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Gönül Eglence

GRÜNE 16.09.2026 Sitzungen 18/129

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg*innen der demokratischen Fraktionen! Tatsächlich wusste ich bis zu diesem Antrag nichts von diesem Buch. Ich kann sagen: Ich habe das Buch nicht gelesen. (Enxhi Seli-Zacharias [AfD]: Kaufen!) Ich werde es voraussichtlich auch nicht lesen. (Volkan Baran [SPD]: Ich auch nicht!) Den Titel „Goodbye Deutschland“ finde ich aber erst einmal gelungen. Unabhängig davon einmal zum Antrag. Ja, richtig; die Wanderungsstatistik gibt einen Negativsaldo her. Sie erfasst aber – Herr Baran hat es vorhin schon einmal gesagt – weder Qualifikation noch Motiv oder geplante Aufenthaltsdauer. Außerdem wird – weil Sie immer so sehr betonen: deutsche Staatsbürger*innen – in dieser Wanderungsstatistik nicht erfasst, ob dazu auch eingebürgerte Menschen zählen. Deshalb schwingt dann immer so ein bisschen die Frage mit: Wer sind denn eigentlich diese deutschen Auswanderer? Was ich auch noch spannend finde, ist, dass Sie das Ergebnis Ihren Forderungen voranstellen. Sie fordern nämlich eine Untersuchung, stellen aber das Ergebnis bereits fest. Ich frage mich: Wenn Sie die Antwort doch schon kennen, warum fordern Sie dann noch eine Untersuchung? Außerdem habe ich mich auch gefragt: Ist Ihnen klar, dass wir in einer globalisierten Welt leben, in der internationale Migration und Mobilität selbstverständlich zu modernen Lebensläufen dazugehören? – Diese Frage muss man sich einmal stellen. Das führt dazu, dass nicht jeder Wegzug ins Ausland auch zwingend einer für immer sein muss. Wir haben es heute schon mal gehört: Deutschland braucht Fach- und Arbeitskräfte. Den Luxus, nach Herkunft zu sortieren, können wir uns nicht leisten. Ich persönlich finde das übrigens auch total irrelevant, aber das ist dann Ihre Geschmackssache. 16.09.2026 (Beifall von den GRÜNEN und der SPD) Was ich aber alarmierend finde, ist, dass – Herr Baran hat aus der Studie des IAB zitiert; ich möchte andere Zahlen hervorholen – rund 26 % aller eingewanderten Fachkräfte aktiv darüber nachdenken, Deutschland wieder zu verlassen. Und Deutschland landet unter den Expats ohnehin regelmäßig ganz am unteren Ende der Liste. Laut der Studie „Expat Insider 2025“ von InterNations – die habe ich hier schon mehrfach zitiert – landet Deutschland auf Platz 42 von 46. Das bedeutet also, dass wir als Land für die besonders mobilen, besonders gebildeten Fachkräfte für eine Auswanderung nicht erste Wahl, nicht einmal zweite Wahl, sondern die 42. Wahl sind. In dieser Studie gaben 55 % der befragten Expats an, dass es ihnen extrem schwerfällt, Anschluss an Einheimische zu finden bzw. Freundschaft mit Einheimischen in Deutschland zu knüpfen. Jetzt kann man sich natürlich sagen, da seien sie alle selbst schuld, oder man kann sich fragen, ob und wie viel das mit unserer Offenheit im Alltag zu tun hat. Im internationalen Vergleich – auch das ist ein Ergebnis dieser Studie – wird der Alltag als überdurchschnittlich kompliziert bezeichnet, zum Beispiel aufgrund mangelnder digitaler Verwaltungsangebote, bei denen sogar fließend Deutsch sprechende Menschen die eine oder andere Schwierigkeit haben. Deshalb gilt: Wer Fach- und Arbeitskräfte braucht und sie nach Deutschland holen will, muss ein bisschen mehr bieten als ein Buch. Da der Antrag an den Integrationsausschuss überwiesen wird, müssen wir uns auch darüber unterhalten, wie wir Deutschland für Fachkräfte attraktiver machen können, wie wir von Bürokratie, Papierbergen usw. wegkommen. Das kommt schließlich allen zugute, völlig unabhängig vom Pass. Fachkräftesicherung richtet sich schließlich nach Kompetenzen und auch nach Pässen. Menschen sollen gerne nach NRW kommen, hierbleiben und auch zurückkehren können, wenn sie das möchten. Eine Bemerkung am Schluss: Ich will Ihnen wohlwollend unterstellen, dass Sie nicht wissen, dass die sogenannte Rückholstrategie ein Bestandteil der Remigrationsoffensive im sachsen-anhaltinischen Wahlkampf gewesen ist. Der Überweisung stimmen wir zu. Den Antrag lehnen wir in der Sache ab. – Vielen Dank. (Beifall von den GRÜNEN)

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