Dorothee Feller
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Jedes dritte Kind in Nordrhein-Westfalen besitzt nicht die Vorläuferkompetenzen, die es braucht, um gut in die Schule zu starten. Viele können dem Unterricht nicht folgen, weil ihnen ausreichende Sprachkenntnisse fehlen. Manche Kinder können die Schere oder den Stift nicht halten. Andere nehmen den Klebstift in den Mund, weil sie meinen, er sei zum Essen da. Zum Teil braucht es Unterstützung bei den Toilettengängen. Viele können keine zehn Minuten ruhig sitzen. Das ist der Alltag in vielen unserer Grundschulen. Tagtäglich fördern unsere Grundschullehrkräfte diese Kinder, und dies nicht erst seit gestern, sondern schon seit vielen Jahren. Die Beispiele zeigen auch, dass bei Weitem nicht nur die Sprachkompetenzen betroffen sind, sondern dass den Kindern eine Vielzahl von Vorläuferkompetenzen beim Start in die Grundschule fehlen. Das können wir nicht länger hinnehmen. (Beifall von der CDU und Lena Zingsheim-Zo- bel [GRÜNE]) Wir können unsere Grundschulen damit nicht länger alleinlassen. Es braucht jetzt den Mut für neue Schritte. Das bestätigen mir auch die rund 500 Grundschulleitungen, mit denen ich im Rahmen von Stakeholder-Veranstaltungen in den letzten Wochen über die ABC-Klassen gesprochen habe. Fragen Sie die mal, wie bei ihnen die Äußerungen ankommen, sie könnten nicht mit kleinen Kindern umgehen. 16.07.2026 (Beifall von der CDU – Zuruf von Frank Müller [SPD]) Die Grundschulleitungen, die aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung wichtige Expertinnen und Experten sind, sind unglaublich froh über die Einführung der ABC-Klassen. (Andrea Reh [SPD]: Nein!) Oft fiel in diesen Runden die Aussage: Endlich schaut die Politik auf diese Situation und kümmert sich. (Beifall von der CDU) Daran sehen Sie, dass ich nicht beratungsresistent bin, im Gegenteil: Ich höre zu und handle dann. (Beifall von der CDU – Dilek Engin [SPD]: Aber nicht im Sinne der Kinder! – Zuruf von Frank Müller [SPD]) Viele Grundschulleitungen haben mir von Konzepten ähnlich dem der ABC-Klassen berichtet, die sie in den vergangenen Jahren bereits freiwillig mit ihren umliegenden Kitas umgesetzt haben. Sie nutzen zugleich die Chance, um auch die Eltern niederschwellig zu erreichen, indem sie beispielsweise begleitende Elterncafés anbieten, um ihnen die Bedeutung von Bildung für ihre Kinder nahezubringen. Diese erfahrenen Leitungskräfte freuen sich, dass wir mit den ABC-Klassen nun ein landesweites und vor allem für die Kinder verbindliches Konzept im Übergang von Kita und Schule einführen. (Andrea Reh [SPD]: Nein!) In keinem der genannten Beispiele – in keinem! – war von stigmatisierten oder gar traumatisierten Kindern die Rede, weil sie vermeintlich aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Denn die Schulen und die Kitas haben in der Umsetzung genau den Pragmatismus an den Tag gelegt, den wir uns bei den ABC-Klassen wünschen. Wo es sinnvoll ist, kommt die Lehrkraft in die Kita. Andernorts kommen die Kinder in die Schule. Vor Ort werden schon gute Lösungen gefunden, wie der Weg zu meistern ist – ganz pragmatisch, ohne Diskussion, ohne Kosten. (Beifall von der CDU – Dietmar Brockes [FDP]: Ohne Kosten?) Hier dürfen und müssen wir sowohl unseren Kindern als auch unseren Fachkräften deutlich mehr zutrauen. Es geht nicht nur um die Kinder, die vor Schulbeginn gar keine Kita besuchen. Seit Jahrzehnten wird auch der Übergang von der Kita in die Grundschule als Bruchstelle kritisiert. Das betrifft gerade die Kinder, die mehr Unterstützung benötigen. Immer wieder wurde eine Verbesserung des Übergangs von der Kita in die Grundschule gefordert. Pauschale Rufe nach mehr Geld und Personal können eine solche Landtag Verbesserung nicht herbeiführen. Es braucht vielmehr ein gezieltes Konzept der Zusammenarbeit.
