem und etablieren Pflegelotsen im Team. Einige Unternehmen haben gute Erfahrungen mit einem separaten Eltern-Kind-Büro gemacht. Andere Unternehmen ermutigen Männer explizit dazu, ihre Stelle in Teilzeit auszuüben, um Sorgeverantwortung in der Familie übernehmen zu können. All diesen Unternehmen wollen wir mehr Sichtbarkeit geben. Wir wollen mit Informationskampagnen dafür sorgen, dass Eltern sich gut informieren und gemeinsam Elternschaft wahrnehmen können. Eltern sind vielfältig, und sie stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen, aber sie alle eint der Wunsch, dass sie ihren Kindern ein gutes Aufwachsen ermöglichen wollen. Dafür müssen wir Paare frühzeitig erreichen, denn wenn es um die Frage des Elternwerdens geht, ist genau das zentral. Wir in Nordrhein-Westfalen haben schon ein Landesprogramm „Vereinbarkeit Beruf & Pflege“. Daran wollen wir anknüpfen und dafür sorgen, dass es ein solches Landesprogramm auch für die Frage von Vereinbarkeit und Sorgeverantwortung gibt. Wir als Land können im Dialog dazu beitragen, dass Vereinbarkeit weiter besprochen wird und vor allem gute Lösungen gefunden werden. Ich freue mich über Unterstützung für unseren Antrag. – Vielen Dank. (Beifall von den GRÜNEN, Thorsten Schick [CDU] und Britta Oellers [CDU])
