landtag.nrw.de ↗

Franziska Müller-Rech

FDP 14.10.2026 Sitzungen 18/132

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich eine Schülerin in der 9. Klasse vor. In zwei Jahren möchte sie eine Ausbildung machen. Sie freut sich darauf, auf eigenen Beinen zu stehen, ihr Ding machen zu können, eigenes Geld zu verdienen. Das Problem ist: Sie versteht viele Texte nicht sicher. Mathe: leider große Lücken. Müsste sie sich heute schon für einen Ausbildungsplatz bewerben, dann wäre da vor allem ganz große Unsicherheit. Und was sagt die Landesregierung diesen Schülern, dieser Schülerin? Kurs halten. Wir haben ein Konzept, das wirkt – also in zehn Jahren, nicht für dich. Du hast leider Pech gehabt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Jugendlichen haben keine zehn Jahre. Sie schreiben jetzt ihre Bewerbungen. Sie machen jetzt ihren Schulabschluss. Sie müssen jetzt den Absprung schaffen in Ausbildung und Beruf. Sie müssen jetzt ihre ordentlichen Chancen bekommen. Und da macht die Landesregierung nichts. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD) Hinter jedem dieser Jugendlichen steckt ein eigenes Leben, Hoffnungen, Berufswünsche, eine Familie, vielleicht auch die Angst, nicht gut genug zu sein. Und diesen jungen Leuten sagt die Landesregierung: Kurs halten. Für euch kommen die Reformen leider zu spät. Pech gehabt. – Das ist nicht fair. Die Landesregierung ist jetzt in der Verantwortung, diesen jungen Menschen zu helfen. (Beifall von der FDP) Die PISA-Ergebnisse sind dramatisch. Wir haben die niedrigsten deutschen Werte seit Beginn der Erhebungen und weitere Verschlechterungen in Mathematik und Lesen. Rund ein Drittel der 15-Jährigen erreicht in allen drei Bereichen nicht das grundlegende Kompetenzniveau. Das ist dramatisch. Und das ist keine abstrakte Statistik. Wir reden über Menschen. Und irgendwann müssen wir auch mal aufhören, jeden neuen Bildungsbericht mit dem Satz zu begrüßen: Das ist jetzt aber mal wirklich ein Weckruf. – Der Wecker klingelt lange. Der Wecker klingelt laut. Aber Schwarz-Grün bleibt einfach liegen. Sie drücken die Schlummertaste und drehen sich einfach noch mal um. (Beifall von der FDP) Schauen wir uns doch mal an, womit die Landesregierung hier so Kurs hält: mehr Vergleichsarbeiten zum Beispiel. Wenn ich in den Schulen unterwegs bin, dann kommen viele Dinge, viele Vorschläge, was man mal besser machen könnte. Keine einzige 14.10.2026 Schule hat mir je gesagt: „Wir brauchten mehr Vergleichsarbeiten“, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der FDP und der SPD) Ein weiterer Test schließt doch keine Lernlücke. Es kommt doch darauf an, was zwischen den Tests passiert. Was ist denn eigentlich mit der individuellen Förderung? Wir müssen nicht häufiger messen, wie groß das Problem ist. Wir müssen es jetzt kleiner machen. Darauf kommt es an. Deshalb fordern wir ein Chancen-Sofortprogramm für diese PISA-Generation, für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10, für diejenigen, die heute dastehen und bei denen wir sehen, da sind eben Lücken. Und die müssen wir schließen, bevor sie die Schule verlassen. Konkret wollen wir zusätzliche Förderstunden in kleinen Gruppen. Wir wollen einen Schwerpunkt auf Deutsch und Mathematik, zusätzliche Angebote in den Ferien und mehr Menschen, die diese Förderung möglich machen. Wir haben ein funktionierendes Beispiel, was wir jetzt einfach noch mal verwenden können. Das ist nämlich „Ankommen und Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“. Das Programm funktioniert schlank, schnell und einfach. Wir kennen es schon. Und es gibt vor allem den Schulen viel Entscheidungsfreiheit. (Beifall von der FDP) Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade bei der deutschen Sprache müssen wir jetzt handeln. Sprache entscheidet massiv über die Bildungschancen in diesem Land. Damit entscheiden Sie auch darüber, ob aus Talent ein richtiger Erfolg wird. Daher wollen wir eine Sommerschule Deutsch für ganz Nordrhein-Westfalen: kleine Gruppen, intensive Förderung und eine gezielte Ansprache der Jugendlichen, die diese Unterstützung brauchen. Für mich steht fest: Kluge Kinder gibt es überall. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass ihre Chancen nicht an fehlenden Sprachkenntnissen scheitern. (Beifall von der FDP) Politik trägt die Verantwortung auch für diejenigen, die heute 15 sind. Kein Jugendlicher darf am Ende seiner Schulzeit hören: Für euch, für dich kommen unsere Reformen leider zu spät, Pech gehabt. – Hinter all diesen Jugendlichen steckt ein ganz individuelles, persönliches Schicksal, das wir hier konkret beeinflussen können. Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und Grünen, vergessen Sie diese Jugendlichen nicht. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP und Dilek Engin [SPD]) Landtag

Alle Reden von Franziska Müller-Rech Protokoll ↗