Hedwig Tarner
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Als wir vor gut zwei Jahren die Einsetzung der Enquetekommission „Wasser in Zeiten der Klimakrise“ beschlossen haben, lag der Sommer 2026 noch vor uns. Wir hatten nicht befürchtet, dass die 41-Grad-Marke in Deutschland so bald überschritten werden würde. Unsere Aufgabe in der Enquetekommission war es, vorauszudenken: Kann Wasser bei uns knapp werden? Wann kommt es zum nächsten Starkregen? Läuft eine Stadt oder Gemeinde Gefahr, überflutet zu werden? Wie wird sich die Qualität des Wassers verändern? Was bedeutet dies für die Gesellschaft, für die Umwelt, für Wirtschaft und Landwirtschaft? Welche Klimaanpassungsstrategien können uns weiterhelfen? Wie können wir uns bei zu viel oder zu wenig Wasser in den verschiedenen Landesteilen in NRW besser aufstellen? Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie aktuell diese Fragen sind. Anfang August wurden beim Niedrigwasser des Rheins neue Tiefststände gemessen. Der Sommer 2026 war von außergewöhnlicher Hitze und Trockenheit geprägt. Flüsse führten ungewöhnlich wenig Wasser, Böden trockneten aus, Wälder und Landwirtschaft litten unter der Dürre. Eine zentrale Erkenntnis unserer Arbeit lautet: Die Klimakrise stellt uns nicht einfach vor die Frage, ob wir künftig mehr oder weniger Wasser haben, sondern sie verändert, wann und wo Wasser in welcher Qualität zur Verfügung steht. Damit wachsen die Anforderungen an unsere Ökosysteme, an unsere Städte, an die Landwirtschaft, an die Industrie und ebenso an unsere Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur. Deshalb müssen wir stärker vorsorgen. Wir müssen Wasser länger in der Landschaft halten, unseren Flüssen mehr Raum geben und natürliche Wasserspeicher stärken. Unsere Städte und Gemeinden müssen wir nach dem Prinzip der Schwammstädte weiterentwickeln, also Wasser speichern, versickern und verdunsten lassen, statt es möglichst schnell abzuleiten. Außerdem müssen wir unsere Wasserinfrastruktur an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen. Dabei dürfen wir den natürlichen Wasserhaushalt und die technische Infrastruktur nicht gegeneinander denken. Intakte Auen, lebendige Gewässer, aufnahmefähige Böden und mehr Grün in unseren Städten sind genauso Teil der Lösung wie Talsperren, Leitungen, Kanäle und Kläranlagen. Auch bei Nutzungskonkurrenzen müssen wir vorsorgen. Gerade in Trockenperioden müssen wir wissen, wie viel Wasser zur Verfügung steht, wo ökologische Belastungsgrenzen liegen und wie unterschiedliche Nutzungsansprüche miteinander in Einklang gebracht werden können. Dafür brauchen wir bessere Landtag Daten, vorausschauende Planung und leistungsstarke Verwaltungen. In der Landes-, Regional- und Bauleitplanung müssen extreme Wettersituationen stärker berücksichtigt werden. In Bestandsgebieten ist Klimaanpassung komplexer und muss im Zuge baulicher Maßnahmen zusätzlich wassersensibel erfolgen. Wir dürfen Klimaanpassung und Klimaschutz nicht gegeneinander ausspielen. Wir müssen uns auf die Folgen vorbereiten, die bereits unvermeidbar sind. Zugleich bleibt konsequenter Klimaschutz unverzichtbar, damit die Belastungen nicht immer weiter anwachsen. (Beifall von den GRÜNEN, Peter Blumenrath [CDU] und Olaf Lehne [CDU]) Wir, die Vertreterinnen und Vertreter der demokratischen Fraktionen, haben in diesem Bericht Wissen gebündelt, Defizite benannt und konkrete Handlungsmöglichkeiten entwickelt. Die Einschätzungen und Lösungswege waren zu Beginn unserer Diskussionen durchaus unterschiedlich. Trotzdem konnten wir uns in vielen Fragen auf gemeinsame Handlungsempfehlungen verständigen. Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erfahrungen aus dieser Kommission: Über politische Unterschiede hinweg besteht ein breiter Konsens, dass Nordrhein-Westfalen seine Wasserpolitik stärker auf Vorsorge und Klimaresilienz ausrichten muss. (Beifall von den GRÜNEN und Peter Blumen- rath [CDU]) Ich persönlich nehme aus dieser Arbeit viel Fachwissen und die Erfahrung mit – das ist mir besonders wichtig –, dass wir uns auch nach kontroversen Diskussionen immer wieder auf gemeinsame Aussagen verständigen konnten. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich bei allen Beteiligten bedanken: bei unseren Mitarbeitern Henry Tünte und Sabine Krauss, bei der Landtagsverwaltung, bei unseren Sachverständigen, bei den externen Sachverständigen und natürlich auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen. Ganz besonders bedanke ich mich bei unserer Vorsitzenden, ohne deren Initiative es diese Kommission nicht gegeben hätte. Ihr Fachwissen gepaart mit ihrer Hartnäckigkeit und ihrem Geschick, auch aus festgefahrenen Diskussionen einen Ausweg zu finden, hat wesentlich zu diesem konsensualen Bericht beigetragen. Danke für zwei Jahre manchmal unkonventioneller, manchmal kontroverser, aber immer konstruktiver Zusammenarbeit! Mit der Vorlage dieses Berichts ist unsere Arbeit als Enquetekommission abgeschlossen. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. 16.09.2026
