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Sven Werner Tritschler

AfD 17.09.2026 Sitzungen 18/130

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Für uns Kölner mag sie gefühlt schon in den Kalender gehören wie Karneval oder die Kölner Lichter. Tatsächlich ist die gamescom noch gar nicht so lange bei uns zu Hause. Erst 2009 zog sie aus Leipzig nach Köln um und war seither eine regelrechte Erfolgsgeschichte. Spätestens seit der Einstellung der amerikanischen E3, der früheren Leitmesse der Branche, ist die gamescom einmal jährlich das Mekka der Branche – immerhin ein Leuchtturm in diesem Land, das zwar ein riesiger Markt für Games ist, deren Entwicklung einschließlich der damit verbundenen Wertschöpfung aber leider überwiegend woanders stattfindet. Die zuletzt 370.000 jungen und zahlungskräftigen Besucher plus die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit machen die Messe schon seit Jahren zu einer attraktiven Werbefläche weit über die Branche hinaus – nicht zuletzt auch für die Politik. Natürlich durfte auch in diesem Jahr Hendrik Wüst nicht fehlen, um ein paar Selfies aufzunehmen, und sogar der Herr Bundespräsident durfte eine Sonntagsrede halten. Zum Dank gab es dann auch vom obersten Branchenfunktionär ein bisschen AfD-Kritik. Ich nehme Ihnen das vorab schon mal ab, weil ich weiß, dass das sonst viermal kommt und Sie uns das eh noch mal erzählt hätten. Aber ich kann Sie beruhigen: Ich war vor ein paar Jahren mit Alice Weidel auf der gamescom und konnte ganz gut beobachten, wie herzlich sie empfangen wurde – von den Besuchern und nicht von den Subventionsempfängern. Sagen wir also mal so: Ich sehe keine große Gefahr, dass die Gamer dem Charme von Herrn Steinmeier erliegen. Der Erfolg der Messe zieht überhaupt viele an – auch viele, die man dort nicht unbedingt erwarten würde, etwa die Bayerische Landespolizei, EDEKA, die Verkehrswacht Düren und natürlich den sogenannten Verfassungsschutz. Branchengrößen wie Sony hingegen bleiben der Messe inzwischen fern. Andere wiederum wie Microsoft begrenzen das Angebot. Kleine Anbieter können sich die immer höheren Standgebühren, astronomischen Hotelkosten in Köln usw. kaum leisten. Gleichzeitig werden die Messehallen aber auch noch bis zum Rand mit Besuchern vollgestopft, die kaum noch etwas erleben und sich nur noch durch die Hallen drücken lassen. Es droht – das sagt auch die Fachpresse – ein gewisser Kipppunkt. Die eigentliche Gamesbranche bleibt zunehmend fern. Die Messe wird zu einer Art Gemischtwarenladen, irgendetwas zwischen Jobbörse 17.09.2026 und Haushaltswarenmesse. Vielleicht behält sie noch ihren Charakter als Jugend-Event für eine Weile. Aber eine gamescom ohne Games ist auf Dauer schwer vorstellbar. Jetzt könnte man natürlich sagen: Schade, aber nicht unser Problem, weil Marktwirtschaft und so. – Aber das ist an der Stelle ein bisschen zu einfach. Erstens ist das Land NRW Miteigentümer der Koelnmesse, und die hat nun mal erheblichen Einfluss auf die Gestaltung der gamescom. Zweitens ist die Messe ein bedeutender Wirtschaftsfaktor weit über die Branchen- und die Kölner Stadtgrenzen hinaus. Um das zu eruieren, braucht man sich nur einmal die Hotelpreise während der gamescom anzugucken. Drittens dürfen Sie Ihren Lippenbekenntnissen, meine Damen und Herren, auch mal Taten folgen lassen. Im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU und Grünen heißt es zum Beispiel – Zitat –: „Wir werden Nordrhein-Westfalen als führenden Games-Standort weiter etablieren.“ Die Vorgängerregierung aus CDU und FDP war auch nicht so bescheiden. Sie wollte die Branche in NRW entwickeln und ausbauen und erwähnte sogar ausdrücklich die gamescom als wichtigen Standortfaktor. So richtig viel entwickelt hat sich in den zusammengerechnet neun Jahren aber nicht. Sie fördern in der Branche ein bisschen rum, aber die Erfolge sind eher überschaubar. Was bleibt, ist die gamescom als Leuchtturm in der Region; denn ansonsten wäre der Zug für den Standort wahrscheinlich komplett abgefahren. Aktuell ist das noch eine starke Marke, verbunden mit attraktiver Lage in Köln ein echtes Zugpferd. Sorgen wir dafür, dass es so bleibt, nicht nur der Wirtschaft wegen, sondern auch, weil Games inzwischen ein wesentlicher Bestandteil unserer Alltagskultur geworden sind! Es ist gut, dass sie hier am Rhein in NRW zu Hause sind. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

Protokoll ↗