Michael Röls
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Die AfD setzt ihren Feldzug gegen die Energiewende fort. Es gibt einige Kritikpunkte, die die AfD immer wieder mit Blick auf die Energiewende vorbringt, unter anderem die Wetterabhängigkeit von Solaranlagen und Windenergieanlagen. Anfang August dieses Jahres meldete Reuters eine hitzebedingte Drosselung im Umfang von 9,4 GW an neun französischen Reaktoren. Sechs davon sind komplett vom Netz gegangen. Das sind rund 15 % der installierten Kernkraftleistung in Frankreich. Der Grund ist herrlich unheroisch: Es lag an der Gewässertemperatur. Das Wasser war zu heiß, als dass damit noch hätte gekühlt werden können. (Christian Loose [AfD]: Oh Mann! Glauben Sie das wirklich? Es ging um den Gewässer- schutz! Das Wasser war nicht zu warm für die Kraftwerke!) Frankreich ist kein Einzelfall. In Rumänien ging Anfang August auch der zweite und letzte Block des Kernkraftwerks Cernavodă vom Netz – zu warmes Donauwasser. Beide Blöcke zusammen liefern normalerweise ein Fünftel des Stroms für Rumänien. Die Folge: Energienotstand; es gab einen Produktionsstopp bei Dacia und auch bei Ford. Autobauer, die keine Autos mehr bauen können – ich will nicht wissen, was los gewesen wäre, wenn so etwas in Deutschland passiert wäre, wie sich die AfD dann geäußert hätte. Hier sagt sie, dass wir in die Technologie, die dafür verantwortlich ist, wieder einsteigen sollen. (Zuruf von Ralf Witzel [FDP]) Der Irrweg, den Sie beschreiben, eine Geisterfahrt, ist nicht ersichtlich. Die gesamte Welt macht bei der Energiewende mit. Erneuerbare übernehmen bei der globalen Stromproduktion. Die global installierte Kernkraftleistung stagniert seit Jahrzehnten, und die Erneuerbaren boomen. Ich sage Ihnen eins: Die gesamte Welt ist kein Geisterfahrer. In vielen Ländern sind viele kluge Köpfe unterwegs und tun das, was richtig ist und was sich lohnt. Das möchte ich auch noch sagen: Wer soll eigentlich von dem Strom, den wir produzieren, profitieren? Man kann natürlich voll auf die Kernkraft setzen – Landtag dann sind es ein paar große Konzerne –, oder man macht eine Energiewende und das Geld landet in den Taschen von Hunderttausenden, von Millionen Bürgerinnen und Bürgern und bei vielen kleinen Gemeinden, die vom Windenergieausbau, vom Solarenergieausbau profitieren. So macht man eine Energiewende in Bürgerhand, und so profitiert die Breite der Gesellschaft davon, statt dass es Profite nur für wenige gibt. (Beifall von den GRÜNEN) Ein letzter Satz – dazu ist viel gesagt worden – zu den absurden Milliardenbeträgen, die Laufzeitverlängerung und neue Kernkraftwerke verschlingen. Dafür haben wir einfach nicht das Geld. (Zuruf von Ralf Witzel [FDP]) Wir wollen günstigen Strom. Die Energiewende ist der richtige Weg. Ab einem Anteil der erneuerbaren Energien in Höhe von 80 % können wir richtig krasse Kostenvorteile schöpfen. Das sehen wir gerade in Spanien. Wir sind auf dem richtigen Kurs. Den sollten wir aber auch fortsetzen. Die Atomenergie würde uns nur aufhalten und niemandem bei uns etwas nützen, außer vielleicht ein paar Atomis und Konzerninteressen. Wir glauben, die Energiewende ist in Bürger*innenhand gut aufgehoben. Wir nutzen die gesamte Kraft unserer Gesellschaft für unsere Stromversorgung und werden klimaneutral. Das ist der Weg, den wir fortsetzen werden. – Herzlichen Dank. (Beifall von den GRÜNEN)
