landtag.nrw.de ↗

Dorothee Feller

16.07.2026 Sitzungen 18/128

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, die Westfalen sprechen gut Deutsch, aber die Rheinländer auch. Sie singen ein bisschen mehr, aber sie können auch gutes Deutsch. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und Dilek Engin [SPD]) Das gilt auch für viele andere Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Als Regierungspräsidentin habe ich mit dem damaligen Integrationsminister von der FDP sehr eng und gut im Themenfeld „Integration“ zusammengearbeitet. Damals kamen viele geflüchtete Menschen aufgrund des Ukraine-Krieges zu uns. Dem damaligen Integrationsminister Herrn Stamp war die Integration von Menschen sehr wichtig. (Gönül Eğlence [GRÜNE]: Richtig!) Diesen Geist vermisse ich in dem FDP-Antrag heute. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN, Dilek En- gin [SPD] und Elisabeth Müller-Witt [SPD] – Gönül Eğlence [GRÜNE]: Ja, genau! – Zuruf von Marcel Hafke [FDP]) Ja, Herr Höne, ich habe Sie angeschrieben, aber nicht, um Ihnen mit diesem Schreiben den Antrag zu erläutern, (Lachen von Marcel Hafke [FDP]) sondern ich habe Sie angeschrieben, damit Sie aufhören, die falsche Behauptung über Social Media zu verbreiten, dass Deutsch nicht die Prüfungssprache ist. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich hätte von einer liberalen Partei mit dieser Historie eine andere Haltung zu diesem Thema erwartet. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Zuruf von Henning Höne [FDP]) Nordrhein-Westfalen ist ein Zuwanderungsland. Diese Vielfalt hat uns stark gemacht. Eine Vielzahl 16.07.2026 unserer Schülerinnen und Schüler hat eine internationale Familiengeschichte. Oftmals wachsen sie mit mehreren Sprachen auf und sprechen zu Hause neben Deutsch noch eine andere oder sogar mehrere weitere Sprachen. Diese sprachliche Vielfalt ist eine Bereicherung. Denn damit bringen die Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten mit, von denen sie auf ihrem weiteren Weg profitieren können – bei ihrem Bildungserfolg, in ihrer persönlichen Entwicklung, in ihren beruflichen Aussichten in einer globalisierten Welt und in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe. Die Stärkung der Mehrsprachigkeit ist bereits seit Langem ein wichtiges Anliegen der Landesregierung. Mit vielfältigen Maßnahmen verfolgen wir das Ziel, verschiedene Sprachpotenziale von Kindern und Jugendlichen zu nutzen, aktiv zu stärken und damit den Bildungserfolg aller Schülerinnen und Schüler in einem vielfältigen Nordrhein-Westfalen zu fördern. Einen wichtigen Beitrag leistet seit vielen Jahren der Herkunftssprachliche Unterricht, kurz „HSU“, an dem in Nordrhein-Westfalen über 100.000 Schülerinnen und Schüler in über 30 Sprachen teilnehmen. Mit der Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Sekundarstufe I haben wir seine Bedeutung noch weiter gestärkt. Zahlreiche Programme – etwa das Landesprogramm „Grundschulbildung stärken durch HSU“, das Elternmitwirkungsprogramm „Rucksack Schule“ sowie das digitale Leseförderprogramm „Mulingula“ – ermöglichen die mehrsprachige Sprachbildung im Schulalltag. Zudem integrieren wir die Mehrsprachigkeit in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung, etwa durch neue Studiengänge wie „Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte“ oder ein landesweites Fortbildungsangebot mit dem Schwerpunkt „Mehrsprachigkeit“, das wir aktuell aufsetzen. Davon völlig unberührt gilt jenseits des Fremdsprachenunterrichts: Unsere gemeinsame Bildungssprache ist und bleibt Deutsch, sowohl im Unterricht als auch in Prüfungen. Die deutsche Sprache sicher zu beherrschen, ist die Grundvoraussetzung für den Bildungserfolg unserer Kinder und Jugendlichen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der SPD) Die öffentliche Diskussion, die hier geführt wurde, geht in eine völlig falsche Richtung und hat völlig falsche Eindrücke erzeugt. (Thorsten Klute [SPD]: Vorsätzlich!) Denn die Stärkung der Mehrsprachigkeit steht nicht im Gegensatz zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch. Ganz im Gegenteil: Die Einbindung der Erst- und Herkunftssprachen in der Schule kann den Landtag Erwerb der deutschen Sprache unterstützen. Das bestätigen uns sowohl die Wissenschaft als auch die Praxis, so auch in der Sachverständigenanhörung. Mehrere Sprachen auf einem guten Niveau zu beherrschen, verbindet Menschen, schafft gegenseitiges Verständnis und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Schülerinnen und Schüler lernen, anderen Lebensrealitäten offen und respektvoll zu begegnen. Damit leistet die Mehrsprachigkeit zugleich einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Demokratie. Denn Vielfalt wertzuschätzen, bedeutet immer auch, unser demokratisches Miteinander zu stärken. Diese Wirkung ist gerade in der aktuellen Zeit wichtiger denn je. Lassen Sie uns daher gemeinsam die Mehrsprachigkeit unserer Kinder und Jugendlichen stärken. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der SPD)

Protokoll ↗