landtag.nrw.de ↗

Gönül Eglence

GRÜNE 16.07.2026 Sitzungen 18/128

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleg*innen der demokratischen Fraktionen! Ich will einmal kurz berichten: Ich war am vergangenen Wochenende zu einem Kindergeburtstag eingeladen. (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: Schön!) Die Menschen haben in einen Park in Köln eingeladen. Alle Familien sind binational. Alle Kinder – ausnahmslos – haben miteinander, untereinander Englisch gesprochen, weil die Familien binational sind und die Familiensprache eben Englisch ist. Darüber hinaus sprachen sie auch Deutsch; sie waren so drei, vier, fünf Jahre alt. Dann kam immer noch die dritte, vierte Sprache hinzu: Portugiesisch, Italienisch, Spanisch, whatever. Geben Sie es zu, Herr Höne, an dieser Stelle würden Sie wahrscheinlich auch sagen: Oh, wow, beeindruckend. – Richtig? 16.07.2026 Der Punkt ist: Sobald es sich aber – das hat Frau Engin schon herausgestellt – um Arabisch, Türkisch oder Kurdisch handelt, ist der Aufschrei groß, çünkü çok dillilik her zaman aynı değeri taşımıyor, (Beifall von den GRÜNEN und der SPD) because multilingualism doesn’t always count the same – und für die, die es noch auf Deutsch brauchen –, weil Mehrsprachigkeit in diesem Land leider nicht immer gleich bewertet wird. Das ist nämlich der Kern dieser Debatte. Sie haben Angst vor bestimmten Sprachen, vor bestimmten kulturellen Backgrounds. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Das ist eine Unverschämtheit!) Das ist das, was Sie in Ihrem Video gezeigt haben: Es ist die arabische Schrift. Es ist das Arabische als Beispiel. Davor haben Sie Angst und wollen allen Kindern verwehren, bei uns mehrsprachig Bildung zu erhalten. (Beifall von den GRÜNEN – Franziska Müller- Rech [FDP]: Das ist eine Unverschämtheit!) Sie müssten es aber doch eigentlich besser wissen. Jedes zweite Kind an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland hat inzwischen eine Einwanderungsgeschichte. Man muss sich doch natürlich auch deutlich machen: Sie wollen gerade Realität leugnen, wir aber entscheiden uns, Realitäten zu gestalten, indem wir nämlich Deutsch als Bildungssprache für alle Kinder fördern. Das machen wir übrigens – und das leugnen Sie gerne – sowohl mit dem KiBiz, mit den Chancen-Kitas, den plusKITAs als auch mit den ABC-Klassen, über die wir schon debattiert haben. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Das würden wir übrigens auch leugnen!) Gleichzeitig gehört es dazu, Mehrsprachigkeit zu fördern, weil Mehrsprachigkeit auch in der kognitiven Entwicklung von Kindern erwiesenermaßen Vorteile bringt. Sie sprechen an dieser Stelle von bildungsund integrationspolitischer Kapitulation. (Marcel Hafke [FDP]: Ja!) Ich würde sagen: Kapitulation ist, gar nicht erst wissen zu wollen, was ein Kind kann. Kann es Mathematik etwa nicht verstehen, oder ist es eine rein sprachliche Barriere? (Franziska Müller-Rech [FDP]: Was ist denn die Konsequenz? Die Konsequenz ist immer noch, dass Kinder Deutsch lernen müssen!) Kann es naturwissenschaftliche Zusammenhänge erkennen, obwohl es womöglich sprachlich nicht alles ausdrücken kann? Landtag Liebe FDP, Sie sind doch die Leistungspartei. Dann sollten doch allen voran Sie dafür stehen, Leistungsbewertung präziser und gerechter zu machen. Es macht doch einen Unterschied, ob ein Kind kein fachliches Wissen hat oder ein sprachliches Problem hat. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Was machen denn dann die ABC-Klassen? Meine Güte!) Es geht also nicht um weniger Deutsch, sondern um bessere Bildung. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU) Wir haben über Wirtschaft und Wirtschaftsfreundlichkeit – vorhin wurde auch an große, alte, liberale Politiker*innen erinnert – gesprochen. Sie müssten in diesem Zuge doch anerkennen, (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) dass die EU Mehrsprachigkeit zur Schlüsselkompetenz benannt hat. Unsere Unternehmen suchen gerade händeringend international nach mehrsprachigen Fachkräften. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Die auch Deutsch können!) Wir werben weltweit um diese Menschen, weil wir in einem globalen Wirtschaftsmarkt sind. Ein Kind, das sich mit einem Unternehmen aus Dubai oder einem saudi-arabischen Unternehmen in Fachsprache auf Arabisch unterhalten kann, ist etwas Gutes. Das bedeutet einen Standortvorteil für uns. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU) Am Ende des Tages gilt Folgendes: Wir fördern Deutsch, wir fördern Basiskompetenzen, und wir erkennen aber gleichzeitig auch Mehrsprachigkeit als Kompetenz an. Denn eigentlich geht es nämlich darum: Kein Kind sollte lernen, einen Teil seiner Fähigkeiten an der Klassenzimmertür abzugeben, lieber Herr Höne. Schule muss doch Kindern und Jugendlichen ermöglichen, alles mitzubringen, was sie können, und daraus mehr zu machen. Als Leistungspartei sollten allen voran Sie das mittragen. – Danke schön. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU)

Alle Reden von Gönül Eglence Protokoll ↗