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Tülay Durdu

SPD 16.07.2026 Sitzungen 18/128

Kolleginnen und Kollegen, während die Sommer immer heißer werden und immer mehr Menschen Abkühlung im Wasser suchen, schwinden in Nordrhein-Westfalen die Schwimmflächen. Seit 2001 hat sich die Zahl der Bäder in Nordrhein-Westfalen nahezu halbiert. Viele Kommunen konnten sich den Betrieb schlicht nicht mehr leisten. Hinzu kommen immer häufiger kurzfristige Schließungen, weil zum Beispiel das Dach marode ist oder Schwimmmeisterinnen und Schwimmmeister fehlen. Die Folgen erleben wir gerade in diesen Tagen überall im Land: lange Warteschlangen, überfüllte Freibäder und frustrierte Familien. Mit jedem geschlossenen Bad verschärft sich ein weiteres Problem. Immer weniger Menschen lernen überhaupt noch Schwimmen. Nur noch jedes zweite Kind verlässt die Grundschule als sichere Schwimmerin oder sicherer Schwimmer, obwohl genau das eigentlich ein festes Bildungsziel unserer Grundschulen ist. Aber wo sollen Kinder das Schwimmen auch lernen, wenn es vor Ort kein Schwimmbad mehr gibt? Wie dramatisch die Lage ist, zeigen auch die aktuellen Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Allein im vergangenen Monat sind in Nordrhein-Westfalen 22 Menschen beim Baden oder beim Schwimmen ums Leben gekommen – zehn mehr als im Juni des vergangenen Jahres. Das darf uns allen nicht gleichgültig sein. (Beifall von der SPD) Erste Freibäder reagieren auf diese Schwimmkrise mit Zugangsbeschränkungen. So dürfen in der Stadt Verl Jugendliche ohne Begleitung eines Erwachsenen das Freibad nur noch betreten, wenn sie mindestens das Bronze-Schwimmabzeichen haben. Warum? Weil die Bäder so voll sind, dass das Personal die Sicherheit anders kaum noch gewährleisten kann. Das dürfen wir nicht mehr akzeptieren. (Beifall von Dilek Engin [SPD]) Das trifft Kinder aus einkommensschwachen Familien besonders hart. Sie sind viermal häufiger Nichtschwimmer als Kinder aus finanziell besser gestellten Familien. Wer kein Schwimmbad vor Ort hat oder sich Schwimmkurse nicht leisten kann, bleibt zurück. 16.07.2026 Schlimmer noch: Manche weichen auf unbewachte Seen oder Flüsse aus – mit lebensgefährlichen Folgen. Es darf nicht sein, dass Kinder und Jugendliche das Versagen der Schwimmpolitik ausbaden müssen. Deshalb sagen wir klar: Der Bildungsauftrag endet nicht am Beckenrand. Jedes Kind muss die Grundschule als sichere Schwimmerin oder sicherer Schwimmer verlassen. Unser Ziel lautet deshalb: Bronze für alle. (Beifall von der SPD) Dafür brauchen wir mehr Schwimmassistenz im Unterricht mit einer dauerhaften Finanzierung. Die Kommunen dürfen mit dieser Aufgabe nicht alleingelassen werden. Außerdem gilt: Je früher Kinder mit Wasser vertraut werden, desto leichter lernen sie schwimmen. (Zurufe von Florian Braun [CDU] und Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]) – Sie dürfen sich gerne melden, wenn Sie was sagen möchten. (Zuruf) – Dann seien Sie bitte ruhig und stören Sie nicht. Danke schön. (Beifall von der SPD) Deshalb wollen wir ein landesweites Konzept zur frühkindlichen Wassergewöhnung … (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Rede und Gegenrede!) – Ich weiß, es tut weh. … gemeinsam mit den Kitas und Schwimmverbänden entwickeln. All diese Maßnahmen werden aber nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn wir endlich die Trendwende bei unseren Schwimmbädern schaffen. Deshalb muss das angekündigte Förderprogramm der Landesregierung ausdrücklich auch Lehrschwimmbecken und die Bäder einbeziehen, die für den Schulschwimmunterricht unverzichtbar sind. Ebenso wichtig ist, dass sich unsere Kommunen die Schwimmbäder auch leisten können müssen. Deshalb braucht es beides: ein langfristiges Investitionsprogramm für unsere Bäder und eine bessere Grundfinanzierung der Kommunen. Das sage ich jetzt besonders in Richtung der beiden, die versucht haben, mich gerade zu stören: Nein, die nun angekündigte Erhöhung des Verbundsatzes um magere, mickrige 0,5 % ist viel zu wenig, liebe Kolleginnen und Kollegen der Fraktionen von CDU und Grünen. (Beifall von der SPD – Florian Braun [CDU]: Wann haben Sie denn das letzte Mal den Ver- bundsatz erhöht? Als Sie das letzte Mal den Landtag Verbundsatz erhöht haben, war Helmut Schmidt Bundeskanzler!) Deshalb bitte ich erneut, zum x-ten Mal – ich werde auch nicht damit aufhören – um Ihre Zustimmung, damit jedes Kind in Nordrhein-Westfalen endlich schwimmen lernt und schwimmen kann. Das ist Ihre Aufgabe, das ist Ihre Verantwortung. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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