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Franziska Müller-Rech

FDP 16.07.2026 Sitzungen 18/128

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für alle Eltern ist es ein absolutes Horrorszenario: ein heißer Tag in einem gut besuchten Freibad, das Kind rutscht am Beckenrand aus, es fällt ins Wasser, alle haben Spaß, es ist laut, es ist voll, niemand bemerkt etwas. Die Eltern sind nur ein paar Meter entfernt, aber das könnten die entscheidenden Meter zu viel sein. Dann zählt nur die eine Frage: Kann dieses Kind schwimmen? Kann es sich selbst retten? Wir alle haben schon von den traurigen Fällen gehört, in denen das schiefging. Deshalb dürfen wir nie unterschätzen, dass Schwimmen viel mehr als ein schönes Hobby für warme Sommertage ist. Schwimmen ist eine lebenswichtige Kompetenz. Deshalb muss für uns eines selbstverständlich sein: Jedes Kind muss die Grundschule als sicherer Schwimmer verlassen. (Beifall von der FDP) Die Statistiken zeigen uns: Wer es im Kindesalter nicht lernt, sich über Wasser zu halten, der holt es im Erwachsenenalter oft leider nicht nach. Auch ich wiederhole die Zahl: Allein im Juni sind 99 Menschen ertrunken. – Das hat – damit haben Sie recht, Frau Kollegin – zum Teil etwas mit Leichtsinn zu tun, aber oft auch mit fehlenden Fähigkeiten. Daher ist so wichtig, dass diese grundlegende Fähigkeit im Kindesalter vermittelt werden muss. Also müssen wir die Probleme beheben, an denen es aktuell noch scheitert und wegen derer viele Kinder nicht gut genug schwimmen können. Es fehlen Wasserflächen, es fehlt qualifiziertes Personal, es fehlen verlässliche Schwimmzeiten, und Schulklassen fahren teilweise sehr lange Strecken bis zum nächsten Schwimmbad. Unterrichtszeit wird zur Bus-16.07.2026 zeit. Wenn der Bus im Stau steht, dann fällt das Schwimmen oft leider ganz aus. Diese Sorge habe ich insbesondere für meine Heimatstadt Bonn, in der der Verkehr wirklich komplett zusammengebrochen ist. Das ist aber auch kein Einzelfall, Düsseldorf droht Ähnliches. Gleichzeitig konkurrieren Schulen, Vereine und Badegäste um dieselben knappen Bahnen. Auch das ist ein Problem. Im Ergebnis sind wir uns eigentlich alle einig. Alle wollen Kindern das Schwimmen beibringen. Aber niemand hat genug Wasser. Es ist richtig, sicheres Schwimmen als Bildungsziel festzuschreiben. Aber eine neue Vorgabe im Lehrplan zaubert zum Beispiel noch kein neues Schwimmbad. Die Praxis zeigt auch: Auch bei der frühkindlichen Wassergewöhnung fehlen Wasserflächen und qualifizierte Kräfte. Deswegen müssen wir uns alle zusammen hier doch einmal ehrlich fragen: Wem machen wir eigentlich Druck, wenn die Kinder nicht schwimmen lernen? Der Schule, die keine Wasserzeit bekommt oder deren Bus im Stau steht oder die keine Sportlehrer findet? Oder machen wir der Kommune den Vorwurf, deren Schwimmbad seit Jahren nicht saniert werden kann? Die Erfassung der Schwimmfähigkeit ist sinnvoll. Aber alle Daten dürfen kein Selbstzweck sein. Wer feststellt, dass ein Kind nicht sicher schwimmen kann, der muss anschließend auch die Förderung anbieten. Darauf kommt es an. (Beifall von der FDP) Da gab es auch eine tolle Kampagne: „Jedes Kind soll schwimmen lernen“. Ich kann mich noch gut an viele Versprechen der Kolleginnen und Kollegen der CDU erinnern. Aber was sich toll anhört, ist noch kein eingelöstes Versprechen. Deswegen reicht es eben nicht, wenn man schöne Bilder am Beckenrand aufnimmt. Wichtig ist, jetzt auch ins Tun zu kommen und die Lage für die Kinder im Land endlich zu verbessern. Das kann man zum Beispiel anhand von fünf Vorschlägen machen, die ich Ihnen noch vortragen möchte. Erstens haben wir festgestellt, dass den Kommunen das Wasser bis zum Hals steht. Sie brauchen einen verlässlichen Rettungsring, um Bäder zu erhalten, zu sanieren und neu zu bauen. Dauernd neue Förderprogramme mit komplizierten Anträgen ersetzen keine verlässliche Grundfinanzierung. Zweitens müssen entsprechende Qualifikationen stärker in die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte integriert werden – übrigens ausdrücklich nicht allein bei den Lehrkräften. Drittens sind Schwimmlernassistenzen auszubauen. Sie dürfen kein seltenes Zusatzangebot sein. Landtag Viertens sollten wir auch den Ganztag stärker einbeziehen – mit Vereinen, mit der Jugendhilfe und mit gut ausgebildetem Personal. Fünftens muss – lassen Sie mich es zum Schluss zusammenfassen – in der Verantwortung für jedes einzelne Kind auch völlig klar sein: Schwimmenlernen ist Pflicht, und davor darf sich niemand drücken. (Beifall von der FDP) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir teilen also das Ziel. Jedes Kind soll sicher schwimmen können. Aber Kinder lernen nicht schwimmen, weil wir hier im Landtag ein Bildungsziel beschließen oder weil der Ministerpräsident ein schönes Foto am Beckenrand aufnimmt. Sie lernen es, wenn es ein Schwimmbad gibt, wenn qualifiziertes Personal da ist, wenn Förderung erfolgt und wenn wirklich auch jedes einzelne Kind teilnimmt. Wir werden uns heute enthalten, weil der Antrag – ich darf einmal im Bild bleiben – in die richtige Richtung schwimmt, aber das rettende Ufer noch nicht erreicht. Denn am Ende kommt es nicht allein auf Lehrpläne an, sondern am Ende zählt, ob alle Kinder sicher und auch mit großer Freude schwimmen können. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)

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